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Auf einen Espresso Chaos, Liebe, Griechenland

Das Chaos ist ein Zustand vollständiger Unordnung oder Verwirrung und damit der Gegenbegriff zu Kosmos, dem griechischen Begriff für die Weltordnung.

Das Chaos ist ein Zustand vollständiger Unordnung oder Verwirrung und damit der Gegenbegriff zu Kosmos, dem griechischen Begriff für die Weltordnung.

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Herrscht in Griechenland Chaos? Immerhin: Die Griechen sind fleißig. Immer mehr Griechen räumen kurz vor der Parlamentswahl ihre Konten und wappnen sich mit Hamsterkäufen für einen Ausstieg aus dem Euro. Allein von den Sparkonten der größten Institute des Landes wurden jüngst pro Tag 500 bis 800 Millionen Euro abgezogen. Das ist noch mal deutlich mehr als im Mai, als pro Tag 300 bis 400 Millionen Euro abgebucht wurden.

Ist das Chaos? Nun ja, wir hören jedenfalls schon, dass die Griechen nicht hamstern sollen. Falls die Reformgegner bei der Wahl am Sonntag siegen, droht dem Euro-Staat, der seit Mai 2010 nur durch internationale Kredite um eine Insolvenz herumkommt, die Zahlungsunfähigkeit und eine Rückkehr zur ungeliebten Drachme. „Die Menschen schreckt diese Aussicht“, sagte der Chef des Einzelhandelsverbandes, Vassilis Korkidis, in Athen. Hamsterkäufe seien aber keine die Lösung. „Man darf nicht in Panik verfallen. Wenn man den Schrank mit Lebensmitteln füllt, entgeht man der Krise dennoch nicht.“

Genau. Wer wird denn im Chaos gleich nervös werden? Die Griechen mögen deshalb auch keine Kritik, auch nicht aus den eigenen Reihen: Als die Sängerin Nana Mouskouri vor einiger Zeit Kritik an griechischer Politik äußerte, ernannten sie einige Magazine in Griechenland zur schwarzen Kassandra, die das eigene Land beleidige. Dabei hatte sie nur gesagt, Abgeordnete, die momentan Vorbilder sein müssten, seien unter den Ersten, die Millionen ins Ausland transferiert hätten. Dass sie dabei schamlos ihre Immunität ausnutzen, empörte sie besonders.

Wenn sie aber ehrlich mit sich selbst sind, sind die Griechen unzufrieden. Die Menschen in keinem anderen der acht jüngst für eine Studie untersuchten EU-Staaten sind derart unzufrieden mit der wirtschaftlichen Lage, derart pessimistisch, derart besorgt über Schulden und Arbeitslosigkeit, derart kritisch gegenüber der Marktwirtschaft als Wirtschaftssystem und der europäischen Integration. Dafür haben alle anderen, also Franzosen, Briten, Deutsche, Spanier, Italiener, Polen und Tschechen, ein negatives Bild von Griechenland.

Jetzt also haben die Griechen - schon wieder - die Wahl. Zum Beispiel, ob sie weiter Selbstmitleid haben wollen, oder sich vom europäischen Tropf befreien wollen - und wieder mit Selbstachtung in den Spiegel schauen wollen. Ob sie einen Staat aufbauen wollen, der wieder funktioniert, und Steuerbehörden dazu befähigen, erstmals in der Geschichte des Landes Steuern auch von reichen Leuten einzutreiben. Wie, fragt man sich fassungslos, kann es ein entwickeltes Land ertragen, wenn es in einigen seiner Krankenhäuser keine Medikamente mehr gibt? Man muss es doch mit Ehrgeiz den anderen auch einmal wieder zeigen wollen: Ja, wir wollen im Euro bleiben, und ja, wir werden alles, aber auch alles dafür tun.

Gibt es Hoffnung? Fragen wir Wikipedia: In der Theogonie des griechischen Dichters Hesiod ist das Chaos der Urzustand der Welt. Das Chaos besitzt in diesem kosmogonischen Mythos Ähnlichkeit mit dem Nichts und der Leere. Kinder oder Abkömmlinge des Chaos sind Gaia (die Göttin der Erde), Nyx (die Göttin der Finsternis der Nacht), Erebos (der Gott der Finsternis in der Unterwelt) und Tartaros (die Unterwelt, Ort und Person zugleich). Oh weh.

Ach so, da gibt es ja noch Eros, den Gott der Liebe, auch er ist gleichzeitig aus dem Chaos entstanden. Australische Auslandgriechen haben ihn schon entdeckt: Die Griechen zählen zu einer der größten Ausländergruppe in Australien. Rund eine halbe Million Menschen mit griechischen Wurzeln leben dort. Viele sind nun auf der Suche nach Investments in der Heimat ihrer Vorfahren. „Ich höre in meinem Bekanntenkreis, dass fast jeder in der Generation meiner Eltern oder ihre Kinder nach Griechenland fahren und Immobilien in dem Ort oder der Region kaufen, in der sie aufgewachsen sind“, sagt George Boubouras, der leitende Investmentstrategie der australischen Vermögensverwaltungstochter der UBS und griechischer Bürger. Das Herz spiele dabei eine größere Rolle als der Kopf.

Quelle: F.A.Z.

 
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Veröffentlicht: 18.06.2012, 08:48 Uhr

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