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Asiatische Küche im Trend Der kleine Mann an der Reistafel

29.03.2006 ·  Curry-Suppe, Wasabi-Parfait, Lychees oder japanische Nudeln: Die asiatische Küche wird massenkompatibel als Wellness-Erlebnis um die Ecke. Sie erobert Discounter und Kantinen. Der Umsatz der Branche steigt stark.

Von Sybille Wilhelm
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Das Restaurant "Böser Chinese" ist gleich neben der "Roten Laterne" in Düsseldorf. Die japanische Nudelbar "MoschMosch" breitet sich über das Rhein-Main-Gebiet aus. Und die Hamburger können mittlerweile in der "Asian Brasserie Chilli Club" chillen, also entspannen. "Die asiatische Küche gehört zu den am schnellsten wachsenden Küchen der Gastronomie", bestätigt Stefanie Heckel vom Deutschen Hotel- und Gaststättenverband.

Asia liegt im Trend - sowohl in der Gastronomie als auch im Lebensmitteleinzelhandel. Die Zutaten sind frisch, die Gerichte werden fettarm zubereitet, nur kurz gegart, und die Aromen haben eine unglaubliche Bandbreite. Nicht zu reden vom Reis, der vor allem im Vergleich zu Pommes frites ein Schlankheitsstar ist. Asiatische Gerichte treffen den Nerv der Zeit - nicht zuletzt, weil Asien auch als Reiseziel beliebter wird.

Eigentlich ein kleines Wunder

Für Pierre Nierhaus von der gleichnamigen Gastronomie-Consultingfirma in Frankfurt ist das eigentlich ein kleines Wunder, sind die Deutschen doch seit rund 20 Jahren von der vergleichsweise schlechten chinesischen Küche verdorben: "Beim klassischen chinesischen Restaurant hat man das Gefühl, daß der Reis die frischeste Zutat ist", klagt Pierre Nierhaus. "Sonst scheint alles in vier verschiedenen Töpfen seit Stunden vor sich hin zu köcheln."

Gleichwohl ist er überzeugt, daß die neue Asien-Begeisterung der Deutschen ein dauerhafter Trend ist. "Der durchschnittliche Haushalt wird immer kleiner und der Job immer stressiger", erläutert der Gastro-Berater. "In ethnischen Restaurants kann man eine Art kleinen Urlaub verbringen und für kurze Zeit ausspannen." Hinzu kommt bei der asiatischen Küche das Gefühl, seinem Körper etwas Gutes getan zu haben: "Die Küche ist generell leicht und gesund, ohne langweilig zu sein. Bei ihr kommt ein fast schon spiritueller Touch der Rückbesinnung hinzu", erläutert Pierre Nierhaus das Wellness-Erlebnis um die Ecke.

"Der Chinese" ist - nach der unangefochtenen Nummer eins, dem Italiener - einer Allensbach-Umfrage zufolge des Deutschen zweitliebster ausländischer Gastronom. Immerhin gibt es chinesische Restaurants auch flächendeckend: Rund 3500 listet das Internetportal "Rund um China" in Deutschland auf. Ganz so schnell werden die anderen asiatischen Gastronomen zwar nicht aufholen, weil die japanische Küche wie etwa Sushi als Breitenküche vermutlich noch etwas zu fortgeschritten ist. Doch Pierre Nierhaus verweist auf die rasante Entwicklung, die die asiatische Gastronomie in Amsterdam und London genommen hat. Die beiden Städte sind die europäischen Trendsetter für ethnisches Essen und für Restaurantkonzepte, weil die Bevölkerung dort so vielfältig ist.

Trend zur panasiatischen oder Crossover-Küche

Zudem muß es für den Deutschen ja auch nicht immer ganz puristisch sein: "Wir beobachten derzeit den Trend zu einer panasiatischen oder Crossover-Küche", sagt Stefanie Heckel. "Immer häufiger werden verschiedene Kochstile und Aromen in einem Gericht vereint." So kommen beispielsweise in der Currysuppe mit Huhn oder dem Apfel-Wasabi-Parfait asiatische Aromen mit der klassisch-europäischen Küche zusammen.

Was den Deutschen im Restaurant recht ist, ist ihnen bei der Massenverpflegung nur billig. Auch in den sogenannten Großverbrauchern wie Kantinen, Mensen und Krankenhäusern hat "Asia" längst Einzug auf die Speisekarte gehalten. So haben es asiatische Spezialitäten im Gesamtklassement des Außer-Haus-Bereichs nach Salaten und Nudeln mittlerweile auf Platz drei geschafft - 2004 war es noch Platz 12, wie die Fachzeitschrift "gv-Praxis" ermittelt hat.

Dank den Discountern

Daß Asien hierzulande in aller Munde ist, ist nicht zuletzt den Discountern zu verdanken. Denn als Aldi Süd mit den Asia-Wochen anfing, waren Kokosmilch und Kombucha plötzlich für eine breitere Käuferschicht erschwinglich. Eine Dose Lychees beispielsweise, die zuvor knapp drei Euro kostete, war nun für deutlich unter einen Euro erhältlich. Die Discounter-Konkurrenz zog nach, etwa 30 bis 40 unterschiedliche Produkte werden in derlei Asien-Sonderaktionen angeboten. Doch so viel Asia birgt immer auch die Gefahr des Überdrusses: Aldi Nord soll Gerüchten zufolge schon wieder Tempo bei dieser Sonderaktion rausnehmen und es bei einer Asia-Woche in diesem Jahr belassen. Einzelne Produkte haben allerdings durchaus das Zeug, ins Sortiment aufgenommen zu werden, etwa die Kokosmilch.

Die Deutschen sind nämlich grundsätzlich auf den Asia-Geschmack gekommen. Während die Forscher von Datamonitor für das Jahr 1999 den asiatisch-indischen Lebensmittelumsatz auf knapp 125 Millionen Euro im deutschen Einzelhandel bezifferten, waren es im Jahr 2004 bereits gut 228 Millionen. Für das Jahr 2009 werden knapp 380 Millionen Euro prognostiziert.

Denn die Supermärkte haben mittlerweile ganz selbstverständlich asiatische Produkte gelistet. Bei Rewe sind es beispielsweise über ganz Deutschland hinweg rund 200 Artikel allein im Trockensortiment. Gerade für die Feinkostabteilungen in Warenhäusern gehören die asiatischen Spezialitäten unterdessen schon lange zum Standard. Das Feinschmecker-Paradies in der Galeria Kaufhof in Frankfurt an der Hauptwache hat beispielsweise rund 400 asiatische Produkte im ständigen Programm, der Schwerpunkt liegt bei den Warenhaus-Feinschmeckern auf den Kochstilen Thailand, Indien, Indonesien, Japan und China. Zum Vergleich: Bei der bundesweiten Südafrika-Aktion in den Warenhäusern mit Lebensmittelabteilungen, die gestern geendet hat, waren es "nur" rund 350 Artikel.

Quelle: Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung, 26.03.2006, Nr. 12 / Seite 47
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