Auf die Mitarbeiter des amerikanischen Computerkonzerns Hewlett-Packard (HP) kommt ein Sparpaket mit umfangreichen Einschnitten zu: Das Unternehmen kündigte an, in den nächsten Jahren 27.000 Stellen abzubauen, was 8 Prozent der Belegschaft entspricht. Vorstandschefin Meg Whitman bringt HP damit wieder auf den Sparkurs, den der Konzern schon unter Führung von Mark Hurd eingeschlagen hatte, in dessen Amtszeit zwischen 2005 und 2010 rund 40.000 Arbeitsplätze wegfielen.
Nach den Worten von Deutschlandchef Volker Smid beschäftigt HP hierzulande derzeit rund 10.000 Mitarbeiter. Etwa die Hälfte der Belegschaft ist im Dienstleistungsgeschäft tätig, jener Sparte des Konzerns, die weltweit im Zentrum der Stellenkürzungen stehen dürfte. Zahlen über den Arbeitsplatzabbau in Deutschland gebe es erst, wenn sich das Management mit dem europäischen Betriebsrat des Unternehmens getroffen habe. Das könnte noch einige Zeit dauern.
Konzernchefin Whitman betonte, sich von ihrem Vorgänger Hurd abheben zu wollen, indem ein großer Teil der Ersparnis wieder investiert wird. Hurd war vorgeworfen worden, zu einseitig auf Kostenkürzungen zu setzen und dabei die Forschung zu vernachlässigen. Über ein großangelegtes Restrukturierungsprogramm bei HP ist schon seit Tagen spekuliert worden. Die 27.000 Stellen sollen bis zum Ende des Geschäftsjahres 2013/2014 (31. Oktober) wegfallen, ein Drittel davon noch im laufenden Geschäftsjahr. Der Personalabbau soll zu einem Drittel auf die Vereinigten Staaten entfallen, für andere Niederlassungen wie etwa in Deutschland wurden keine konkreten Zahlen genannt. Ein Teil des Arbeitsplatzabbaus soll mit vorzeitigen Ruhestandsangeboten erreicht werden.
Das Restrukturierungspaket wird laut HP 3,5 Milliarden Dollar kosten. Whitman hofft nach Abschluss des Programms auf eine jährliche Ersparnis von bis zu 3,5 Milliarden Dollar. Sie will das Geld in Wachstumssparten wie Cloud Computing und Datenanalyse investieren. Der Konzern unterstrich den Restrukturierungsbedarf mit seinem gleichzeitig vorgelegten Bericht für das zweite Quartal 2011/2012. Zwar übertraf HP die Erwartungen von Analysten, allerdings wies der Konzern wie schon beim letzten Quartalsbericht im Februar einen Umsatz- und Gewinnrückgang aus. Der Konzernumsatz fiel gegenüber dem Vorjahr um 3 Prozent auf 30,7 Milliarden Dollar. Analysten hatten im Schnitt mit 29,9 Milliarden Dollar gerechnet. Der Nettogewinn sank um 31 Prozent auf 1,6 Milliarden Dollar, das Ergebnis je Aktie von 98 Cent war um 7 Cent besser als erwartet. Einen Tag vor HP hatte auch schon der Wettbewerber Dell rückläufige Umsätze gemeldet.
Whitman schlug diesmal etwas zuversichtlichere Töne an als beim letzten Quartalsbericht im Februar, als sie vor einer langen Durststrecke warnte. Sie sei nach dem Quartal „vorsichtig optimistisch“, sagte sie in einer Telefonkonferenz. „Ich würde zwar nicht sagen, wir haben die Wende geschafft, aber wir machen Fortschritte.“ Finanzvorstand Cathie Lesjak wies in ihrem Ausblick aber auch auf ein schwieriges Umfeld sowohl im Endverbrauchermarkt als auch bei Unternehmenskunden hin.
Schwachstelle Druckersparte
Anders als im vorangegangenen Quartal konnte HP diesmal seinen Umsatz mit Personalcomputern stabil halten. Ähnlich wie der Wettbewerber Dell musste HP im Geschäft mit Laptops einen Umsatzrückgang hinnehmen, während Desktop-Computer sich besser schlugen. Dell hatte am Vortag sein rückläufiges PC-Geschäft mit dem Erfolg „alternativer mobiler Computergeräte“ begründet, womit wohl vor allem der Tabletcomputer iPad gemeint war. HP stand im vergangenen Jahr unter Whitmans Vorgänger Léo Apotheker kurz vor der Trennung vom PC-Geschäft. Nachdem Apotheker im September von Whitman abgelöst wurde, wurde die Entscheidung aber rückgängig gemacht.
Größte Schwachstelle war im abgelaufenen Quartal die Druckersparte mit einem Umsatzminus von 10 Prozent. Im Dienstleistungsgeschäft gab es einen Rückgang von einem Prozent, bei Großcomputern wie Netzwerk- oder Speicherrechnern schrumpften die Umsätze um 6 Prozent. In der Softwaresparte kletterte zwar der Umsatz wegen des von Apotheker vereinbarten Zukaufs des britischen Unternehmens Autonomy. Allerdings nannte Whitman das Abschneiden von Autonomy wegen rückläufiger Lizenzumsätze „sehr enttäuschend“. Bei Autonomy wird es daher einen Führungswechsel geben: Gründer Mike Lynch werde HP „nach einer Übergangszeit“ verlassen, dafür soll die Sparte von Bill Veghte geführt werden. HP hat für Autonomy mehr als 10 Milliarden Dollar gezahlt. Die Resonanz der Börse auf die Zahlen und das Sparprogramm war positiv: Der Aktienkurs legte am Donnerstag im Handelsverlauf um 8 Prozent auf 22,70 Dollar zu.