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Auf einen Espresso : Deutsche Seherinnen

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Die Kanzlerin erweist sich in dem Kinderspiel „Ich sehe was, was du nicht siehst“ als Spielverderberin. Schuldenschnitt für Griechenland? „Sehe ich nicht.“

          Keine Sternstunde des Föderalismus: Als letzte Handlung vor der Sommerpause haben die Länder im Bundesrat dem Flutfonds zugestimmt, vermutlich ohne dass ihre Vertreter dabei rot geworden sind. Tatsächlich kommt praktisch das ganze Geld vom Bund, der dafür 8 Milliarden Euro Schulden aufnimmt. Mit Buchungstricks wird die Aktion notdürftig kaschiert. Was die Länder denn tatsächlich beisteuerten, wurde der sächsische Staatsminister Johannes Beermann kürzlich im Deutschlandfunk gefragt. „Es ist nicht fiktives Geld, aber Geld, was in der Zukunft liegt. Gleichwohl ist es real“, schwurbelte der CDU-Politiker. Um dann anzufügen: „Zum Schluss bezahlt es immer der Steuerzahler in Deutschland.“ Für den mache es keinen Unterschied, ob er das Geld Land oder Bund gebe. Warum dann überhaupt Föderalismus?

          Die Kanzlerin erweist sich in dem alten Kinderspiel „Ich sehe was, was du nicht siehst“ als beharrliche Spielverderberin. Einen weiteren Schuldenschnitt für Griechenland? „Ich sehe das nicht“, sagt Angela Merkel. Austritt eines Euro-Krisenlandes? „Das sehe ich nicht.“ Griechenland sei dank der sehr reformorientierten Regierung Samaras vorangekommen. Sie „gehe davon aus“, dass die Schuldentragfähigkeit auch weiterhin gegeben sein werde. Ob die Kanzlerin nach dem 22.September die Augen aufmacht?

          Sehr wendig zeigt sich die deutsche Klima-Seherin Claudia Kemfert, die vor zehn Jahren in dieser Zeitung die Prognose wagte: „Sylt wird es in einigen Jahrzehnten nicht mehr geben.“ Die Energieökonomin dient jetzt zur Abwechselung mal dem hessischen SPD-Spitzenkandidaten Thorsten Schäfer-Gümbel als Schattenministerin. Im nordrhein-westfälischen Wahlkampf hatte sie vor einem Jahr noch dem - krachend gescheiterten - CDU-Spitzenkandidaten Norbert Röttgen geholfen. „Sehr gern unterstütze ich Teams, die die Energiewende wirklich ernst nehmen“, schreibt sie auf ihrer Website. Klar, in der Politik geht es ja bekanntlich immer nur um die Sache.

          Einen Wahlerfolg für die SPD sieht derzeit niemand, nicht mal der gewöhnliche SPD-Anhänger. Bitter für Peer Steinbrück. Die Umfragekurve knickte ziemlich genau mit Beginn seiner Kanzlerkandidatur nach unten. Doch Steinbrück tröstet sich mit dem Gedanken, dass Wahlen erst in den letzten fünf, sechs Wochen vor der Stimmabgabe entschieden werden. Das reicht ja dann sogar noch für den kurzen Erholungsurlaub, den sich Steinbrück gönnen will. Nötig hat er ihn, die Mundwinkel hängen beim Kandidaten tiefer als bei der Kanzlerin.

          Empfehlen könnten wir Steinbrück das Yoga-Bildungsurlaubsangebot der Frankfurter Frauenschule. In Zeiten der Gleichberechtigung darf da vielleicht ausnahmsweise ein Mann mitmachen, zumal einer, der sich die Quote auf die Fahne geschrieben hat. „In diesem Kurs vertiefen wir die Yoga- und Meditationspraxis sowie das Achtsamkeitstraining. Außerdem beschäftigen wir uns mit der Yogaphilosophie und ihrer Anwendbarkeit im täglichen Leben - wie können diese uralten Weisheiten bezüglich der Lebensführung uns heute dabei helfen, ein Leben in Klarheit und Stimmigkeit zu führen?“ Wie gemacht für einen Kanzlerkandidaten in Nöten. Und keine Sorge, „körperliche Höchstleistungen“ werden nicht verlangt, allerdings eine Bereitschaft zu längeren Meditationsphasen. Das müsste Steinbrück doch schaffen. Bei der Frauen-Fortbildung auf der Yogamatte handelt es sich übrigens um eine vom hessischen Bildungsurlaubsgesetz anerkannte Fortbildung. Arbeitgeber müssen dafür also eine Woche bezahlte zusätzliche Auszeit gewähren. Entspanntes Deutschland.

          Beim Datenschutz hört die Entspannung gerade allerorten auf. Nur unser Bengale bleibt ganz gelassen. Seine Daten sichert er nämlich bevorzugt mit Namen aus dem verwirrend reichhaltigen Götter- und Mythen-Pantheon seiner Heimat. Vor Dhrischttoddumno, einem Helden aus dem Epos Mahabharata, der heiligen Götterpflanze Bisschollokoroni oder Nrischinghoavatar, einer Inkarnation von Vischnu, kapitulieren vermutlich auch die Hacker des amerikanischen Geheimdienstes.

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