Home
http://www.faz.net/-gqe-745iv
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, JÜRGEN KAUBE, BERTHOLD KOHLER, HOLGER STELTZNER
CIO View

Arzneimittelpreise Pharmakonzerne wollen Griechenland helfen

Auch Europas Pharmakonzerne leiden unter der schlechten Zahlungsmoral Griechenlands. Viele Rechnungen sind noch nicht bezahlt. Jetzt bietet der europäische Branchenverband Efpia der Regierung in Athen eine Deckelung der Medikamentenkosten an, will im Gegenzug aber die Zusage, dass die Schulden komplett beglichen werden.

© dpa Die Arzneirechnung soll bei 2,88 Milliarden Euro gedeckelt werden

Europas Pharmakonzerne wollen Griechenland wegen der Schuldenkrise bei den Arzneimittelpreisen entgegenkommen. Der europäische Branchenverband Efpia bot der Regierung in Athen jetzt eine Deckelung der Medikamentenkosten an, wie aus einem Reuters vorliegenden Schreiben an die Ministerien für Gesundheit und Finanzen des Landes hervorgeht.

Demnach soll die Rechnung der Firmen in diesem Jahr insgesamt nicht mehr als 2,88 Milliarden Euro betragen. Im Gegenzug soll sich die griechische Regierung verpflichten, ihre Schulden komplett zu begleichen - und garantieren, dass es keine weiteren Rückstände gibt. Wegen der notorischen Zahlungsschwierigkeiten des Landes haben manche Konzerne inzwischen ihre Medikamenten-Lieferungen eingeschränkt.

Mehr zum Thema

„Eine Wachstums-Obergrenze oder Budget-Deckelung zu setzen, ist nichts, was wir jemals in der Vergangenheit gern gemacht hätten“, sagte Efpia-Direktor Richard Bergström Reuters in einem Telefon-Interview. In der aktuellen Situation sei es aber besser, dies zu tun und im Gegenzug etwas Stabilität zu bekommen. Andere Vereinbarungen zur Stabilisierung der Medikamentenversorgung habe es bereits mit Portugal, Irland und Belgien gegeben. Das Modell könne auch weiteren Regierungen angeboten werden.

Ziel des Vorstoßes ist es, einerseits die Arzneimittelversorgung in Griechenland sicherzustellen und andererseits die Gewinne der internationalen Arzneimittelhersteller zu schützen. Die Zahlungsprobleme des staatlichen Gesundheitssystems hatten bereits Löcher in die Bilanzen vieler Unternehmen gerissen. Griechenland importiert fast alle wichtigen Arzneimitttel. Dabei ist das Land besonders abhängig von Originalpräparaten im Unterschied zu günstigeren Generika. Folglich gibt Griechenland relativ viel pro Kopf für Arzneimitttel aus.

Deutschlands zweitgrößter Pharmakonzern Boehringer Ingelheim unterstützt den Vorstoß des Dachverbands. Die geplante Vereinbarung würde es dem griechischen Gesundheitssystem erlauben, das für dieses Jahr vorgesehene Arzneimittelbudget einzuhalten und gleichzeitig die dringend notwendige Reformen einzuleiten, erklärte das Unternehmen. Sie könnte dazu beitragen, die Krise im Pharmasektor auf Griechenland zu begrenzen, hieß es.

Exportstopp soll Parallelhandel eindämmen

Das griechische Gesundheitssystem wackelt wegen der Haushaltsmisere inzwischen an allen Ecken und Enden. Die Situation hatte sich zuletzt so zugespitzt, dass die Regierung im Oktober in einem äußerst ungewöhnlichen Schritt verfügte, die Arzneimittelexporte auszusetzen. Denn wegen des harten Sparkurses im Gesundheitssystem sind inzwischen die Arzneimittelpreise so gesunken, dass das Land für Reimporte in andere europäische Länder äußerst attraktiv geworden ist. Nach Schätzungen von Efpia gelangten rund ein Viertel der nach Griechenland versandten Arzneien zuletzt in den Reimport in Hochpreisländer wie Deutschland. Die Hilfsorganisation Ärzte ohne Grenzen (MSF) hatte schon im Mai darauf aufmerksam gemacht, dass Patienten Schwierigkeiten haben, wichtige rezeptpflichtige Arzneien zu erhalten. So manche Apotheke war wegen vieler unbeglichener Rechnungen in finanzielle Schieflage geraten, da sie Gelder von staatlichen Versicherungen nur noch verzögert bekamen und so ausstehende Forderungen ihrer Zulieferer nicht mehr begleichen konnten.

