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Soziale Ungleichheit : Reiche leben länger

So kann man alt werden. Bild: AP

Die Lebenserwartung steigt mit dem Einkommen - vor allem bei Männern. Der Grund ist aber nicht allein das Geld.

          Die Deutschen leben immer länger – doch die Fortschritte kommen nicht in allen Schichten gleichmäßig an. Während das Statistische Bundesamt am Freitag vermeldet hat, dass 65-jährige Männer durchschnittlich mehr als 82 Jahre alt werden und 65-jährige Frauen im Durchschnitt fast bis zum 85. Geburtstag leben, zeigen andere Studien: In der Oberschicht sind die Fortschritte in der Lebenserwartung deutlich stärker ausgeprägt als in der Unterschicht – allerdings hat das nicht unbedingt mit Geld zu tun.

          Patrick Bernau

          Verantwortlicher Redakteur für Wirtschaft Online.

          Schon vor zwei Jahren hat ein internationales Forscherteam vorgerechnet: Zwischen 1995 und 2008 ist die Lebenserwartung 65-jähriger männlicher Neurentner aus unteren Schichten um rund ein Jahr gestiegen, die aus oberen um fast drei Jahre. Dabei wurde die Schichtzugehörigkeit daran festgemacht, ob die Rentner im Lauf ihres Berufslebens eher wenige oder eher viele Rentenpunkte gesammelt hatten. (Wer die Rentenversicherung früh verließ, weil er selbständig oder Beamter wurde, ging in die Rechnung nicht ein).

          Insgesamt liegen in Deutschland laut Robert-Koch-Institut zehn Jahre zwischen der Lebenserwartung der ärmsten Einkommensgruppe (2013: 980 Euro netto monatlich für Singles) und der reichsten Gruppe (2013: 2450 Euro netto monatlich für Singles).

          Warum arme Leute früher sterben, darüber diskutiert die Fachwelt schon lange. Klar ist: Oft werden nicht die Armen krank, sondern die Kranken arm – weil sie nicht mehr richtig arbeiten können. Doch das erklärt längst nicht alle Unterschiede.

          Kommen die Unterschiede daher, dass sich reiche Leute bessere Ärzte leisten können? Eher nicht. Der internationale Vergleich zeigt: Die Unterschiede in den Lebenserwartungen sind in ganz unterschiedlichen Staaten ähnlich groß – von den Vereinigten Staaten bis Schweden. Forscher aus New York, Cambridge und Stockholm konnten sogar zeigen: Wenn arme Leute durch Lotteriegewinne zu plötzlichem Reichtum kommen, steigt ihre Lebenserwartung nicht.

          Den Grund für die Unterschiede finden Demographen häufig in anderen Faktoren. Am Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung stellten Ökonomen vor zwei Jahren fest, dass die Reichen vor allem von ihrer Bildung profitieren, von der Zahl ihrer Freunde und davon, dass ihre Berufe oft körperlich weniger anspruchsvoll sind. Vor allem Männer scheinen ihr Leben verlängern zu können, wenn sie gut gebildet sind – und deshalb vielleicht eher wissen, wie man sich gesund hält. Dazu kommen Familie und Freunde: Sie machen Menschen glücklicher und helfen im Krankheitsfall. Allerdings ist schon länger bekannt, dass arme Menschen häufig weniger Kontakt zu anderen haben. Für Männer ist vor allem wichtig, ob sie verheiratet sind. Für Frauen spielen dagegen Freunde eine große Rolle. Berücksichtigen die Forscher alle Lebensumstände, spielt das Einkommen bei Frauen keine signifikante Rolle mehr.

          Sterben Arme auch deshalb früher, weil sie von Existenzsorgen geplagt werden? Darauf haben die DIW-Forscher kaum einen Hinweis gefunden. Dafür greift ein anderer Mechanismus. „Für Männer ist Arbeitslosigkeit relativ ungünstig“, sagt Rembrandt Scholz am Max-Planck-Institut für Demographie. Sie sollten traditionell das Geld ins Haus bringen und könnten schwerer damit umgehen, wenn sie das nicht mehr können. Männer würden dann eher alkoholkrank als Frauen.

          Eine neuere Untersuchung skandinavischer Staaten aus dem Herbst zeigt den internationalen Trend: Es geht vor allem um Herzinfarkte und andere Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Angehörige der Oberschicht in Schweden und Norwegen leben schon allein deshalb durchschnittlich drei Jahre länger, weil sie seltener an Herzinfarkten sterben. In der Unterschicht hat die Bekämpfung der Herzinfarkte nur rund eineinhalb Jahre Lebenserwartung gebracht.

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