Home
http://www.faz.net/-gqe-7go54
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, JÜRGEN KAUBE, BERTHOLD KOHLER, HOLGER STELTZNER
Risikoabsicherung

Auf einen Espresso Auf der Waage: Bauch einziehen

In Offenbach werden die Mieter vor sich selbst geschützt. In Berlin die Krankenkassen. Und Mainz hat den wirksamsten Schutz vor Bahn-Unfällen überhaupt.

© F.A.Z. Vergrößern

Vielleicht erinnern Sie sich an ein Gerichtsverfahren, das in Köln vor einiger Zeit geschah. Eine Frau hatte sich eine schicke Wohnung in den modernsten Bauten gemietet, direkt am Rhein. Doch kurz nach dem Einzug pochte sie auf eine Mietminderung. Denn sie hatte erst nach dem Einzug bemerkt, dass auf dem Rhein Schiffe fahren, die Geräusche und Geruch abgeben.

Patrick Bernau Folgen:

Recht bekommen hat die Frau nicht. Aber die Geschichte hilft zu verstehen, was gerade in Offenbach geschieht. Dort werden auf einer Insel im Fluss neue Häuser gebaut. Doch am Ufer gegenüber liegt ein Gewerbegebiet - es droht Lärmbelästigung. Um das zu verhindern, verbot ein Gericht einfach die ganze Bebauung. Wo niemand ist, kann auch keiner belästigt werden. Damit aber wollten sich die Offenbacher nicht abfinden. Inzwischen ist eine Lösung gefunden, die allen beteiligten Juristen gefallen hat. Zu ihrem eigenen Schutz haben die Bewohner jetzt Fenster, die sie nicht öffnen können.

In Deutschland wird man halt gelegentlich vor sich selbst geschützt. So geht es auch den Krankenkassen. 70 Millionen Euro wollten sie zahlen für ihr neues Bürogebäude im Herzen Berlins, gar nicht weit vom Gesundheitsministerium. Doch der Verkäufer will ihnen sein Haus nicht mehr verkaufen. So viel Geld, das sei viel zu viel für die Krankenkassen. Da vermietet er sein Haus doch lieber für drei Millionen Euro jährlich.

Neuer Schutz in Mainz

Auch in Mainz gibt es neue Schutzmaßnahmen. Dort waren im August zwei S-Bahnen aufs selbe Gleis geraten. Um solche Unfallgefahren künftig zu verhindern, müssen jetzt mehr Fahrdienstleiter eingesetzt werden. Und weil von denen einige krank sind, reicht das Personal nicht mehr. Jetzt fahren gar keine Züge mehr. Das ist natürlich der beste Schutz vor Unfällen.

Von der Eisenbahn ist man ganz schnell bei Horst Seehofer. Der hat sich dieser Tage auch mit dem Verkehr beschäftigt. Und in seinem Wahlkampf eine Pkw-Maut für Ausländer auf Deutschlands Straßen gefordert. Dabei wissen schon seit den vergangenen drei Diskussionen alle, dass die EU-Kommission das nicht einfach zulässt. Italiener dürfen nicht anders behandelt werden als Deutsche. Entweder es müssen alle zahlen, oder Seehofer findet eine Lücke im EU-Recht, die er benennen müsste. Das sagten ihm dann auch alle innerhalb weniger Stunden. Hätte nur mal jemand den Horst Seehofer vor sich selbst geschützt.

Man hat eben seine Illusionen. Apple glaubt auch gerne, es sei noch eine hochinnovative Firma. Tatsächlich ist jetzt schon jahrelang nichts richtig Neues mehr gekommen. Der Kurs ist abgestürzt, zum niedrigeren Preis sind jetzt die Investoren Carl Icahn und George Soros eingestiegen. Beide sind nicht bekannt dafür, dass sie in besonders innovative Unternehmen investieren. Carl Icahn hat es meistens eher auf das Geld abgesehen, und davon hat Apple ja noch einiges auf dem Konto. Vielleicht ist es für Apple ganz gesund, wenn dem Unternehmen jemand seine Illusionen nimmt.

Manche ziehen auf der Waage den Bauch ein

„Sieh mal der Wahrheit ins Gesicht“, singt die Band „Basta“. „Hör auf, dich zu belügen, vor dir selbst zu fliehen. Es bringt nichts, auf der Waage den Bauch einzuziehen.“ Manche tun das.

