http://www.faz.net/-gqe-8wzv1

IW-Studie : Jeder Elfte zahlt den Spitzensteuersatz

  • Aktualisiert am

Auf der Wassersportmesse Boot fanden Besucher im Januar zahlreiche Möglichkeiten ihr Geld auszugeben. Bild: dpa

Zehn Prozent der Haushalte kommen für die Hälfte der Einkommenssteuer auf, zeigt eine neue Studie. Die Mehrwertsteuer hingegen kommt vor allem für ärmere Haushalte teuer.

          Kanzlerin Angela Merkel (CDU) will kleinere und mittlere Einkommen nach der Wahl um bis zu 15 Milliarden Euro entlasten. Begründet hat sie das vor allem mit dem Spitzensteuersatz., der aktuell „sehr schnell erreicht“ werde.

          Eine neue Studie des IW Köln konkretisiert diese Einschätzung: 4,2 Millionen Personen, also gut jeder elfte der 46 Millionen deutschen Einkommenssteuerzahler, ist vom Spitzensteuersatz in Höhe von 42 Prozent betroffen. Dieser greift ab einem zu versteuernden Einkommen von 54.058 Euro. Der Studie zufolge kommt fast die Hälfte des gesamten Einkommenssteueraufkommens von den 10 Prozent der Haushalte mit den höchsten Einkommen. 2,7 Millionen Erwerbstätige zahlen dagegen überhaupt keine Einkommenssteuer, da sie zu wenig verdienen.

          Mehrwertsteuer trifft vor allem niedrigere Einkommen

          Nimmt man Mehrwertsteuer und Sozialabgaben hinzu, ergibt sich für einen Single mit einem Bruttoeinkommen von 1940 Euro eine Belastung von mehr als 46 Prozent. Eine Familie mit zwei Kindern und einem Bruttoverdienst von 6170 Euro im Monat führt 44 Prozent hiervon ab. Bei einem Ehepaar ohne Kinder mit 4040 Euro Bruttoeinkommen sind es gut 47 Prozent. Ein Alleinerziehender mit einem Kind und einem Bruttoeinkommen von 2187 Euro muss gut 41 Prozent abtreten. Wie die Studie zudem zeigt, sind untere Einkommensschichten besonders stark von der Mehrwertsteuer betroffen: Erst ab einem durchschnittlichen Bruttogehalt von 2700 Euro im Monat übersteigt die Einkommensteuer die Mehrwertsteuerbelastung.

          Wer wie viel Steuern auf sein Einkommen zahlt
          Wer wie viel Steuern auf sein Einkommen zahlt : Bild: FAZ.NET / Statista – Lizenz: CC BY-ND

          Die Autoren kommen zu dem Schluss, dass die Grundidee des deutschen Steuersystems – starke Schultern sollen mehr tragen als schwache – funktioniert. Gleichzeitig bemängeln sie aber, dass weitgehend unabhängig vom Haushaltstyp Haushalte mit mittleren Einkommen fast die Hälfte ihrer Einkünfte in Form von Einkommens-, Mehrwertsteuer oder Sozialversicherungsbeiträgen abgeben müssen. Die Forscher empfehlen, die Einkommensteuer zu senken. Das würde speziell im unteren Verlauf die Anreize verbessern, erwerbstätig zu werden oder eine Teilzeitstelle aufzustocken.

          Auch eine Studie der OECD war vergangene Woche zu dem Ergebnis gekommen, dass in Deutschland Arbeitseinkommen überdurchschnittlich stark belastet werden.

          Wohlfahrtsverband : Armut breitet sich in Deutschland aus

          Weitere Themen

          Chinas Antwort auf Paypal

          Bezahlsystem : Chinas Antwort auf Paypal

          Hunderte Millionen Chinesen zahlen mit der Smartphone-App Alipay. Ginge sein Betreiber Ant Financial – zu Deutsch: Finanzameise – an die Börse, wäre er so viel wert wie Goldman Sachs.

          Gibt es bald Diesel-Fahrverbote? Video-Seite öffnen

          Vor Bundesverwaltungsgericht : Gibt es bald Diesel-Fahrverbote?

          Der 22. Februar könnte für Autoindustrie, Bundesregierung und für Millionen Diesel-Fahrer ein einschneidender Tag werden. Denn dann entscheidet das Bundesverwaltungsgericht ob Fahrverbote verhängt werden dürfen.

          Die Unkaputtbaren Video-Seite öffnen

          Nischen im Einzelhandel : Die Unkaputtbaren

          Fotos? Instagram! Musik? Spotify! Klamotten? Zalando! Für fast jedes Bedürfnis gibt es eine App, die für den Nutzer bequem ist, aber traditionelle Geschäfte in den Ruin treibt. Wer überlebt, macht etwas richtig. Was genau?

          Topmeldungen

          Amokläufe : Trump regt Bewaffnung von Lehrern an

          Der Präsident sieht in der Bewaffnung von Schulpersonal ein geeignetes Mittel gegen Amokläufe. Auf Angreifer müsse zurückgeschossen werden können, sagte er zu Überlebenden des jüngsten Massakers.
          Der Prototyp Hyperloop One

          Mit dem Hyperloop : Von Washington nach New York – in 29 Minuten?

          Tesla-Chef Elon Musk lässt jetzt buddeln: Für ein futuristisches Verkehrskonzept darf der Visionär jetzt testweise in Amerikas Hauptstadt bohren. Es geht um nicht weniger als eine Revolution.

          Syrischer Krieg : Spielball der Großmächte

          Syrien versinkt seit Jahren in Krieg und Gewalt – und ein Ende ist nicht in Sicht. Das liegt auch an den vielen verschiedenen Beteiligten und Interessen. Ein Überblick.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.