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Streitfall Waschmaschine : Warum „America first“ teuer werden könnte

Eine Waschmaschine mit Trockner von Whirlpool: Das Unternehmen will asiatische Konkurrenz auf Abstand halten. Bild: AFP

Was Protektionismus konkret bewirkt, lässt der aktuelle Streitfall in Amerika rund um Waschmaschinen erahnen. Warum vor allem die ärmeren Bürger am Ende mehr zahlen müssen. Eine Analyse.

          Der amerikanische Waschmaschinenproduzent Whirlpool hat einen wichtigen Schritt beim Versuch gemacht, günstige asiatische Konkurrenzprodukte vom heimischen Markt fernzuhalten. Der Beschwerde, die der Konzern bei der amerikanischen International Trade Commission (ITC) gegen seine südkoreanischen Wettbewerber LG und Samsung eingelegt hatte, wurde am Donnerstag stattgegeben. Whirlpool wirft der asiatischen Konkurrenz vor, mit deren großen, vergleichsweise billigen Waschmaschinen würden sie den heimischen Konzern schädigen. Die Zustimmung der ITC, einer unabhängigen Behörde, welche die amerikanische Industrie vor Auswirkungen des Welthandels schützt, ist Voraussetzung dafür, dass Präsident Donald Trump nun entweder Zölle oder Importquoten gegen Samsung und LG verhängen kann.

          Winand von Petersdorff-Campen

          Wirtschaftskorrespondent in Washington.

          Maja Brankovic

          Redakteurin in der Wirtschaft.

          Samsung und LG haben in Stellungnahmen davor gewarnt, dass Zölle oder Quoten den Konsumenten schaden würden: Sie hätten weniger Auswahl, die Preise würden steigen. Zudem würden Importbeschränkungen die Innovationskraft dämpfen. Wie stark Einfuhrzölle den heimischen Verbrauchern finanziell schaden, rechnete auch der Nationale Wirtschaftsrat des Trump-Vorgängers Barack Obama zu Jahresbeginn eindrücklich vor. Das Ergebnis ihrer Untersuchung, das sie in ihren letzten Tagen ihrer Amtszeit veröffentlichten, ist brisant. Denn ausgerechnet die Ärmsten in der Bevölkerung sind von Zöllen am härtesten betroffen.

          Die Forscher werteten Handelsdaten inklusive der bestehenden amerikanischen Einfuhrzölle auf ausländische Güter und die detaillierten Zahlen zum Konsumverhalten der Haushalte im Jahr 2014 aus. Zusätzlich nahmen sie an, dass Zölle die heimischen Produzenten nicht auch zu Preiserhöhungen veranlassten – eine Vorgehensweise, die sie selbst als „konservativ“ einschätzten. Schließlich teilten sie die amerikanischen Haushalte nach der Höhe ihrer Einkommen in zehn Gruppen ein.

          Das oberste Zehntel leidet kaum unter den Folgen

          In Zahlen ausgedrückt sind die Unterschiede in der Belastung zwischen den Gruppen groß: Das oberste Zehntel gab nur 0,3 Prozent seiner Einkommen als Folge der Strafzölle aus. Das unterste Zehntel war aber erheblich stärker betroffen. Den Berechnungen der Regierungsberater zufolge gingen 1,6 Prozent der ohnehin sehr niedrigen Einkommen für die Einfuhrzölle drauf.

          Ihr brisantes Ergebnis erklären die Forscher damit, dass sich das Konsummuster mit steigenden Einkommen verändert: So geben ärmere Haushalte in der Regel einen größeren Teil ihres Einkommens für Konsumgüter des täglichen Gebrauchs aus – gerade diese werden aber oft aus dem Ausland importiert. Nach Einschätzung der Ökonomen seien Importzölle deshalb als eine Steuer zu bewerten, die ausgerechnet die unteren Einkommen überproportional belastet.

          Ob der Whirlpool-Beschwerde nun wirklich Einfuhrbeschränkungen folgen, könnte bald entschieden werden. Die bürokratische Prozedur sieht eine öffentliche Anhörung Mitte Oktober vor, auf die dann am 4. Dezember ein Abschlussbericht mit entsprechenden Empfehlungen für den Präsidenten folgt. Diesem obliegt dann allein die Entscheidung über etwaige Zölle oder Quoten.

          Quelle: F.A.Z.

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