Home
http://www.faz.net/-ha4-7b1en
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, BERTHOLD KOHLER, GÜNTHER NONNENMACHER, HOLGER STELTZNER
easyfolio

Auf einen Espresso Deutsche Seherinnen

Heike Göbel

Keine Sternstunde des Föderalismus: Als letzte Handlung vor der Sommerpause haben die Länder im Bundesrat dem Flutfonds zugestimmt, vermutlich ohne dass ihre Vertreter dabei rot geworden sind. Tatsächlich kommt praktisch das ganze Geld vom Bund, der dafür 8 Milliarden Euro Schulden aufnimmt. Mit Buchungstricks wird die Aktion notdürftig kaschiert. Was die Länder denn tatsächlich beisteuerten, wurde der sächsische Staatsminister Johannes Beermann kürzlich im Deutschlandfunk gefragt. „Es ist nicht fiktives Geld, aber Geld, was in der Zukunft liegt. Gleichwohl ist es real“, schwurbelte der CDU-Politiker. Um dann anzufügen: „Zum Schluss bezahlt es immer der Steuerzahler in Deutschland.“ Für den mache es keinen Unterschied, ob er das Geld Land oder Bund gebe. Warum dann überhaupt Föderalismus?

Die Kanzlerin erweist sich in dem alten Kinderspiel „Ich sehe was, was du nicht siehst“ als beharrliche Spielverderberin. Einen weiteren Schuldenschnitt für Griechenland? „Ich sehe das nicht“, sagt Angela Merkel. Austritt eines Euro-Krisenlandes? „Das sehe ich nicht.“ Griechenland sei dank der sehr reformorientierten Regierung Samaras vorangekommen. Sie „gehe davon aus“, dass die Schuldentragfähigkeit auch weiterhin gegeben sein werde. Ob die Kanzlerin nach dem 22.September die Augen aufmacht?

Sehr wendig zeigt sich die deutsche Klima-Seherin Claudia Kemfert, die vor zehn Jahren in dieser Zeitung die Prognose wagte: „Sylt wird es in einigen Jahrzehnten nicht mehr geben.“ Die Energieökonomin dient jetzt zur Abwechselung mal dem hessischen SPD-Spitzenkandidaten Thorsten Schäfer-Gümbel als Schattenministerin. Im nordrhein-westfälischen Wahlkampf hatte sie vor einem Jahr noch dem - krachend gescheiterten - CDU-Spitzenkandidaten Norbert Röttgen geholfen. „Sehr gern unterstütze ich Teams, die die Energiewende wirklich ernst nehmen“, schreibt sie auf ihrer Website. Klar, in der Politik geht es ja bekanntlich immer nur um die Sache.

Einen Wahlerfolg für die SPD sieht derzeit niemand, nicht mal der gewöhnliche SPD-Anhänger. Bitter für Peer Steinbrück. Die Umfragekurve knickte ziemlich genau mit Beginn seiner Kanzlerkandidatur nach unten. Doch Steinbrück tröstet sich mit dem Gedanken, dass Wahlen erst in den letzten fünf, sechs Wochen vor der Stimmabgabe entschieden werden. Das reicht ja dann sogar noch für den kurzen Erholungsurlaub, den sich Steinbrück gönnen will. Nötig hat er ihn, die Mundwinkel hängen beim Kandidaten tiefer als bei der Kanzlerin.

Empfehlen könnten wir Steinbrück das Yoga-Bildungsurlaubsangebot der Frankfurter Frauenschule. In Zeiten der Gleichberechtigung darf da vielleicht ausnahmsweise ein Mann mitmachen, zumal einer, der sich die Quote auf die Fahne geschrieben hat. „In diesem Kurs vertiefen wir die Yoga- und Meditationspraxis sowie das Achtsamkeitstraining. Außerdem beschäftigen wir uns mit der Yogaphilosophie und ihrer Anwendbarkeit im täglichen Leben - wie können diese uralten Weisheiten bezüglich der Lebensführung uns heute dabei helfen, ein Leben in Klarheit und Stimmigkeit zu führen?“ Wie gemacht für einen Kanzlerkandidaten in Nöten. Und keine Sorge, „körperliche Höchstleistungen“ werden nicht verlangt, allerdings eine Bereitschaft zu längeren Meditationsphasen. Das müsste Steinbrück doch schaffen. Bei der Frauen-Fortbildung auf der Yogamatte handelt es sich übrigens um eine vom hessischen Bildungsurlaubsgesetz anerkannte Fortbildung. Arbeitgeber müssen dafür also eine Woche bezahlte zusätzliche Auszeit gewähren. Entspanntes Deutschland.

