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Arztbesuche Aufklärung für Selbstzahler

25.01.2012 ·  Was tun, wenn der Arzt nach der Diagnose zu einer Therapie rät, deren Kosten die Krankenkasse „leider“ nicht erstattet? Ein neues Internetangebot der Krankenkassen soll ratlosen Patienten helfen.

Von Andreas Mihm, Berlin
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Viele Kassenpatientinnen kennen das: Nach der Diagnose rät der Arzt zu einer Therapie, deren Kosten die Krankenkasse „leider“ nicht erstatte. Fast jede dritte Frau, aber nur jeder siebte Mann, habe eine solche Individuelle Gesundheitsleistung (Igel) angeboten bekommen, berichtete unlängst die Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV) nach einer Versichertenbefragung. Alles in allem ein steigender Trend: Hatten 2006 erst 19 Prozent der Versicherten über solche Offerten berichtet, waren es im vergangen Jahr schon 24 Prozent.

Patienten sind oft verunsichert. Einerseits wollen sie ihrem Arzt vertrauen. Andererseits fragen sie sich zurecht, ob die Kassen aus Spargründen eine sinnvolle Behandlung nicht bezahlen wollen - was die empört von sich weisen. Hilfe soll ratlosen Patienten ein neues Internetangebot geben, das der Spitzenverband der Kassen und deren medizinischer Dienst am Mittwoch in Berlin vorgestellt haben. Unter der Internetadresse www.igel-monitor.de „erhalten sie wissenschaftlich fundierte Bewertungen zu sogenannten Selbstzahlerleistungen“ verspricht der Kassenverband.

Aktuell sind dort 24 Angebote veröffentlicht, von Bachblüten-, Eigenblut und Kunsttherapie bis zur Glaukom-Früherkennung, dem PSA-Test zur Früherkennung von Prostatakrebs. In sieben Fällen zogen die Wissenschaftler, die die Leistungen für die Seite bewertet haben, die Bewertung tendenziell negativ. In vier Fällen sei der Schaden sogar größer als der Nutzen (Ultraschall der Eierstöcke, Toxoplasmose-Test bei Schwangeren, Darmspülung nach Colon-Hydro-Therapie, Bestimmung des Immunglobulin G bei Nahrungsmittelallergie). Als unklar wird der Nutzen von 7 Therapien bewertet. Nur bei der Akupunktur zur Migräneprophylaxe und der Lichttherapie bei saisonal depressiver Störung ringen sich die Kassengutachter zu einem tendenziell positiv durch. Wer will, findet einen Hinweis, was der Arzt verlangt.

Beim „Igeln“ geht es nicht um Kleinvieh: Rund 1,5 Milliarden Euro gäben Kassenpatienten im Jahr dafür aus, behauptet der Kassenverband. Ausgaben von zumindest zweifelhaftem Nutzen, wie seine Vorsitzende Doris Pfeiffer meint. „Bei den Igel-Leistungen geht es vorrangig um wirtschaftliche Interessen von Ärzten und nicht um notwendige Leistungen für Kranke.“ Zudem forderte sie eine 24-stündige Einwilligungssperrfrist für die Selbstzahlerleistungen. So könnten die Patienten ihre Entscheidung zunächst überdenken. Die Selbstzahlerbehandlung für Kassenpatienten ist auch in der Ärzteschaft umstritten. KBV-Chef Andreas Köhler appellierte kürzlich an die Ärzte, „sensibel“ damit umzugehen, weil sonst das Vertrauensverhältnis zu den Patienten Schaden nehmen könnte.

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Jahrgang 1960, Wirtschaftskorrespondent in Berlin.

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