Home
http://www.faz.net/-gqe-72ong
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, JÜRGEN KAUBE, BERTHOLD KOHLER, HOLGER STELTZNER
Risikoabsicherung

Auf einen Espresso Bremse gegen Multikollision

In dieser Woche hatten wir im Internet einen „Top-Klicker“, und der hatte nichts mit dem Thema Euro zu tun: Die Deutschen wollen alles über den Golf VII wissen.

In dieser Woche hatten wir im Internet einen „Top-Klicker“, und der hatte einmal nichts mit dem leidigen Thema Euro zu tun: Die Deutschen wollen alles über den neuen Golf wissen. Da zählen alle Fakten, vom Preis der Sonderausstattungen bis zur letzten Pferdestärke der neuen oder überarbeiteten Motoren. Das Auto ist ein Phänomen. Dabei verändert es sich auf den ersten Blick im Verlauf der Jahre kaum. Und auch der Blick auf die Aufpreisliste bleibt gleichbleibend ernüchternd.

Carsten Knop Folgen:      

Eine Ausstattung ist fortan allerdings serienmäßig, die man im übertragenen Sinn auch manchem Euro-Rettungspolitiker empfehlen würde: Es ist die Multikollisionsbremse des Golf VII. Dabei geht es um folgendes Phänomen: Bei knapp einem Viertel aller Unfälle mit Personenschaden verliert der Fahrer nach einem ersten schweren Aufprall die Kontrolle. Wegen der verbleibenden Restgeschwindigkeit folgen oft weitere Zusammenstöße mit anderen Autos oder Personen. Die Multikollisionsbremse erkennt diese Situation und leitet nach dem ersten Crash eine automatische Verzögerung mit dem bis zu 0,6-fachen der g-Kraft - also mit rund 5,9 m/s2 - ein.

Na, das wäre doch etwas für Europa: Gibt es einen Crash in Griechenland, wird automatisch eine Multikollisionsbremse aktiviert, die eine Kettenreaktion und das Übergreifen der Krise auf Spanien oder Italien verhindert. Schade nur, dass es dafür allem Anschein nach schon zu spät ist. In der kommenden Woche urteilt erst einmal das höchste deutsche Gericht über die Verfassungsmäßigkeit des Europäischen Stabilitätsmechanismus. Danach wird man sehen, welche Multikollisionsbremsen die Europäische Zentralbank nach allen bisherigen Tricks und Kniffen noch hervorzaubern kann.

Aus dem Reich der Familie des Volkswagen-Aufsichtsratsvorsitzenden Ferdinand Piëch kam übrigens vor ein paar Jahren schon einmal eine Idee, die auf den ersten Blick verlockend erschien, letztlich aber weder für Porsche etwas war, noch Europa retten könnte. Denn unter seinem Finanzvorstand Holger Härter hatte der Sportwagenhersteller, der sich zu jener Zeit anschickte, Volkswagen zu kaufen, Finanzakrobatik serienmäßig eingebaut, Geld wurde aus dem Nichts geschaffen - und der Chefingenieur dieser Ausstattung war Härter persönlich. So kam es, dass Porsche im Frühjahr 2009 einen Kredit von 10 Milliarden Euro zu refinanzieren hatte. Nun steht der Vorwurf im Raum, Härter habe die Bank BNP Paribas im Zusammenhang mit einem 650-Millionen-Euro-Kredit über die finanziellen Nöte des Unternehmens getäuscht. Auf Kreditbetrug lautet die Anklage der Stuttgarter Staatsanwaltschaft gegen Härter und zwei seiner Mitstreiter. Doch diese weisen die Schuld von sich: „Dieser Vorwurf macht mich fassungslos“, sagte Härter zum Prozessauftakt: „Es wäre mir nie in den Sinn gekommen, Geschäftspartner auf der Basis von Halb- oder Unwahrheiten zu hintergehen.“ Nein, nein.

