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Neue Zahlen : Weniger arme Menschen in Deutschland

16,5 Prozent der Menschen in Deutschland sind armutsgefährdet. Bild: dpa

Knapp 4 Prozent der Bevölkerung leben in armen Verhältnissen – eine halbe Million weniger Menschen als im Vorjahr. Trotzdem liegt Deutschland nur leicht unter dem EU-Durchschnitt.

          Wegen der guten Wirtschaftslage und des Aufschwungs am Arbeitsmarkt sinkt das Armutsrisiko. Das zeigen neue Auswertungen des Statistischen Bundesamts. Der Anteil der deutschen Bevölkerung, der in absolut ärmlichen Verhältnissen lebt, ist den Daten zufolge im Jahr 2016 auf 3,7 Prozent gesunken. Das sind 0,7 Prozentpunkte oder rund 500.000 Personen weniger als im Vorjahr, zudem ist es der niedrigste Wert seit Beginn der Messungen im Jahr 2005. Im EU-Durchschnitt galten 7,5 Prozent der Bevölkerung als arm im Sinne der Definition. Grundlage ist die europäisch koordinierte Haushaltsbefragung „EU-Silc“.

          Dietrich Creutzburg

          Wirtschaftskorrespondent in Berlin.

          Damit wird unter anderem erhoben, wie viele Menschen sich beispielsweise keine Waschmaschine leisten können und die zudem Schwierigkeiten haben, Miete und Stromrechnung pünktlich zu bezahlen. Insgesamt neun solcher Armutsfolgen werden abgefragt. Treffen im Einzelfall vier oder mehr zu, dann zählt eine Person als arm oder „erheblich materiell depriviert“, wie die Statistiker sagen.

          Leicht gesunken war der Auswertung zufolge aber auch die Armutsgefährdungsquote. Sie bezieht sich nicht auf die konkreten Lebensverhältnisse der Befragten, sondern gibt an, welcher Anteil der Bevölkerung mit seinem Nettoeinkommen weniger als 60 Prozent des allgemeinen Mittelwerts erreicht. Die Armutsgefährdungsquote kann damit auch dann steigen, wenn die Einkommen der unteren Bevölkerungsschichten wachsen – sofern sie langsamer steigen als der Mittelwert aller Einkommen.

          Für das Jahr 2016 weisen die Daten jedoch eine Quote von 16,5 Prozent aus; 0,2 Prozentpunkte weniger als im Vorjahr. Für eine Einzelperson lag die rechnerische Schwelle zur Armutsgefährdung im Jahr 2016 bei einem Monatseinkommen von 1064 Euro, für eine Familie mit zwei Kindern bei 2234 Euro. Gegenüber 2015 haben sich die Schwellen um 3 Prozent erhöht. Im EU-Durchschnitt galten 17,3 Prozent der Bürger als armutsgefährdet.

          Aufschwung : Wirtschaftsweise heben Wachstumsprognosen an

          Eine weitere Messung prüft, ob jemand in einem Haushalt mit geringer Erwerbsbeteiligung lebt. Gemeint sind Haushalte, deren erwachsene Mitglieder arbeitslos sind oder zusammen höchstens ein Fünftel der möglichen Stundenzahl arbeiten. In solchen Haushalten lebten zuletzt 9,6 Prozent der Bevölkerung. Auch das sind 0,2 Prozentpunkte weniger im Vorjahr. Im EU-Durchschnitt waren es 10,4 Prozent. Betrachtet man schließlich alle drei Messungen zusammen, dann traf 2016 auf 19,7 Prozent der deutschen Bevölkerung mindestens ein Armutskriterium zu; das waren 0,3 Prozentpunkte weniger als 2015. Im EU-Durchschnitt sank der Anteil um 0,2 Prozentpunkte auf 23,5 Prozent.

          Linkspartei, Grüne und Sozialverbänden werten die Zahlen einhellig als Beleg dafür, dass die Regierung mehr gegen Armut tun müsse, vor allem durch höhere Sozialausgaben. Der Grünen-Sozialpolitiker Wolfgang Strengmann-Kuhn sprach am Mittwoch von Armut „auf Rekordniveau“. In den Jamaika-Sondierungen haben Union, FDP und Grüne schon verabredet, sich besonders der „Bekämpfung von Kinderarmut“ widmen zu wollen. Neben einem höheren Kindergeld wollen sie dabei auch höhere Hartz-IV-Sätze prüfen. Die Grünen haben Pläne für ein staatlich finanziertes „Familienbudget“ eingebracht, die 12 Milliarden Euro im Jahr kosten sollen.

          Der Sachverständigenrat zur Begutachtung des gesamtwirtschaftlichen Entwicklung warnt in seinem neuen Jahresgutachten jedoch davor, die Lösung in höheren Hartz-IV-Sätzen zu suchen, die im Zweifel die Arbeitsanreize schmälerten. Die „eigentlichen Ursachen für verbleibende Armutsrisiken“ seien andere: fehlende Qualifikation, mangelnde Sprachkenntnisse von Migranten sowie häufigere Ehescheidungen und eine Zunahme von Alleinerziehenden-Haushalten.

          Quelle: F.A.Z.

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