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OECD-Studie : Arme Familien bleiben arm

Eine Uhr mit einem Aufkleber „Zu vermieten“ zeigt vor einem DDR-Plattenbau in Hoyerswerda „Fünf vor Zwölf“ an. Bild: dpa

Während die Reichen immer reicher werden, kommt von unten niemand hoch – dieses Gefühl hält sich nicht nur in Deutschland. Eine neue Studie untersucht, was wirklich passiert.

          „Klebrige Böden“ und „klebrige Decken“ – folgt man der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD), dann lauten so die entscheidenden Stichworte dafür, dass nur wenigen Menschen ein sozialer Aufstieg gelingt. Die weltweite Entwicklungsorganisation mit Sitz in Paris legte am Freitag eine neue Studie vor, die zeigt, wie es um die soziale Mobilität in den OECD-Ländern der Welt steht und was die Gründe dafür sind.

          Bastian Benrath

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Mit „klebrige Böden“ meinen die Wissenschaftler dabei, dass Menschen aus niedrigen sozialen Schichten es schwer haben, aufzusteigen. So weit, so präsent in der öffentlichen Debatte. Doch interessant sind die Zahlen, welche die OECD dazu ermittelt hat: So erreichen nur vier von zehn Kindern niedrig gebildeter Eltern weltweit die Hauptschule oder etwas vergleichbares. Auf eine Universität oder Hochschule geht sogar nur eins von zehn. Aus hoch gebildeten Haushalten hingegen gehen zwei Drittel der Kinder auf eine Hochschule.

          Schaut man aufs Gehalt, gibt es dennoch einen grundlegenden Aufstieg in höhere Gehaltsgruppen. Etwa zwei Drittel der Kinder von wenig verdienenden Eltern schaffen es im Laufe ihres Lebens, mehr zu verdienen als ihre Eltern. Doch diese Mobilität durch die Gehaltsgruppen dauert sehr langen, wenn Menschen unten anfangen: In einem durchschnittlichen OECD-Land dauert es vier bis fünf Generationen, bis Menschen aus den unteren 10 Prozent auch nur in der Mitte der Gesellschaft angekommen sind. In Deutschland dauert es eher sechs Generationen.

          Frühkindliche Bildung hilft

          Auf der anderen Seite des Einkommensspektrums sorgen „klebrige Decken“ dafür, dass die Wohlhabenden sehr effektiv darin sind, ihre Besserstellung an die folgenden Generationen weiterzugeben. So wird die Hälfte aller Kinder aus der „Managerklasse“ auch selbst Manager.

          Die OECD-Wissenschaftler leiten daraus politische Empfehlungen für die Bereiche Bildung, Gesundheit, Familien- und Steuerpolitik sowie Regionalplanung ab. Unter anderem sollte der Staat ihnen zufolge allen Menschen den Zugang zu hochqualitativer frühkindlicher Bildung ermöglichen – wie etwa Kitas und Vorschulen. Auch seien öffentliche Investitionen in die Gesundheitsversorgung wichtig.

          In Sachen Steuerpolitik empfehlen die Wissenschaftler ein progressives Steuersystem. Das ist in Deutschland bereits Realität, wenn auch die Höhe der Steuersätze für die verschiedenen Einkommensgruppen ein Thema fortwährenden politischen Streits ist. Ebenso seien Maßnahmen zur Begrenzung großer Vermögen und Erbschaften sinnvoll.

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