So etwas würde man ja auch den Finanzministern der südlichen Euroländer niemals unterstellen: Zahlenakrobatik, wer macht so was schon? Auch unsere Arbeits- und Sozialministerin Ursula von der Leyen würde nie auf eine solche Idee kommen. Deshalb hat sie sich in dieser Woche auch gegen Vorwürfe gewehrt, mit den von ihr am vergangenen Wochenende vorgelegten Renten-Zahlen zu tricksen. Danach bekommt ein Arbeitnehmer mit einem Bruttolohn von 2500 Euro nach 35 Jahren nur eine Rente auf Höhe der Grundsicherung von 688 Euro. Nur: Die meisten Menschen arbeiten länger, Rentensteigerungen wurden in der Rechnung nicht berücksichtigt und auch keine zusätzliche Altersvorsorge. Da muss man schon ein ziemlicher Schelm sein, um dabei Böses zu denken.

Zu guter Letzt noch etwas zur Aufmunterung: Nach der „Bikini-Figur“-

Diät kommt jetzt die „Weg mit dem Urlaubsspeck“-Diät. Gerade erst haben wir die entsprechende Werbung aus dem Briefkasten gefischt. Das ist so ernüchternd wie die Glaubwürdigkeit so mancher Zahlenverdreher, die einmal ihr übergroßes Ego einer Diät unterziehen sollten.

Quelle: F.A.Z.

 
 ()
   Permalink
 
 
 

Hier können Sie die Rechte an diesem Artikel erwerben

Weitere Empfehlungen
Keine gezielte Desinformation Porsche-Holding erzielt Sieg im Milliardenstreit mit Hedgefonds

Das Oberlandesgericht Stuttgart hat am Donnerstag in einem Milliardenstreit mit Hedgefonds zugunsten der Porsche-Holding entschieden. Porsche habe die Anleger nicht vorsätzlich sittenwidrig geschädigt, urteilten die Richter. Mehr

26.03.2015, 15:27 Uhr | Finanzen
Fahrbericht VW Passat Der wahre Wagen der Völker

Der meistverkaufte VW ist nicht der Golf, sondern der Passat. Möglich machen es Amerika und China. In Deutschland ist der Mittelklasse-Volkswagen Dienst- und Familienauto Nummer 1. Jetzt startet die achte Generation. Wir fuhren den ersten Probe. Mehr

20.10.2014, 17:46 Uhr | Technik-Motor
Belohnung Porsche-Mitarbeiter bekommen 8600 Euro Bonus

Porsche hat im vergangenen Jahr so viele Autos verkauft wie nie zuvor. Das zahlt sich auch für die Mitarbeiter aus. Für das abgelaufene Geschäftsjahr erhalten sie einen Rekord-Bonus. Mehr Von Susanne Preuss, Stuttgart

25.03.2015, 12:19 Uhr | Wirtschaft
Fahrbericht Porsche Cayenne S E-Hybrid

Porsche gibt sich grün und hat gleich drei Modelle im Programm, die rein elektrisch fahren können. Der Cayenne mit Schnur ist freilich eine Mogelpackung. Wegen des offiziellen Normverbrauchs. Mehr

08.03.2015, 14:40 Uhr | Technik-Motor
0:3 gegen Juventus BVB sagt der Champions League für ein Jahr Adieu

Der Zehnte der Bundesliga gehört eben doch nicht zur Europa Top 8: Borussia Dortmund scheitert im Achtelfinal-Rückspiel chancenlos an Juventus Turin. Der BVB wird somit kommende Saison nicht in der Königsklasse spielen. Mehr Von Christian Kamp, Dortmund

18.03.2015, 22:35 Uhr | Sport
   Permalink
 Permalink

Veröffentlicht: 07.09.2012, 15:30 Uhr

Musikalisches Pathos

Von Martin Gropp

Popstars wie Madonna, Rihanna und Jay-Z haben sich verbündet, um einen eigenen Streamingdienst zu gründen. Gut so, das belebt das Geschäft. Nur das Pathos ist ein wenig dick aufgetragen. Mehr


Die Börse
Name Kurs Änderung
  Dax --  --
  F.A.Z.-Index --  --
  Dow Jones --  --
  Euro in Dollar --  --
  Gold --  --
  Rohöl Brent --  --

Grafik des Tages Die riesigen Bargeldreserven der Tech-Unternehmen

Apple, Google und Co. haben riesige Bargeldbestände angehäuft. Man kommt aus dem Staunen kaum heraus und muss zum Vergleich schon die griechischen Staatsschulden heranziehen. Mehr 5

Nachrichten in 100 Sekunden
Nachrichten in 100 Sekunden