Beim Datenschutz hört die Entspannung gerade allerorten auf. Nur unser Bengale bleibt ganz gelassen. Seine Daten sichert er nämlich bevorzugt mit Namen aus dem verwirrend reichhaltigen Götter- und Mythen-Pantheon seiner Heimat. Vor Dhrischttoddumno, einem Helden aus dem Epos Mahabharata, der heiligen Götterpflanze Bisschollokoroni oder Nrischinghoavatar, einer Inkarnation von Vischnu, kapitulieren vermutlich auch die Hacker des amerikanischen Geheimdienstes.

Quelle: F.A.Z.

 
 ()
   Permalink
 
 
 

Hier können Sie die Rechte an diesem Artikel erwerben

Weitere Empfehlungen
New York Fashion Week Stretching auf dem Laufsteg

Zum Auftakt zeigt sich die Modewoche in Manhattan von ihrer sportlichen Seite. Der Weg vom Laufsteg zur Straße ist kurz. Aber tragbare Zwanglosigkeit lässt keine modische Revolution erwarten. Mehr

07.09.2014, 09:03 Uhr | Stil
Steinbrück spürt Rückenwind

In der SPD-Parteizentrale findet man schnell einen Weg, dem Wahlabend in Bayern doch noch etwas abgewinnen zu können: SPD-Kanzlerkandidat Peer Steinbrück setzt darauf, dass ein weiteres Mal die schwarz-gelbe Liebesheirat aufgekündigt wurde. Mehr

31.03.2014, 11:18 Uhr | Politik
Interaktiv So viel verdienen unsere Abgeordneten nebenher

Peter Gauweiler, Gregor Gysi, Peer Steinbrück: Jeder vierte Bundestagsabgeordnete verdient sich mit Nebentätigkeiten teils erkleckliche Summen dazu. Mancher wird dabei zum Millionär. Mit dem ständig aktualisierten FAZ.NET-Monitor können Sie ab sofort sehen, welcher Abgeordneter wie viel Geld nebenher verdient. Mehr

12.09.2014, 11:56 Uhr | Politik
Ein Kinderspiel zum Üben gegen Überschwemmungen

Bei Überschwemmungen in Asien müssen die Menschen nicht nur Stromschläge, verseuchtes Wasser und den Tod durch Ertrinken fürchten, sondern mancherorts auch Krokodile - doch für den virtuellen Helden der Flood Fighter-App ist das buchstäblich ein Kinderspiel. Mehr

14.05.2014, 16:00 Uhr | Gesellschaft
Nach dem Schuldenschnitt Deutschland schenkt Griechenland bewusst Milliarden

Die Bad Bank der Hypo Real Estate hat mit dem griechischen Schuldenschnitt Milliarden verloren. Ein Teil davon hätte vermieden werden können. Nun rechtfertigt sie ihr Vorgehen. Berlin ist in Aufregung. Mehr

12.09.2014, 17:59 Uhr | Wirtschaft
   Permalink
 Permalink

Veröffentlicht: 06.07.2013, 14:54 Uhr

Politik im Schlafzimmer

Von Winand von Petersdorff

Eine Schweizer Initiative will durch Familienplanung das Wachstum der Weltbevölkerung senken. Gruselig. Mehr 38 16


Die Börse
Name Kurs Änderung
  Dax --  --
  F.A.Z.-Index --  --
  Dow Jones --  --
  Euro in Dollar --  --
  Gold --  --
  Rohöl Brent --  --

Grafik des Tages Der Aufstieg smarter Uhren und Brillen

Apple will den Computer am Handgelenk im Alltag der Menschen etablieren. Das Feld ist bereitet - auch für Datenbrillen. Mehr 1

Nachrichten in 100 Sekunden
Nachrichten in 100 Sekunden