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Illustration: Carsten Feig

Wie gut es uns geht!

Von MARC FELIX SERRAO

11.05.2017 · Meckern kann jeder. Der Oxford-Ökonom Max Roser hält dagegen: Seine Grafiken zeigen den Fortschritt der Welt.

Prof. Max Roser, Ökonom an der Universitity Oxford in England, auf dem Dach der Frankfurter Allgemeinen Zeitung Foto: Helmut Fricke

E in Ökonom, der noch etwas anderes studiert hat, ist immer von Vorteil. Er kennt nicht nur die Theorien seines Fachs, er kann sich in der Regel auch so ausdrücken, dass Laien ihn verstehen. Ein gelungenes (und junges) Beispiel ist der 1983 geborene Ökonom, Geowissenschaftler und Philosoph Max Roser. Der gebürtige Rheinland-Pfälzer, der seit fünf Jahren in Oxford lebt und forscht, hat es sich zur Lebensaufgabe gemacht, Statistiken so zu präsentieren, dass sie jeder versteht und auch gerne anschaut.

„Ourworldindata.org“ heißt Rosers Website, auf der sich jeder kostenfrei bilden und bedienen kann. Die thematische Bandbreite ist riesig: Bevölkerungsentwicklung, Nahrung, Technik, Krieg, Wohlstand, Medien, Politik und so weiter. Mal vergleicht er, was Amerikaner heute und 1939 von der Ehe erwarteten (damals war den Männern zum Beispiel „emotionale Stabilität“ am wichtigsten, heute ist es Liebe). Ein anderes Mal zeigt er, wie sich die Fruchtbarkeit von Frauen seit 1955 verändert hat (sie hat sich halbiert).



Einige Beispiele für Rosers Arbeit zeigen wir auf dieser Seite. Allen ist der langfristige Blick gemein. Der Mensch, sagt der junge Ökonom, neige dazu, nur seinen eigenen, engen Zeitraum in Betracht zu ziehen – und negative Einzelereignisse stark überzugewichten. Dem will Roser etwas entgegensetzen. Nicht weil die Welt prima sei, so wie sie ist: „Wir können und sollten viel mehr tun, um die verbliebene Armut zu bekämpfen.“ Aber im Großen und Ganzen bewege sich die Gattung Mensch in die richtige Richtung. Die Daten geben dem Mann recht.



Roser sagt, er habe noch Hunderte weitere Themen auf dem Zettel. Womit sich der Senior Research Fellow des „Institute for New Economic Thinking“ im Einzelnen befasst, entscheidet er allein. Zurzeit beschäftigt er sich mit CO2-Emissionen und Glücksforschung.

Dem ständig wachsenden globalen Publikum gefällt die Neugier des deutschen Datensammlers. Rosers Website lockt inzwischen jeden Monat eine Million Besucher an.



Quelle und Dateivorlagen: Max Roser, Universität Oxford / F.A.Z.-Grafiken: Brocker; Piron

Quelle: F.A.Z.

Veröffentlicht: 11.05.2017 08:58 Uhr