Einige Pharmakonzerne schränkten inzwischen ihre Lieferungen nach Griechenland ein. Das hessische Pharmaunternehmen Biotest hatte im Juni wegen unbezahlter Rechnungen in Millionenhöhe entschieden, die Lieferungen nach Griechenland einzustellen. Nur die Versorgung von Notfallpatienten wollte Biotest noch sicherstellen. Der Darmstädter Pharma- und Chemiekonzern Merck liefert inzwischen sein Krebsmedikament Erbitux nicht mehr an griechische Kliniken. Das Mittel sei in Griechenland aber weiter erhältlich, Patienten könnten es über Apotheken beziehen, sagte ein Sprecher.

Quelle: RTR

 
()
Permalink

Hier können Sie die Rechte an diesem Artikel erwerben

Weitere Empfehlungen
Rettungsmilliarden freigegeben Griechenland zahlt EZB 3,4 Milliarden Euro zurück

Griechenland hat die ersten Milliarden aus dem dritten Hilfsprogramm erhalten. Und einen Teil davon gleich weitergeleitet – um Schulden zu begleichen. Mehr

20.08.2015, 09:53 Uhr | Wirtschaft
Finanzkrise Griechenland zahlt fällige IWF-Rate nicht

Hunderte Menschen haben in Athen gegen die aktuellen Vorschläge aus Brüssel und gegen die neue Politik von Ministerpräsident Alexis Tsipras demonstriert. Die griechische Regierung hat eine fällige Kreditrate in Höhe von rund einer halben Milliarde Euro an den Internationalen Währungsfonds (IWF) nicht beglichen. Damit summiere sich der Zahlungsrückstand auf rund 2,0 Milliarden Euro. Mehr

14.07.2015, 09:34 Uhr | Politik
Griechenland-Krise ESM-Chef sieht weiterhin ein Grexit-Risiko

Wenn Griechenland seine Reformzusagen bricht oder seine Zahlungsverpflichtungen nicht einhält, besteht immer noch ein Grexit-Risiko. Das sagte der Chef des Rettungsfonds ESM, Klaus Regling, in Berlin. Mehr

27.08.2015, 13:00 Uhr | Wirtschaft
Griechenland Athen zahlt Kreditrate

Griechenland hat einen Kredit an den Internationalen Währungsfonds fristgerecht zurückgezahlt, ringt mit den Euro-Partnern aber weiter um die Auszahlung dringend benötigter Finanzmittel. Nun soll die griechische Regierung ihre Reformpläne laut Vertretern der Euro-Zone spätestens bis zum 21. April so überarbeiten, dass die Euro-Finanzminister wenige Tage darauf darüber abstimmen können. Mehr

13.04.2015, 10:47 Uhr | Politik
Ela-Hilfe Weniger Notkredite für Griechenlands Banken

Die Aussicht auf frisches Geld löst in Griechenland einige Probleme. Erstmals fährt die EZB das Volumen der Ela-Notkredite zurück. Und auch andere werden optimistisch. Mehr

19.08.2015, 09:00 Uhr | Wirtschaft

Veröffentlicht: 05.11.2012, 18:45 Uhr

Respekt für Marissa Mayer

Von Roland Lindner, New York

Yahoo-Chefin Marissa Mayer bekommt Zwillinge. Ist eine Spitzenkarriere mit der Familie vereinbar? Für Marissa Mayer schon. Diese Position hat sie sich selbst erarbeitet. Mehr 7 8


Die Börse
Name Kurs Änderung
  Dax --  --
  F.A.Z.-Index --  --
  Dow Jones --  --
  Euro in Dollar --  --
  Gold --  --
  Rohöl Brent --  --
Nachrichten in 100 Sekunden
Nachrichten in 100 Sekunden

Grafik des Tages In Moskau gründen mehr Frauen Start-ups als in Berlin

In kaum einer Start-Up-Metropole liegt der Anteil der Frauen an den Gründern so niedrig wie in Berlin. Er ist höher auch in vielen Städten, wo das ganz und gar nicht zu erwarten ist. Mehr 4