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Gehaltsunterschiede : Ein ganzes Jahreseinkommen in nur fünf Tagen

Spitzenverdiener: Bill McDermott, Vorstandssprecher von SAP, erhält einen Tageslohn von fast 10.000 Euro. Bild: dpa

An diesem Wochenende ist es soweit: Ein deutscher Spitzenmanager wird seit Neujahr dann so viel Geld verdient haben wie ein Durchschnittsarbeitnehmer in ganz 2018 bekommen wird. In einem anderen Land ging es sogar noch schneller.

          In Großbritannien wurde diese Woche der „Fat Cat Thursday“ begangen. „Fette Katzen“ – das ist auf der Insel eine abwertend gemeinte umgangssprachliche Bezeichnung für Großverdiener in den Chefetagen der Unternehmen. Mit dem Gedenktag hat es Folgendes auf sich: Am Donnerstagmittag – also dreieinhalb Tage nach Silvester – hatten im Mittel die Chefs führender britischer Aktiengesellschaften schon so viel verdient wie der Durchschnittsarbeitnehmer mit einem Vollzeitjob in Glasgow, Manchester oder Birmingham in einem ganzen Arbeitsjahr erhalten wird.

          Marcus Theurer

          Wirtschaftskorrespondent mit Sitz in London.

          Natürlich ist ein solcher plastischer Vergleich der Gehaltszettel von Spitzenmanagern und Normalbürgern nur rückblickend möglich: Die Berechnung des britischen Personalexpertenverbands CIPD und der Denkfabrik High Pay Centre basiert auf Zahlen aus dem Jahr 2016.

          Große Unterschiede

          Und wie sähe das Rechenexempel für Deutschland aus? Die Antwort lautet: nicht viel anders. Die Spitzenmanager hierzulande haben im Schnitt bis zum Wochenende so viel verdient wie Durchschnittsarbeitnehmer insgesamt bis zum 31. Dezember bekommen werden.

          Das zeigt eine Gegenüberstellung von Daten der Düsseldorfer Aktionärsvereinigung DSW mit den allgemeinen Verdienstzahlen des Statistischen Bundesamtes in Wiesbaden. Die DSW veröffentlicht alljährlich eine Vorstandsvergütungsstudie, welche die Arbeitseinkommen der Vorstände in den 30 Konzernen im Deutschen Aktienindex Dax erfasst – vom Sportartikelhersteller Adidas bis zur Immobiliengesellschaft Vonovia.

          Die aktuellsten DSW-Daten stammen aus dem Jahr 2016. Diesen zufolge hat ein Dax-Vorstand im Schnitt einschließlich Zulagen und ohne Pensionsleistungen 3,376 Millionen Euro verdient. Das entspricht einem Tagesverdienst von 9224 Euro. Die Bandbreite der Einkommen war allerdings groß. So erhielten die Vorstände des Softwarekonzerns SAP mit knapp 5,8 Millionen Euro mehr als zweieinhalb Mal so viel wie die des Chipherstellers Infineon. Der Chef von SAP, Bill McDermott, wiederum verdiente mit 13,8 Millionen Euro deutlich mehr als seine Vorstandskollegen. Er war zugleich Spitzenverdiener im Dax.

          Wie sehen die Vergleichszahlen für die Durchschnittsbürger aus? Auskunft darüber geben die Daten des Statistischen Bundesamtes. Für 2016 weist die Behörde einen mittleren Bruttoverdienst für Vollzeitstellen in Deutschland von 48.936 Euro aus. Darin enthalten sind auch Sonderzahlungen.

          Lässt man unterschiedliche Steuern und Abgaben außer Acht und überträgt diese Zahlen auf das Jahr 2018, dann könnten die Dax-Vorstände somit zumindest rein rechnerisch das Arbeitsjahr schon am Samstag nach exakt fünf Tagen und sieben Stunden beenden – und kämen dennoch auf ein durchschnittliches deutsches Jahresgehalt.

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