http://www.faz.net/-gqe-7go54
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, JÜRGEN KAUBE, BERTHOLD KOHLER, HOLGER STELTZNER

Veröffentlicht: 16.08.2013, 16:38 Uhr

Auf einen Espresso Auf der Waage: Bauch einziehen

In Offenbach werden die Mieter vor sich selbst geschützt. In Berlin die Krankenkassen. Und Mainz hat den wirksamsten Schutz vor Bahn-Unfällen überhaupt.

von
© F.A.Z.

Vielleicht erinnern Sie sich an ein Gerichtsverfahren, das in Köln vor einiger Zeit geschah. Eine Frau hatte sich eine schicke Wohnung in den modernsten Bauten gemietet, direkt am Rhein. Doch kurz nach dem Einzug pochte sie auf eine Mietminderung. Denn sie hatte erst nach dem Einzug bemerkt, dass auf dem Rhein Schiffe fahren, die Geräusche und Geruch abgeben.

Patrick Bernau Folgen:

Recht bekommen hat die Frau nicht. Aber die Geschichte hilft zu verstehen, was gerade in Offenbach geschieht. Dort werden auf einer Insel im Fluss neue Häuser gebaut. Doch am Ufer gegenüber liegt ein Gewerbegebiet - es droht Lärmbelästigung. Um das zu verhindern, verbot ein Gericht einfach die ganze Bebauung. Wo niemand ist, kann auch keiner belästigt werden. Damit aber wollten sich die Offenbacher nicht abfinden. Inzwischen ist eine Lösung gefunden, die allen beteiligten Juristen gefallen hat. Zu ihrem eigenen Schutz haben die Bewohner jetzt Fenster, die sie nicht öffnen können.

In Deutschland wird man halt gelegentlich vor sich selbst geschützt. So geht es auch den Krankenkassen. 70 Millionen Euro wollten sie zahlen für ihr neues Bürogebäude im Herzen Berlins, gar nicht weit vom Gesundheitsministerium. Doch der Verkäufer will ihnen sein Haus nicht mehr verkaufen. So viel Geld, das sei viel zu viel für die Krankenkassen. Da vermietet er sein Haus doch lieber für drei Millionen Euro jährlich.

Neuer Schutz in Mainz

Auch in Mainz gibt es neue Schutzmaßnahmen. Dort waren im August zwei S-Bahnen aufs selbe Gleis geraten. Um solche Unfallgefahren künftig zu verhindern, müssen jetzt mehr Fahrdienstleiter eingesetzt werden. Und weil von denen einige krank sind, reicht das Personal nicht mehr. Jetzt fahren gar keine Züge mehr. Das ist natürlich der beste Schutz vor Unfällen.

Von der Eisenbahn ist man ganz schnell bei Horst Seehofer. Der hat sich dieser Tage auch mit dem Verkehr beschäftigt. Und in seinem Wahlkampf eine Pkw-Maut für Ausländer auf Deutschlands Straßen gefordert. Dabei wissen schon seit den vergangenen drei Diskussionen alle, dass die EU-Kommission das nicht einfach zulässt. Italiener dürfen nicht anders behandelt werden als Deutsche. Entweder es müssen alle zahlen, oder Seehofer findet eine Lücke im EU-Recht, die er benennen müsste. Das sagten ihm dann auch alle innerhalb weniger Stunden. Hätte nur mal jemand den Horst Seehofer vor sich selbst geschützt.

Man hat eben seine Illusionen. Apple glaubt auch gerne, es sei noch eine hochinnovative Firma. Tatsächlich ist jetzt schon jahrelang nichts richtig Neues mehr gekommen. Der Kurs ist abgestürzt, zum niedrigeren Preis sind jetzt die Investoren Carl Icahn und George Soros eingestiegen. Beide sind nicht bekannt dafür, dass sie in besonders innovative Unternehmen investieren. Carl Icahn hat es meistens eher auf das Geld abgesehen, und davon hat Apple ja noch einiges auf dem Konto. Vielleicht ist es für Apple ganz gesund, wenn dem Unternehmen jemand seine Illusionen nimmt.

Manche ziehen auf der Waage den Bauch ein

„Sieh mal der Wahrheit ins Gesicht“, singt die Band „Basta“. „Hör auf, dich zu belügen, vor dir selbst zu fliehen. Es bringt nichts, auf der Waage den Bauch einzuziehen.“ Manche tun das.

