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Ungleichheit in Deutschland : Wie zufrieden sind die Deutschen?

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Kaum Grund zur Sorge? Bild: AP

Vor einigen Wochen schrieb DIW-Präsident Fratzscher in der F.A.Z., die Deutschen seien zufrieden wie nie zuvor und gleichzeitig unzufrieden mit dem Zustand der Gesellschaft. Das stimmt so nicht.

          Jahr für Jahr befragt das am DIW angesiedelte Sozio-ökonomische Panel (SOEP) die immer gleichen Personen nach ihren Lebensumständen und auch nach ihrer Lebenszufriedenheit. Auf einer Skala von null (ganz und gar unzufrieden) bis zehn (ganz und gar zufrieden) können die Befragten ihre persönliche Lebenszufriedenheit einstufen. Im Jahr 2015 kreuzten die Deutschen im Schnitt einen Wert von 7,5 an. Zum Vergleich: 2004 betrug der Durchschnitt nur 6,9.

          Marcel Fratzscher, der Präsident des DIW, stellt sich in einem kürzlich erschienenen Beitrag die Frage, wie dies dazu passt, dass sich angeblich immer mehr Menschen in Deutschland abgehängt fühlen, um ihre Zukunft sorgen und die wachsende soziale Ungleichheit beklagen. Drei Gründe führt er an, die den Widerspruch auflösen sollen:

          Als erstes führt er an, dass die Menschen im Durchschnitt zwar zufriedener geworden sind, dass dies aber nicht über die Polarisierung der Gesellschaft hinwegtäuschen dürfe. Mehr als vier Millionen Menschen haben seit 2005 wieder Arbeit gefunden, und für eine große Mehrheit sind die Einkommen seit dieser Zeit gestiegen.

          Zufriedener nach Wiedereinstieg in den Arbeitsmarkt

          Aber, so Fratzscher, für 40 Prozent der Haushalte sei die Kaufkraft im Vergleich zu 1999 gesunken und immer mehr Menschen arbeiteten in prekären Verhältnissen. Interessanterweise findet man diese Polarisierung nicht in den Lebenszufriedenheitsdaten. 2015 kreuzten mehr als 83 Prozent der vom SOEP Befragten bei der Lebenszufriedenheit mindestens eine Sechs an – mehr als je zuvor.

          Umgekehrt kreuzten nicht einmal sieben Prozent eine Vier oder einen schlechteren Wert an, anteilig sind das rund 42 Prozent weniger als noch 2004. Immer mehr Menschen in Deutschland sind zufrieden. Außerdem ist auch die Schere zwischen Unzufriedenen und Zufriedenen nicht etwa aufgegangen – im Gegenteil. Das belegt eine aktuelle Studie, die meine Mitarbeiter und ich jüngst abgeschlossen haben.

          Sie zeigt mit Hilfe von Befragungsdaten aus dem Panel „Arbeitsmarkt und soziale Sicherheit“ des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung aus Nürnberg (IAB): Wer arbeitslos gewesen war und dann wieder Arbeit im Niedriglohnsektor gefunden hatte, wurde durch den Wiedereinstieg in den Arbeitsmarkt deutlich zufriedener, selbst wenn er nach wie vor auf ergänzendes Arbeitslosengeld II angewiesen war.

          Die konkreten Sorgen der Deutschen

          Fratzscher führt weiter aus, dass die individuelle Lebenszufriedenheit etwas über das gegenwärtige Empfinden aussage, nichts aber über die Hoffnungen, Sorgen und Ängste der Menschen, die sich mit einer unsicheren Zukunft verbinden. Mit dieser Aussage widerspricht er aber allen Erkenntnissen der Zufriedenheitsforschung. Um nur ein Beispiel anzuführen:

          Die Magdeburger Ökonomen Andreas Knabe und Steffen Rätzel haben gezeigt, dass Beschäftigte nach einer Arbeitslosigkeit niedrigere Lebenszufriedenheitswerte angeben als vor der Arbeitslosigkeit. Dieser Effekt zeigt sich aber nur bei jenen, die um die Sicherheit ihres neuen Arbeitsplatzes bangen müssen – je größer die Sorgen um die Zukunft, desto geringer die gegenwärtige Zufriedenheit. Also müssten wachsende Zukunftsängste die Lebenszufriedenheit verringern.

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