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Auf einen Espresso Abstieg der Nerds

 ·  Nerd zu sein, war schon mal spannender. „Sei nett zu Nerds“, hieß es früher. Heute werden sie abgewählt. Wenigstens findet mancher sein privates Glück.

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Na, haben Sie auch so auf den Wahlausgang in Italien hingefiebert? Das eigentlich Spannende ist ja nicht, was aus dem sogenannten Clown Silvio Berlusconi wird. Oder aus dem tatsächlichen Clown, äh: Komiker, Beppe Grillo. Sondern was aus einem Kerl wird, den niemand mit einem Clown verwechseln würde: Mario Monti. Technokrat, ehrenwerter Professor, einst parteilos. Er kam gerade mal auf zehn Prozent.

Nerd zu sein, war schon mal spannender. Derjenige, der ein Thema durchdringt, ohne sich allzu viele Gedanken über die Außenwirkung zu machen. Und dafür seine Arbeit macht. Einst waren sie die gefeierten Stars, die Nerds wie Facebook-Gründer Mark Zuckerberg. „Sei nett zu Nerds“, hieß es, „wahrscheinlich arbeitest du irgendwann mal für einen.“ Und jetzt? Jetzt ist Mark Zuckerberg für die meisten Leute ein böser Datendieb. Und Mario Monti wird abgewählt.

Cool bleiben: „In Italien ist nichts neues passiert“

Dabei sind solche Leute wichtig. Die cool bleiben, wenn sich die anderen aufregen. So wie Thomas Straubhaar am Hamburgischen Weltwirtschaftsinstitut, der die Welt daran erinnert, dass der Wahlausgang in Italien gar nicht so katastrophal sein muss. „Die Instabilität war schon immer die Stabilität der italienischen Politik“, sagt er. „Letztlich ist in Italien nichts Neues passiert, was nicht 64 Mal vorher in der Nachkriegszeit in Italien geschehen ist.“

Nur manchmal sind sie zu cool geblieben. Damals, in der Finanzkrise, als sie die Gefahren unterschätzt haben. In den Banken saßen ja oft Nerds. Die Banken hatten halbe Physik-Lehrstühle inne und zahlten ihnen für mathematische Börsenmodelle hohe Gehälter und riesige Boni. Jetzt hat die EU entschieden, dass die Boni begrenzt werden sollen. Mal gucken, was jetzt passiert. Vielleicht bekommen die Nerds künftig stattdessen hohe Boni und riesige Grundgehälter. Oder sie ziehen nach Singapur. Viele junge Nerds werden den Banken nach deren Ansehensverlust sowieso fernbleiben und sich andere Arbeit suchen.

Der nerdigste Heiratsantrag der Welt

Manche heiraten erst mal. Gerade geht der nerdigste Heiratsantrag der Welt um selbige. In Sydney hat ein Physiker seiner Freundin, ebenfalls Physikerin, eine wissenschaftliche Studie nachgeahmt, um sie zur Hochzeit zu bewegen. „Das hochgerechnete Glück steigt mit großer Sicherheit an“, steht da. „Unter Berücksichtigung dieser Ergebnisse schlägt der Autor die unbefristete Fortsetzung der Studie vor. Die Testperson sollte den Vorschlag im Folgenden beantworten.“ Es folgen zwei Kästchen zum Ankreuzen: Ja und Nein. Sie hat „Ja“ gewählt.

Beim „Ja“ sind die Amerikaner noch nicht. Bis heute streiten die Republikaner mit Präsident Obama, wo der Staat genau sparen soll. Und weil sie sich bisher nicht geeinigt haben, muss der Staat seit Freitag ganz automatisch weniger Geld ausgeben. Jetzt gilt im Pentagon die Viertagewoche. Dass es so weit kommt, hat keiner geglaubt. Denn in den automatischen Kürzungen sind so heftige Ersparnisse, dass die keiner mag.

Spieltheorie-Nerds nennen diese Situation „Feigling-Spiel“. Es ist, wie wenn zwei Autos auf einen Abgrund zurasen, und wer zuerst bremst, verliert. Die Amerikaner machen das jetzt nicht zum ersten Mal. Schon zum Jahreswechsel fuhren sie auf einen Abgrund zu, den sie damals „Fiskalklippe“ nannten. Das Problem ist jetzt eben, dass man mit jeder Fahrt den Abgrund weniger fürchtet und näher darauf zufährt - so lange, bis man einmal runterfällt.

Vielleicht ist es ganz gut, wenn man einmal runterfällt. Zumindest in diesem Fall. Denn wahrscheinlich ist der Abgrund gar nicht so tief. Das könnte die (unbeabsichtigte) wahre Raffinesse an Amerikas automatischen Ausgabenkürzungen sein: Wenn sich die Politiker so heillos zerstreiten, dass sie zu keiner Lösung kommen - dann passiert das, was sich keiner traut, aber eigentlich nötig ist: Die Regierung spart.

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Jahrgang 1981, verantwortlicher Redakteur für Wirtschaft Online.

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