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Auf einen Espresso : Bremse gegen Multikollision

In dieser Woche hatten wir im Internet einen „Top-Klicker“, und der hatte nichts mit dem Thema Euro zu tun: Die Deutschen wollen alles über den Golf VII wissen.

          In dieser Woche hatten wir im Internet einen „Top-Klicker“, und der hatte einmal nichts mit dem leidigen Thema Euro zu tun: Die Deutschen wollen alles über den neuen Golf wissen. Da zählen alle Fakten, vom Preis der Sonderausstattungen bis zur letzten Pferdestärke der neuen oder überarbeiteten Motoren. Das Auto ist ein Phänomen. Dabei verändert es sich auf den ersten Blick im Verlauf der Jahre kaum. Und auch der Blick auf die Aufpreisliste bleibt gleichbleibend ernüchternd.

          Carsten Knop

          verantwortlicher Redakteur für Wirtschaftsberichterstattung und Unternehmen.

          Eine Ausstattung ist fortan allerdings serienmäßig, die man im übertragenen Sinn auch manchem Euro-Rettungspolitiker empfehlen würde: Es ist die Multikollisionsbremse des Golf VII. Dabei geht es um folgendes Phänomen: Bei knapp einem Viertel aller Unfälle mit Personenschaden verliert der Fahrer nach einem ersten schweren Aufprall die Kontrolle. Wegen der verbleibenden Restgeschwindigkeit folgen oft weitere Zusammenstöße mit anderen Autos oder Personen. Die Multikollisionsbremse erkennt diese Situation und leitet nach dem ersten Crash eine automatische Verzögerung mit dem bis zu 0,6-fachen der g-Kraft - also mit rund 5,9 m/s2 - ein.

          Na, das wäre doch etwas für Europa: Gibt es einen Crash in Griechenland, wird automatisch eine Multikollisionsbremse aktiviert, die eine Kettenreaktion und das Übergreifen der Krise auf Spanien oder Italien verhindert. Schade nur, dass es dafür allem Anschein nach schon zu spät ist. In der kommenden Woche urteilt erst einmal das höchste deutsche Gericht über die Verfassungsmäßigkeit des Europäischen Stabilitätsmechanismus. Danach wird man sehen, welche Multikollisionsbremsen die Europäische Zentralbank nach allen bisherigen Tricks und Kniffen noch hervorzaubern kann.

          Aus dem Reich der Familie des Volkswagen-Aufsichtsratsvorsitzenden Ferdinand Piëch kam übrigens vor ein paar Jahren schon einmal eine Idee, die auf den ersten Blick verlockend erschien, letztlich aber weder für Porsche etwas war, noch Europa retten könnte. Denn unter seinem Finanzvorstand Holger Härter hatte der Sportwagenhersteller, der sich zu jener Zeit anschickte, Volkswagen zu kaufen, Finanzakrobatik serienmäßig eingebaut, Geld wurde aus dem Nichts geschaffen - und der Chefingenieur dieser Ausstattung war Härter persönlich. So kam es, dass Porsche im Frühjahr 2009 einen Kredit von 10 Milliarden Euro zu refinanzieren hatte. Nun steht der Vorwurf im Raum, Härter habe die Bank BNP Paribas im Zusammenhang mit einem 650-Millionen-Euro-Kredit über die finanziellen Nöte des Unternehmens getäuscht. Auf Kreditbetrug lautet die Anklage der Stuttgarter Staatsanwaltschaft gegen Härter und zwei seiner Mitstreiter. Doch diese weisen die Schuld von sich: „Dieser Vorwurf macht mich fassungslos“, sagte Härter zum Prozessauftakt: „Es wäre mir nie in den Sinn gekommen, Geschäftspartner auf der Basis von Halb- oder Unwahrheiten zu hintergehen.“ Nein, nein.

          So etwas würde man ja auch den Finanzministern der südlichen Euroländer niemals unterstellen: Zahlenakrobatik, wer macht so was schon? Auch unsere Arbeits- und Sozialministerin Ursula von der Leyen würde nie auf eine solche Idee kommen. Deshalb hat sie sich in dieser Woche auch gegen Vorwürfe gewehrt, mit den von ihr am vergangenen Wochenende vorgelegten Renten-Zahlen zu tricksen. Danach bekommt ein Arbeitnehmer mit einem Bruttolohn von 2500 Euro nach 35 Jahren nur eine Rente auf Höhe der Grundsicherung von 688 Euro. Nur: Die meisten Menschen arbeiten länger, Rentensteigerungen wurden in der Rechnung nicht berücksichtigt und auch keine zusätzliche Altersvorsorge. Da muss man schon ein ziemlicher Schelm sein, um dabei Böses zu denken.

          Zu guter Letzt noch etwas zur Aufmunterung: Nach der „Bikini-Figur“-

          Diät kommt jetzt die „Weg mit dem Urlaubsspeck“-Diät. Gerade erst haben wir die entsprechende Werbung aus dem Briefkasten gefischt. Das ist so ernüchternd wie die Glaubwürdigkeit so mancher Zahlenverdreher, die einmal ihr übergroßes Ego einer Diät unterziehen sollten.

          Quelle: F.A.Z.

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