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Asien Entwicklungsbank warnt vor wachsender Ungleichheit

 ·  In Asien bereitet die immer tiefer werdende Kluft zwischen den Armen und den Wohlhabenden Sorge. Die Reichen profitierten überdurchschnittlich vom Wirtschaftswachstum, schreibt die Asiatische Entwicklungsbank und fordert den Ausbau der sozialen Sicherungsysteme.

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© dapd In ihrer Not haben Inder ihr Lager auf einem Parkplatz in Neu-Delhi aufgeschlagen

Die Wachstumsrate in Asien schwächt sich in diesem Jahr leicht ab. Gleichwohl aber steigt das Gefälle zwischen Arm und Reich weiter. Diese Kluft berge das Risiko, Stabilität und damit auch Wachstum der Region zu gefährden, warnt die Asiatische Entwicklungsbank (ADB) in ihrem jüngsten Bericht.

Für dieses Jahr rechnen die Ökonomen der ADB mit einer Abschwächung der Wachstumsrate in den Entwicklungs- und Schwellenländern Asiens auf 6,9 Prozent, nach 7,2 Prozent Wachstum im Jahr 2011. Noch im Herbst vergangenen Jahres hatten die Ökonomen mit einem Wachstum von 7,5 Prozent für die 45 Länder Asiens in diesem Jahr gerechnet. „Die Entwicklungsländer werden sich für einige Zeit an eine geringe Nachfrage aus den Industrieländern anpassen müssen“, heißt es in dem Bericht. „Die wachsende heimische Nachfrage hat einiges des verlorenen Handelsvolumens aufgefangen, wird aber noch mehr ausgleichen müssen.“ 2013 werde die Wachstumsgeschwindigkeit dann wieder auf 7,3 Prozent zulegen, getrieben vor allem vom heimischen Konsum Asiens. Die Inflationsrate dürfte von 4,7 Prozent in diesem Jahr auf 4,4 Prozent zurückgehen.

Deshalb warnte die Bank die Währungshüter Asiens, zu früh die Konjunktur ihrer Länder zu stützen. Wichtiger sei es, die Inflation in Schach zu halten. Erst wenn sich die Lage in der Eurozone wieder verschlechtere, sollten die asiatischen Zentralbanken reagieren und Geld in die Märkte pumpen. Die Lage in Europa betrachtet die ADB als das größte Risiko für Asien. „Die Krise ist weit davon entfernt, vorüber zu sein.“

In Asien selbst bereitet vor allem die immer tiefer werdende Kluft zwischen den Armen und den Wohlhabenden Sorge. In den vergangenen Dekaden ist das Einkommen der reichen Haushalte überdurchschnittlich gestiegen. Im Durchschnitt erwirtschaften die obersten 5 Prozent der Haushalte in Asien 20 Prozent des gesamten Einkommens. „Hohe und wachsende Ungleichheit kann das gesamtwirtschaftliche Wachstum belasten, weil sie das Sozialgefüge angreift, die Qualität von Führung unterminiert und den Zug hin zu ineffizienter, populistischer Politik verstärkt“, warnt die Bank.

Die Schere geht immer weiter auseinander

Gemessen wird die Ungleichheit weltweit mit dem Gini-Koeffizienten, der in den drei größten sich entwickelnden Volkswirtschaften China, Indien und Indonesien seit 1990 fortlaufend gestiegen ist. Elf derjenigen 28 Volkswirtschaften in Asien, für die längerfristige Daten vorliegen, zeigen einen ansteigenden Gini-Koeffizienten, ein Auseinanderdriften der Gesellschaft. Am deutlichsten wird dies in China: Dort stieg der Gini-Koeffizient von 32 im Jahr 1990 auf 43 im Jahr 2008, in Südostasiens größter Volkswirtschaft Indonesien von 29 auf 39 (Werte zwischen 0 und 100, dabei steht 0 für maximale Gleichverteilung). Asienweit sei er in den vergangenen zwei Dekaden von 39 auf 46 gestiegen, heißt es bei der Bank.

Das Problem liege im Wachstumsmodell, warnen die Ökonomen der ADB: Technischer Fortschritt, die Globalisierung und rein marktorientierte Reformen hülfen den ausgebildeten, kapitalstarken Menschen in den Städten mehr als den Armen auf dem Lande. Denn wer zu diesen Grundlagen keinen Zugang habe, bleibe immer weiter zurück.

Die Bank simulierte, wie der Abbau von Armut verlaufen wäre, hätte sich der Abstand zwischen Arm und Reich nicht weiter vergrößert: In Indien hätte sich der Anteil der Menschen, die ihr Leben unterhalb der Armutsgrenze von 1,25 Dollar am Tag fristen müssen, von heute knapp 33 Prozent auf gut 29 Prozent verringert. In China hätte sich der Anteil der extrem Armen sogar von 13 auf knapp 5 Prozent der Menschen zurückentwickelt. Und in Indonesien läge ihr Anteil heute bei 6 statt 16 Prozent. Für eine Kursänderung schlägt die Bank vor, soziale Sicherungssysteme in Asien auszubauen. Zudem könnte Armen Geld dafür zugewiesen werden, dass sie ihre Kinder zur Schule schicken.

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Jahrgang 1960, Wirtschaftskorrespondent für Südasien/Pazifik mit Sitz in Singapur.

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