Aber manchmal wird nachgezählt, ob es um Kilos geht oder um Katholiken. Vorgestern war für die Leute in drei bayerischen Gemeinden der letzte Feiertag im August. Denn der jüngste Zensus hat gezeigt, dass die Gemeinden nicht so viele katholische Einwohner haben wie gedacht, jetzt fällt vom nächsten Jahr an Mariä Himmelfahrt weg.

So ist das für Minderheiten. Man hat’s leicht. Sinti und Roma haben vergangene Woche auf eine weitere Diskriminierung aufmerksam gemacht: auf die Zigeunersoße. Sie fühlten sich von dem Wort beschimpft, zumal die Zigeunersoße eher aus Ungarn stammt. Da wünschen wir Ihnen doch einen guten Appetit beim Sonntagsessen mit der neuen „Antidiskriminierungssoße“.

Korrektur: In einer früheren Version hieß es, Warren Buffett sei bei Apple eingestiegen. Tatsächlich war es George Soros. Wir bitten, die Verwechslung zu entschuldigen.

Mehr zum Thema

Quelle: F.A.Z.

 

Hier können Sie die Rechte an diesem Artikel erwerben

Weitere Empfehlungen
Flüchtlingskrise Seehofer kritisiert Merkels Haltung gegenüber der Türkei

Horst Seehofer warnt die Kanzlerin Merkel vor zu großer Nachsicht mit Ankara. Man habe sich durch das Flüchtlingsabkommen erpressbar gemacht. Mehr

22.05.2016, 15:03 Uhr | Politik
Herrschaft des Unrechtes Seehofer-Aussage belastet Koalitionsklima

Die neuesten Aussagen von CSU-Chef Horst Seehofer sorgen für Verstimmungen in der Koalition. Seehofer warf Bundeskanzlerin Angela Merkel in einem Zeitungsinterview eine Herrschaft des Unrechtes vor. Mehr

02.05.2016, 09:06 Uhr | Politik
Riss in der Union Seehofer will kein Krisentreffen mit Merkel

Der Streit um die Flüchtlingskrise hat CSU und CDU entfremdet. Eine gemeinsame Klausur sollte den Graben verkleinern. Die Schwierigkeit: Ein solches Treffen würde momentan aussehen wie ein Krisengipfel. Doch diesen Eindruck will CSU-Chef Seehofer auf jeden Fall vermeiden. Mehr

30.05.2016, 15:01 Uhr | Politik
Für hohe Ansprüche Apple in der Kunst

Apple-Produkte haben sich zu einem beliebten Werkzeug von Künstlern und Filmemachern entwickelt, nicht nur durch clevere Vermarktung. Dank hochauflösender Displays und zugeschnittenen Apps erfüllen sie deren Ansprüche. Mehr

08.05.2016, 02:00 Uhr | Technik-Motor
Seehofers Logik Auf die Türken kommt es an

Der bayerische Ministerpräsident Horst Seehofer macht Stimmung gegen die Vereinbarung mit Ankara zur Rücknahme von Flüchtlingen. Er behauptet, die Fakten sprächen für ihn. In Wahrheit ist es jedoch umgekehrt. Mehr Von Thomas Gutschker

30.05.2016, 12:06 Uhr | Politik

Not-Millionen für die Milchbauern

Von Jan Grossarth

Landwirtschaftsminister Christian Schmidt verspricht den Milchbauern hundert Millionen Euro „plus x“, weil die unter dem niedrigen Milchpreis leiden. Das wird den Bauern aber nicht viel helfen. Mehr 0


Die Börse
Name Kurs Änderung
  Dax --  --
  F.A.Z.-Index --  --
  Dow Jones --  --
  Euro in Dollar --  --
  Gold --  --
  Rohöl Brent --  --

Kinderarmut in Deutschland Jedes siebte Kind von Hartz IV abhängig

Rund 1,5 Millionen Kinder sind von Hartz IV abhängig. Die regionalen Unterschiede sind enorm. Abgeordnete der Linken werfen der Koalition vor, zu wenig dagegen zu tun. Mehr 0

Abonnieren Sie den Newsletter „Wirtschaft“

Nachrichten in 100 Sekunden
Nachrichten in 100 Sekunden