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Studie zur Grundsicherung : Zuwanderung bringt mehr Kinder ins Hartz-IV-System

Immer mehr Kinder sind im Hartz-IV-System. Bild: dpa

Laut einer Studie sind immer mehr Kinder und Jugendliche in Deutschland auf Hartz-IV angewiesen. Doch der Höchststand liegt nicht an der inländischen Verarmung.

          Knapp zwei Millionen Kinder und Jugendliche in Deutschland leben in Familien, die Hartz-IV-Leistungen beziehen. Dies entspricht einem Anteil von 14,6 Prozent an allen Kindern und Jugendlichen. Die Gesamtzahl der Betroffenen in der Altersgruppe bis 18 Jahre hat damit einen neuen Höchststand erreicht. Die Ursache des Anstiegs liegt freilich nicht in einer Verarmung der inländischen Bevölkerung. Vielmehr schlägt sich darin die wachsende Zahl anerkannter Flüchtlinge nieder, die nun nach und nach vom Asylsystem ins Hartz-IV-System wechseln. Das zeigt eine Auswertung, die das Wirtschafts- und Sozialwissenschaftliche Institut (WSI) der gewerkschaftsnahen Hans-Böckler-Stiftung am Mittwoch veröffentlicht hat. Sie stützt sich auf Daten der Bundesagentur für Arbeit.

          Dietrich Creutzburg

          Wirtschaftskorrespondent in Berlin.

          Die Gesamtanteil der Kinder und Jugendlichen im Hartz-IV-System hat sich der Auswertung zufolge seit Ende 2011 von damals 12,5 Prozent um etwas mehr als zwei Prozentpunkte erhöht. Im Osten Deutschlands ging die Quote in dieser Zeit von 20,7 Prozent auf 19,8 Prozent zurück; im Westen stieg sie hingegen von 10,9 auf 13,5 Prozent an. Dahinter stehen allerdings gegenläufige Bewegungen im Hinblick auf Ausländer und Deutsche. Der gemessene Anstieg sei „eine Folge der Zuwanderung, vor allem von Flüchtlingen, seit dem Jahr 2012“, wie WSI-Forscher Eric Seils darlegt.

          Kein Anzeichen für Verarmung

          Diese Zuwanderung hatte sich im Sozialsystem seither zunächst vor allem durch mehr Bezieher von Asylbewerberleistungen bemerkbar gemacht, erläutert Seils. Bis zum Abschluss ihres Asylverfahrens haben Flüchtlinge in der Regel keinen Anspruch auf Hartz IV. Falls sie aber ein Bleiberecht erhalten und nicht gleich existenzsichernde Arbeit haben, werden die Jobcenter zuständig. Und mit entsprechender Verzögerung sei es dann zu einer starken Zunahme der Zahl ausländischer Kinder im Hartz-IV-System gekommen, legt Seils dar. Diese hat habe sich seit Dezember 2011 von 291.373 auf 583.639 Personen fast genau verdoppelt. Demgegenüber sei die Zahl der Kinder und Jugendlichen mit deutscher Staatsangehörigkeit – darunter solche ohne und mit Migrationshintergrund – seit Ende 2011 um mehr als 120.000 auf unter 1,4 Millionen gesunken.

          Der Forscher wendet sich gegen Deutungen, der gemessene Anstieg der Gesamtzahl der Hartz-IV-Empfänger zeige eine Verarmung an. „Für die Flüchtlinge ist es – im Unterschied zu vielen Deutschen – von Vorteil, in das Hartz-System zu wechseln, weil das mit einer Leistungsverbesserung verbunden ist“, schreibt Seils. Allerdings merkt er kritisch an, dass die Leistungen trotzdem „nicht großzügig“ bemessen seien: Nach Angaben der Bundesagentur werde Alleinererziehenden mit zwei Kindern derzeit ein Bedarf von durchschnittlich 1594 Euro im Monat zuerkannt, Paaren mit zwei Kindern 1933 Euro.

          Unabhängig davon gibt es große regionale Unterschiede, wie die Studie weiter zeigt: Die höchsten Hartz-IV-Quoten unter Minderjährigen weisen Gelsenkirchen (41 Prozent), Bremerhaven (36 Prozent) und Halle an der Saale (34 Prozent) auf. In Pfaffenhofen und Eichstätt sind es dagegen weniger als 3 Prozent.

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