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Währungsfonds warnt : Reiche immer reicher

„Eclipse“ heißt die Luxusjacht des Milliardärs Roman Abramovich. Bild: dpa

Zu viel Ungleichheit schadet dem Wirtschaftswachstum - der Internationale Währungsfonds präsentiert eine hochbrisante These, die mit seiner Tradition kollidiert. Besonders ein wichtiges Land haben seine Fachleute im Visier.

          Der Internationale Währungsfonds hat bei seiner Jahrestagung in Washington eine neue Debatte über die wachsende Ungleichheit in vielen Ländern angezettelt. Die brisante These, die der Fonds der globalen Finanzwelt präsentiert, lautet: Zu viel Ungleichheit schadet dem Wirtschaftswachstum.

          Winand von Petersdorff-Campen

          Wirtschaftskorrespondent in Washington.

          Die Aussage ist keine Selbstverständlichkeit für die globalen Währungshüter mit ihrer neoliberalen Tradition. Denn lange galt, dass gerade die Ungleichheit den Wohlstand nährt. Die Aussicht der Leute, durch mehr Anstrengung mehr verdienen und in höhere Einkommensklassen hineinwachsen zu können, galt als Triebfeder für Aufschwung und Wohlstand.

          Schaden für den sozialen Zusammenhalt

          Und das soll nun nicht mehr gelten? Die Ökonomen des Währungsfonds formulieren in gebotener Vorsicht. „Während kräftiges Wachstum nötig ist für die ökonomische Entwicklung, ist es doch nicht ausreichend“, sagt der Chefökonom des Währungsfonds, Maurice Obstfeld. Die Ungleichheit sei in mehreren Industrieländern gestiegen, sie bleibe in vielen Aufsteigerländern hoch.

          Das müsse die Regierungen beunruhigen, denn Ungleichheit schade dem sozialen Zusammenhalt und begünstige politische Polarisierung – mit der gefährlichen Folge, dass Wachstum dann nicht mehr nachhaltig sei. Wenn große Teile der Bevölkerung nicht in den Genuss der Früchte des Wirtschaftswachstums kommen, zugleich aber durch Importkonkurrenz und technischen Wandel ihre Arbeitsplätze und ihr Einkommen bedroht sehen, dann befürworten sie eine Politik der Abschottung, die Barrieren für Einwanderung und Einfuhren erhöht.

          Besonders Amerika im Visier

          Und das wäre nach Ansicht der IWF-Ökonomen grundfalsch. Denn gegenwärtig erlebt die Weltwirtschaft einen Aufschwung auf so breiter Front wie seit einer Dekade nicht mehr. Als wichtiger Grund dafür wird angeführt, dass der internationale Austausch von Gütern und Dienstleistungen zum ersten Mal seit vielen Jahren stärker gewachsen ist als die Volkswirtschaften selbst. Internationaler Handel macht immer noch reich, ist die Botschaft von IWF-Chefin Christine Lagarde, doch man muss die Früchte besser verteilen. Wie das gehen soll, da hat der Fonds ein paar Ideen. Länder mit gesunden Haushalten wie etwa Deutschland sollten in Infrastruktur, Bildung und in die Gleichstellung von Mann und Frau investieren.

          Die Aussagen des Fonds sind eigentlich auf viele Länder gemünzt, doch ein Land ist besonders im Visier: die Vereinigten Staaten, größter Anteilseigner des Währungsfonds und zudem Gastgeber der Jahrestagung, auf der der Fonds freigiebig seine Analysen verteilt. In den Vereinigten Staaten hat das oberste Prozent der Bevölkerung, gemessen am Jahreseinkommen, besonders stark vom Wirtschaftswachstum der vergangenen Jahre profitiert, wie unterschiedliche Studien belegen.

          Für die G-20-Länder gilt die grobe Richtschnur, dass auf dieses oberste eine Prozent der Bevölkerung zehn Prozent des Volkseinkommens entfallen. In den Vereinigten Staaten war das bis 1980 auch so, doch inzwischen wandern laut IWF-Statistik rund 20 Prozent der jährlichen Wirtschaftsleistung in die Kassen der Superreichen. Den größten Zuwachs erlebten sie zwischen 1990 und 2000. In Deutschland entfallen auf diese Gruppe 15 Prozent der Wirtschaftsleistung. Stark verändert hat sich der Anteil der reichen Deutschen in den letzten Jahren aber nicht mehr, wie aus der IWF-Statistik hervorgeht.

          Die vom Währungsfonds ausgelöste Debatte ist in den Vereinigten Staaten von besonderer Brisanz, weil sich dort Präsident Donald Trump zusammen mit den Republikanern anschickt, die Umverteilung des Wohlstands gesetzlich zu verändern. Trump will die größte Steuerentlastung der amerikanischen Geschichte – oder zumindest seit Präsident Ronald Reagan – durchsetzen und muss sich deshalb gegen heftige Opposition wehren. Trump wolle Reiche bedienen, lautet der Vorwurf. Der Präsident verkauft die Steuerentlastung als längst überfällige Maßnahme, um dem hart arbeitenden amerikanischen Mittelstand Gerechtigkeit widerfahren zu lassen. Zudem erwartet er ein stärkeres Wachstum.

          Da kommen die Analysen des Währungsfonds zur Unzeit. Dessen Ökonomen behaupten tapfer, auf dem aktuellen Steuerniveau brächten Steuersenkungen keine Wachstumsimpulse. Schließlich seien die Steuersätze in den Vereinigten Staaten und vielen anderen Ländern in den achtziger und neunziger Jahren dramatisch gesunken und seitdem auf einem vergleichsweise niedrigen Niveau. Gegen eine Steuerreform haben die IWF-Ökonomen nichts, nur eine Entlastung der Reichen und Besserverdiener halten sie nicht für erforderlich. Und sie finden schon, dass Amerika seine Staatsschulden im Blick behalten sollte – mit anderen Worten: dass es aufkommensneutral reformieren sollte. Das Weiße Haus ist ziemlich empört über die ungebetenen Analysen. Es hat dem Fonds nahegelegt, sich lieber seinem Kerngeschäft zu widmen.

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