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Asien teilt eine Altersgrenze

06.08.2003 ·  Durch Asien zieht sich eine unsichtbare Altersgrenze. Während den Staaten Ostasiens die Überalterung droht, wächst die Bevölkerung in Südasien trotz einer erwarteten Abschwächung immer noch schnell.

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Durch Asien zieht sich eine unsichtbare Altersgrenze. Während den Staaten Ostasiens die Überalterung droht, wächst die Bevölkerung in Südasien trotz einer erwarteten Abschwächung immer noch schnell. Insgesamt aber täuscht der Eindruck einer ewig jungen Wachstumsregion.

Mit Ostasien droht weiten Teilen der Region eine Welle von Senioren. Die Asiatische Entwicklungsbank (Asian Development Bank, ADB) weist auf die schleichende Umkehr der Alterspyramide hin: "Viele Länder altern schneller, als sie sich entwickeln." Stimmen die Vorhersagen, führt die höhere Lebenserwartung dank des gestiegenen Wohlstandes in Asien, der besseren Gesundheitsfürsorge in Südostasien und auch der Ein-Kind-Politik Chinas dazu, daß Ostasien das Durchschnittsalter der Weltbevölkerung dramatisch steigen lassen wird. Derzeit sind in China nur 7 Prozent der Bevölkerung älter als 65 Jahre; im Jahr 2050 sollen es schon 23 Prozent sein. Vorhandene Sozialsysteme geraten unter Druck. Bislang galt die Großfamilie als Garant der Altersvorsorge - die Überalterung der Gesellschaft aber geht Hand in Hand mit dem Zerfall traditioneller Sozialstrukturen.

Verschiebung der Schwerpunkte ist offensichtlich

Gegenläufig ist die Entwicklung im Süden Asiens: Indien wird mit erwarteten 1,57 (2000: 1,0) Milliarden Menschen im Jahr 2050 China als bevölkerungsreichstes Land der Erde mit dann 1,46 (1,27) Milliarden Menschen überholt haben. Die Verschiebung des politischen und wirtschaftlichen Schwerpunktes ist offensichtlich: 1950 lebte die Hälfte aller Asiaten im Osten der Region (China, Japan, Taiwan), während in Südasien (Indien, Bangladesh, Nepal, Sri Lanka, Pakistan, Afghanistan) gerade einmal 37 Prozent ihre Heimat hatten. Hundert Jahre später werden sich die Zahlen umgekehrt haben: 51 Prozent der Asiaten oder geschätzte 2,5 Milliarden Menschen werden dann im Süden leben, nur noch 33 Prozent oder 1,6 Milliarden dagegen im Osten der Region, schätzt das East-West Center, eine "Denkfabrik" im hawaiischen Honolulu.

Ist die Umkehr der Alterspyramide für Asien neu, so läßt der Anstieg der Bevölkerung schon vorhandene Probleme anschwellen. Die ADB spricht von einem "explosiven Wachstum der Städte". Deren Einwohnerschaft stieg in der letzten Dekade um 2,9 Prozent, während die Zahl der Landbevölkerung nur um 1,1 Prozent zunahm. 2001 zählte die Welt 16 Megastädte mit jeweils mehr als zehn Millionen Einwohnern, zehn davon in Asien. Schon 2015 werden es 21 Megastädte sein, zwölf von ihnen in Asien, fünf in Südasien: Bombay, Delhi, Kalkutta, Dhaka und Karachi. Einige Fachleute sagen vorher, daß die zunehmende Alterung der Gesellschaften, die fortschreitende Verstädterung und die sich ausbreitende Aids-Epidemie die Armut unter den Senioren explosionsartig steigen lassen werden.

Quelle: che., Frankfurter Allgemeine Zeitung, 07.08.2003, Nr. 181 / Seite 12
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