Aber manchmal wird nachgezählt, ob es um Kilos geht oder um Katholiken. Vorgestern war für die Leute in drei bayerischen Gemeinden der letzte Feiertag im August. Denn der jüngste Zensus hat gezeigt, dass die Gemeinden nicht so viele katholische Einwohner haben wie gedacht, jetzt fällt vom nächsten Jahr an Mariä Himmelfahrt weg.

So ist das für Minderheiten. Man hat’s leicht. Sinti und Roma haben vergangene Woche auf eine weitere Diskriminierung aufmerksam gemacht: auf die Zigeunersoße. Sie fühlten sich von dem Wort beschimpft, zumal die Zigeunersoße eher aus Ungarn stammt. Da wünschen wir Ihnen doch einen guten Appetit beim Sonntagsessen mit der neuen „Antidiskriminierungssoße“.

Korrektur: In einer früheren Version hieß es, Warren Buffett sei bei Apple eingestiegen. Tatsächlich war es George Soros. Wir bitten, die Verwechslung zu entschuldigen.

Mehr zum Thema

Quelle: F.A.Z.

 
 ()
   Permalink
 
 
 

Hier können Sie die Rechte an diesem Artikel erwerben

Weitere Empfehlungen
Möglicher neuer Produktbereich Apple-Manager schürt Gerüchte über Auto-Projekt

Wenn der Apple-Konzern beteiligt ist, geht es schnell mit den Gerüchten: Ein ranghoher Apple-Manager nimmt das Wort Auto in den Mund - und nun gehen die Spekulationen über ein Apple-Fahrzeug durch die Decke. Mehr

28.05.2015, 08:45 Uhr | Wirtschaft
Bayern Seehofer will keine Personaldiskussion

Der bayerische Ministerpräsident Horst Seehofer beteuerte auf der CSU-Klausurtagung in Wildbad Kreuth keine Personaldiskussion um seine Nachfolge 2018 zu wollen. Mehr

08.01.2015, 09:47 Uhr | Politik
Fernseher Apple gibt Pläne für TV-Gerät auf

Gerüchte über einen Apple-Fernseher schwirren seit Jahren herum. Doch Apple hat sich offenbar schon vor über einem Jahr gegen ein eigenes TV-Gerät entschieden. Mehr

19.05.2015, 11:22 Uhr | Wirtschaft
Seehofer gegen Gabriel Parteichefs teilen zum politischen Aschermittwoch aus

SPD-Chef Sigmar Gabriel und CSU-Boss Horst Seehofer haben sich in Bayern einen Schlagabtausch geliefert. Sorgen wegen der politische Konkurrenz macht man sich in der CSU dabei nicht. Manche Dinge in Bayern haben sich eben seit Jahrzehnten kaum verändert. Mehr

18.02.2015, 17:56 Uhr | Politik
Frankfurt Mann stirbt nach Schlägerei im Klub Gibson

Trauriges Ende einer Feier: Ein 41 Jahre alter Mann bezahlt den Besuch eines Frankfurter Clubs mit seinem Leben. Unter den Gästen war auch der Fußballer Nelson Valdez, der angetrunken so auffällig wurde, dass ihn die Polizei mit auf die Wache nahm. Mehr

26.05.2015, 13:17 Uhr | Gesellschaft
   Permalink
 Permalink

Veröffentlicht: 16.08.2013, 16:38 Uhr

Trübe Zukunft von RWE

Von Carsten Knop

Die Finanzindustrie war in der Krise systemrelevant und der Staat musste die Commerzbank retten. Die Ewigkeitskosten der Atomkraft lassen bald die Energieriesen straucheln. Da liegt der gedankliche Sprung zur Verstaatlichung von RWE nicht mehr fern. Mehr 32 13


Die Börse
Name Kurs Änderung
  Dax --  --
  F.A.Z.-Index --  --
  Dow Jones --  --
  Euro in Dollar --  --
  Gold --  --
  Rohöl Brent --  --
Nachrichten in 100 Sekunden
Nachrichten in 100 Sekunden

Grafik des Tages Job ist nicht gleich Job

Seit Jahren geht in Deutschland die Arbeitslosigkeit zurück. Das wären doch meist nur befristete Stellen, wenden Kritiker ein. Ist das so? Und wie ist es woanders? Mehr 0