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Auf einen Espresso Auf der Waage: Bauch einziehen

In Offenbach werden die Mieter vor sich selbst geschützt. In Berlin die Krankenkassen. Und Mainz hat den wirksamsten Schutz vor Bahn-Unfällen überhaupt.

© F.A.Z.

Vielleicht erinnern Sie sich an ein Gerichtsverfahren, das in Köln vor einiger Zeit geschah. Eine Frau hatte sich eine schicke Wohnung in den modernsten Bauten gemietet, direkt am Rhein. Doch kurz nach dem Einzug pochte sie auf eine Mietminderung. Denn sie hatte erst nach dem Einzug bemerkt, dass auf dem Rhein Schiffe fahren, die Geräusche und Geruch abgeben.

Patrick Bernau Folgen:

Recht bekommen hat die Frau nicht. Aber die Geschichte hilft zu verstehen, was gerade in Offenbach geschieht. Dort werden auf einer Insel im Fluss neue Häuser gebaut. Doch am Ufer gegenüber liegt ein Gewerbegebiet - es droht Lärmbelästigung. Um das zu verhindern, verbot ein Gericht einfach die ganze Bebauung. Wo niemand ist, kann auch keiner belästigt werden. Damit aber wollten sich die Offenbacher nicht abfinden. Inzwischen ist eine Lösung gefunden, die allen beteiligten Juristen gefallen hat. Zu ihrem eigenen Schutz haben die Bewohner jetzt Fenster, die sie nicht öffnen können.

In Deutschland wird man halt gelegentlich vor sich selbst geschützt. So geht es auch den Krankenkassen. 70 Millionen Euro wollten sie zahlen für ihr neues Bürogebäude im Herzen Berlins, gar nicht weit vom Gesundheitsministerium. Doch der Verkäufer will ihnen sein Haus nicht mehr verkaufen. So viel Geld, das sei viel zu viel für die Krankenkassen. Da vermietet er sein Haus doch lieber für drei Millionen Euro jährlich.

Neuer Schutz in Mainz

Auch in Mainz gibt es neue Schutzmaßnahmen. Dort waren im August zwei S-Bahnen aufs selbe Gleis geraten. Um solche Unfallgefahren künftig zu verhindern, müssen jetzt mehr Fahrdienstleiter eingesetzt werden. Und weil von denen einige krank sind, reicht das Personal nicht mehr. Jetzt fahren gar keine Züge mehr. Das ist natürlich der beste Schutz vor Unfällen.

Von der Eisenbahn ist man ganz schnell bei Horst Seehofer. Der hat sich dieser Tage auch mit dem Verkehr beschäftigt. Und in seinem Wahlkampf eine Pkw-Maut für Ausländer auf Deutschlands Straßen gefordert. Dabei wissen schon seit den vergangenen drei Diskussionen alle, dass die EU-Kommission das nicht einfach zulässt. Italiener dürfen nicht anders behandelt werden als Deutsche. Entweder es müssen alle zahlen, oder Seehofer findet eine Lücke im EU-Recht, die er benennen müsste. Das sagten ihm dann auch alle innerhalb weniger Stunden. Hätte nur mal jemand den Horst Seehofer vor sich selbst geschützt.

Man hat eben seine Illusionen. Apple glaubt auch gerne, es sei noch eine hochinnovative Firma. Tatsächlich ist jetzt schon jahrelang nichts richtig Neues mehr gekommen. Der Kurs ist abgestürzt, zum niedrigeren Preis sind jetzt die Investoren Carl Icahn und George Soros eingestiegen. Beide sind nicht bekannt dafür, dass sie in besonders innovative Unternehmen investieren. Carl Icahn hat es meistens eher auf das Geld abgesehen, und davon hat Apple ja noch einiges auf dem Konto. Vielleicht ist es für Apple ganz gesund, wenn dem Unternehmen jemand seine Illusionen nimmt.

Manche ziehen auf der Waage den Bauch ein

„Sieh mal der Wahrheit ins Gesicht“, singt die Band „Basta“. „Hör auf, dich zu belügen, vor dir selbst zu fliehen. Es bringt nichts, auf der Waage den Bauch einzuziehen.“ Manche tun das.

Aber manchmal wird nachgezählt, ob es um Kilos geht oder um Katholiken. Vorgestern war für die Leute in drei bayerischen Gemeinden der letzte Feiertag im August. Denn der jüngste Zensus hat gezeigt, dass die Gemeinden nicht so viele katholische Einwohner haben wie gedacht, jetzt fällt vom nächsten Jahr an Mariä Himmelfahrt weg.

So ist das für Minderheiten. Man hat’s leicht. Sinti und Roma haben vergangene Woche auf eine weitere Diskriminierung aufmerksam gemacht: auf die Zigeunersoße. Sie fühlten sich von dem Wort beschimpft, zumal die Zigeunersoße eher aus Ungarn stammt. Da wünschen wir Ihnen doch einen guten Appetit beim Sonntagsessen mit der neuen „Antidiskriminierungssoße“.

Korrektur: In einer früheren Version hieß es, Warren Buffett sei bei Apple eingestiegen. Tatsächlich war es George Soros. Wir bitten, die Verwechslung zu entschuldigen.

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Quelle: F.A.Z.

 
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