19.09.2003 · Nach China gerät nun auch die japanische Regierung wegen ihrer Wechselkurspolitik unter Druck. Der Chef des Internationalen Währungsfonds (IWF), Horst Köhler, kritisierte die fortgesetzten Eingriffe. ...
Nach China gerät nun auch die japanische Regierung wegen ihrer Wechselkurspolitik unter Druck. Der Chef des Internationalen Währungsfonds (IWF), Horst Köhler, kritisierte die fortgesetzten Eingriffe der japanischen Notenbank in den Devisenmarkt zur Schwächung des Yen und forderte, die Kursfindung künftig den Marktkräften zu überlassen.
"Die Japaner intervenieren aus der Sorge heraus, ein zu starker Yen mache ihren exportgetragenen Aufschwung kaputt. Solche Wechselkursmanipulationen sind auf Dauer nicht hilfreich", sagte Köhler kurz vor Beginn der Jahrestagung von IWF und Weltbank in Dubai. Wichtiger als Interventionen seien für einen dauerhaften Aufschwung Reformen zur Gesundung des Bankwesens und der Unternehmen. Als Kernproblem der japanischen Wirtschaft bezeichnete Köhler den andauernden Rückgang des allgemeinen Preisniveaus (Deflation). "Ich hätte mir gewünscht, daß die japanische Notenbank zur Überwindung der Deflation eine aggressivere Geldpolitik betrieben und die Liquidität in der Wirtschaft noch mehr ausgeweitet hätte."
Köhler rief dazu auf, den Wechselkursen grundsätzlich mehr Freiheit zu geben, damit sie ihre Funktion als Anpassungsmechanismus für wirtschaftliche Veränderungen besser erfüllen könnten. "Im Vergleich zu früher sind die Wechselkurse heute schon viel flexibler. Das hat geholfen, die Folgen der Terroranschläge vom 11. September 2001 und des Platzens der Spekulationsblasen an den Finanzmärkten abzufedern." Die Diskussion habe sich bisher zu sehr auf die Anbindung des chinesischen Yuan an den Dollar verengt.
Der IWF-Chef äußerte die Sorge, daß das Ungleichgewicht im Handel zwischen China und Amerika zu einem globalen Problem gemacht werde. Zugleich äußerte er sich zuversichtlich, daß die chinesische Regierung über die Zeit den Wechselkurs des Yuan freigeben werde. "Zunächst aber müssen die Schwierigkeiten im chinesischen Kreditgewerbe überwunden sein. Ich rate dazu, den Kapitalverkehr nicht über Nacht zu liberalisieren."
Der IWF-Chef verteidigte überdies die jüngste Vereinbarung mit Argentinien über ein drei Jahre laufendes Reformprogramm. "Die Regierung in Buenos Aires hat hart verhandelt." Der IWF habe sich in einigen Punkten präzisere Reformzusagen gewünscht, "aber es ist nicht so, daß wir sie nicht akzeptieren können". Die drei Jahre lange Dauer des Programms, das Argentinien die Stundung fälliger Kredite vom IWF über rund 12,5 Milliarden Dollar sichert, sei notwendig angesichts des umfangreichen Reformbedarfs. "Das wäre in zwölf Monaten nicht alles zu schaffen", sagte Köhler. Den Vorwurf, der IWF habe sich voreilig mit der argentinischen Regierung geeinigt und die noch ausstehende Einigung mit den privaten Gläubigern nicht abgewartet, wies Köhler zurück. Es liege im Interesse Argentiniens, sich mit den privaten Kreditgebern auf eine Umschuldung zu einigen. "Wir wollen und dürfen uns da nicht einmischen. Das ist nicht unsere Aufgabe." Entscheidend sei, daß die argentinische Bevölkerung den Reformbedarf erkenne. "Es muß ein Erwachen im Land geben, damit der wirtschaftliche Niedergang, der in den zwanziger Jahren des vergangenen Jahrhunderts eingesetzt hat, beendet wird."
| Name | Kurs | Prozent |
|---|---|---|
| FAZ-INDEX | 1.394,15 | +1,26% |
| Dow Jones | 12.580,70 | +1,01% |
| EUR/USD | 1,2481 | −0,06% |
| Rohöl Brent Crude | 106,85 $ | −0,38% |
| Gold | 1.579,50 $ | +0,31% |
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