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Auf einen Espresso Doppelte und andere Spitzen

 ·  Heike Göbel

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Mitten im Wintergrau ist uns ein hübsches Wort begegnet. Sonnenscheinmanagement. Nein, es stammt nicht von Peter Altmaier, obwohl der Umweltminister bekanntlich rund um die Energiewende zu besonderer sprachlicher Kreativität neigt. Mit „Sonnenscheinmanagement“ beschreibt die Unternehmerin Angelique Renkhoff-Mücke, was ihr Familienunternehmen Warema in alle Welt verkauft: Rollläden, Jalousien, Markisen, Sonnensegel in wolkenkratzertauglicher Hightechqualität. Um die immer knapperen Fachkräfte ins fränkische Marktheidenfeld und ein stark saisonabhängiges Geschäft zu locken, bedarf es nicht nur sprachlichen Einfallsreichtums. Mit rund 150 Teilzeitmodellen und Ferienbetreuung der Mitarbeiterkinder etwa sorgt man dafür, dass neben der Arbeit auch Familie oder Hobby Platz finden.

Viel Sonnenschein bereitet das Management der Telekom ihrem Vorstandsvorsitzenden René Obermann wohl nicht mehr, sonst stiege er nicht aus. Da geht es ihm wie uns leidgeprüften T-Aktionären, denen Obermann gerade den letzten Trost - die Dividende - gerupft hat. Auch die mit viel Bohei angekündigte Frauenquote hat den Kurs des Konzerns gegen alle Behauptungen der Quotenfreunde bislang nicht nennenswert gebessert. Wir fassen uns also weiter in jene Geduld, die Obermann nicht mehr aufzubringen vermag - fragen uns aber doch, warum Nachfolger Timotheus Höttges nicht sofort an den Start gehen darf. Lange Übergangsphasen, in denen quasi eine Doppelspitze agiert, sind für ein Unternehmen immer hinderlich.

Vom Doppel der Doppelspitze der Deutschen Bank ist derzeit allerdings nichts zu hören und zu sehen. Anshu Jain ist öffentlich vom Erdboden verschluckt, fast könnte man meinen, Jürgen Fitschen sitze da oben in den Spiegeltürmen allein auf weiter Flur. Eine Razzia jagt die andere, mal Verdacht auf Steuerhinterziehung, mal auf Prozessbetrug. Man kann es Jain nicht verdenken, wenn er da lieber Weihnachtsgeschenke besorgt und seinen Co Fitschen den Kopf hinhalten lässt. Vielleicht erledigt sich die Doppelspitze an Deutschlands einziger echter privater Großbank ja schneller als erwartet.

Commerzbank-Chef Martin Blessing hat zwar keine Doppelspitze, aber den Staat als Viertel-Eigentümer im Haus. Offenkundig ist das stille Arrangement mit dem Steuerzahler bequem, Blessing hat jedenfalls keine Eile, die Stütze zu beenden. Der Steuerzahler muss schon zufrieden sein, wenn Blessing wenigstens die vereinbarten Zinsen erwirtschaftet.

Als reiner Staatsbanker sonnt sich Ulrich Schröder, der KfW-Chef, unerwartet in einem Riesengewinn von mehr als

2 Milliarden Euro. Den verdankt er einem „unkaputtbaren“ Geschäftsmodell und der Euro-Krise: Solange Deutschland seine Bestnoten im Rating nicht verliert, hat die Förderbank geringste Finanzierungskosten, als sicherer Geschäftspartner rennen ihr die Kunden die Bude ein. Erwehren muss sich Schröder dafür der Begehrlichkeiten seiner Eigentümer. Die Bundesregierung will KfW-Gewinne per Gesetz in die Haushalte von Bund und Ländern leiten. Damit käme es zum permanenten Zielkonflikt zwischen fördern oder Gewinn machen, ärgert sich Schröder. So hat jedes Finanzhaus eigene Sorgen.

Frankreichs Präsident Hollande hat unterdessen von der im Wahlkampf angekündigten Zähmung der Finanzmärkte per Bankenzerschlagung Abstand genommen. Sein Reformgesetz fiel diese Woche erfreulich zahm aus, die Universalbanken bleiben erhalten. Hollandes sozialistische Anhänger sind sauer. Vielleicht sollten die großen Bankenbändiger der SPD daraus lernen, den Mund lieber schon vor der Wahl nicht zu voll zu nehmen.

Das Weihnachts-Geschenkemanagement haben wir diesmal übrigens unserer Doppelspitze überlassen. Der Bengale - groß geworden in Kalkutta, der Stadt der Stromausfälle - kauft im Zweifel immer gerne Taschenlampen: kleine zum Anhängen, große, mit denen man Einbrecher stilvoll vertreiben kann, Stirnlampen für dunkle Pfade und Magnetleuchten für den Kühlschrank, falls dem drinnen mal das Licht ausgeht, wenn man die Chilischoten aus der hintersten Ecke fischen muss. Ehrlich gesagt, haben wir das immer milde belächelt. Doch seit wir in Zeiten der Energiewende auf Hotelfluren und in Nassräumen immer öfter im Dunkeln tappen, weil die stromsparenden Bewegungsmelder das Licht erst anschalten, wenn wir uns schon gestoßen haben, denken wir um.

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