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EU-Austritt : Harter Brexit würde britische Haushalte 260 Pfund pro Jahr kosten

  • Aktualisiert am

Besonders Nahrungsmittel sollen durch den Brexit teurer werden. Bild: Reuters

Einigen sich Großbritannien und die EU nicht auf ein Handelsabkommen, werden die Preise deutlich steigen, geht aus einer neuen Studie hervor. Schon jetzt ist die Inflation so hoch wie seit fünf Jahren nicht mehr.

          Ein Ausstieg Großbritanniens aus der EU ohne Brexit-Abkommen würde einen britischen Privathaushalt einer Studie zufolge pro Jahr durchschnittlich um 260 Pfund (292 Euro) mehr belasten. Wegen steigender Preise für Nahrung, Kleidung und Transport müsste ein Mittelschichthaushalt mit diesem zusätzlichen Betrag rechnen, ergab eine am Dienstag vorgestellte Studie der Universität Sussex. Die britische Regierung hatte angekündigt, Zölle auf importierte Waren aus EU-Ländern zu erheben, falls keine Einigung über die Handelsbeziehungen zur Europäischen Union nach dem Ausstieg Großbritanniens gefunden wird.

          Die Kosten für einen Haushalt würden damit jährlich um 0,9 Prozent steigen, heißt es in der zusammen mit dem Forschungsinstitut Resolution Foundation erstellten Studie. Dies berücksichtige schon, dass dann voraussichtlich mehr günstigere, in Großbritannien produzierte Waren gekauft würden.

          Die Brexit-Entscheidung treibt die Inflation in Großbritannien schon jetzt auf den höchsten Stand seit fünfeinhalb Jahren. Die Verbraucherpreise stiegen im September um 3,0 Prozent zum Vorjahresmonat, wie das Statistikamt ONS am Dienstag mitteilte. Im August waren es noch 2,9 Prozent. Damit entfernt sich die Teuerungsrate weiter vom Ziel der Notenbank, die zwei Prozent anstrebt.

          Getrieben werden die Preise vor allem durch die schwächere Landeswährung Pfund, die nach dem Anti-EU-Referendum der Briten vom Juni 2016 um etwa zwölf Prozent abgewertet hat. Dadurch werden Importe teurer, was die Lebenshaltungskosten nach oben treibt. Der schwedische Möbelkonzern Ikea kündigte zum Beispiel erst am Montag an, seine Preise auf der Insel wegen der Pfund-Schwäche um drei Prozent anzuheben.

          Der stellvertretende Notenbankchef Dave Ramsden sieht ungeachtet der höheren Inflation keine Notwendigkeit für rasche Zinserhöhungen. So setze die wachsende Beschäftigung bislang keine Spirale aus höheren Löhnen und weiter steigenden Preisen in Gang, begründete er. Die Bank of England hatte zuletzt eine Zinserhöhung für die kommenden Monaten signalisiert. Sie hat ihren Leitzins im August 2016 nach dem Brexit-Schock auf das Rekordtief von 0,25 Prozent gesenkt und hält ihn seither auf diesem Niveau.

          Treffen von May und Juncker : Endlich Dampf machen

          Höhere Zinsen können die Nachfrage nach Krediten und damit Konsum und Investitionen dämpfen, was die Teuerung drücken, aber auch die Konjunktur belasten könnte. "Ich sehe eine reale Gefahr, dass die Unternehmensinvestitionen aufgrund des Brexit-Prozesses und der sich daraus ergebenden Unsicherheiten schwächer ausfallen könnten", warnte Ramsden.

          Der britische Finanzminister Philip Hammond sagte am Montag, er sehe keine wachsende Gefahr für ein Scheitern der Verhandlungen über ein Abkommen mit der EU. Auch der britische Verkehrsminister Chris Grayling hatte betont, er rechne trotz der stockenden Brexit-Gespräche nicht mit einem Austritt ohne Abkommen. Premierministerin Theresa May und EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker erklärten, sie wollten bei den Brexit-Gesprächen aufs Tempo drücken.

          Quelle: hade./Reuters

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