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„Verkürzt“ : Nahles-Ministerium zweifelt Armutsbericht an

  • Aktualisiert am

Andrea Nahles war am Mittwoch zu Besuch bei der Firma Trumpf in Ditzingen. Bild: EPA

Der Paritätische Wohlfahrtsverband hat seinen Armutsbericht vorgelegt und eine dramatische Situation in Deutschland geschildert. Von einer prominenten Seite kommt Widerspruch.

          Das von der SPD-Politikerin Andrea Nahles geführte Bundesarbeitsministerium hat den Armutsbericht des Paritätischen Wohlfahrtsverbandes kritisiert. „Die Fokussierung auf die Armutsrisikoquote ist verkürzt“, erklärte die Behörde an diesem Donnerstag.

          Armut in einer Wohlstandsgesellschaft lasse sich nicht auf eine einzige Maßzahl beschränken. „Andere Indikatoren, wie zum Beispiel die Anzahl der Langzeitarbeitslosen oder die Quote der erheblichen materiellen Deprivation, weisen eine andere Richtung auf.“ Mit „materieller Deprivation“ beschreiben Experten das Ausmaß einer etwa durch Armut erzwungenen Unterversorgung mit Alltagsgütern.

          Auch den Mikrozensus des Statistischen Bundesamtes als alleinige Datenquelle hält das Ministerium für eine „Schwäche des Berichtes“. Andere „relevante Datenquellen“ etwa zeigten, dass das Armutsrisiko von Rentnern unterdurchschnittlich sei.

          Gleichwohl erklärte das Ministerium: „Dass die Armutsrisikoquote zuletzt gestiegen ist, ist keine neue Erkenntnis.“ Nach Lesart des Ministeriums ergibt sich dies schon daraus, dass es „erhebliche Beschäftigungs- und Einkommenszuwächse (...) über die gesamte Breite der Einkommensverteilung“ gegeben habe. Mit anderen Worten: Wenn der Wohlstand insgesamt steigt, nimmt auch das mittlere Einkommen zu, das als Orientierung für die Armutsschwelle gilt.

          Der Paritätische Wohlfahrtsverband hatte mit anderen Verbänden ebenfalls an diesem Donnerstag seinen Armutsbericht vorgelegt. Demnach leben 15,7 Prozent der Menschen in Deutschland in Haushalten, die weniger als 60 Prozent des mittleren Einkommens erzielen. Das sei der höchste Stand seit der Wiedervereinigung.

          Quelle: ala./Reuters

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