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Grundeinkommen : Geld für gar nichts

Geldregen über Frankfurt: Nie war die Idee des bedingungslosen Grundeinkommens beliebter. Bild: dpa

Tausend Euro im Monat für jeden, einfach so. Ein bedingungsloses Grundeinkommen würde die Wirtschaft auf den Kopf stellen. Die Idee ist so populär wie nie zuvor.

          Noch vier Wochen, dann dürfen die Schweizer über eine Wirtschafts- und Sozialreform von biblischem Ausmaß abstimmen. Der Sündenfall hat eigentlich das Schicksal des Menschen besiegelt: „Im Schweiße deines Angesichts sollst du dein Brot essen“, so hat es der liebe Gott Adam nach der Ausweisung aus dem Garten Eden beschieden. Anders gesagt: Ohne Fleiß kein Preis, there is no free lunch, umsonst ist nur der Tod. So lautet die eherne Regel, die unser Alltagsverständnis von der Wirtschaft prägt.

          Sebastian Balzter

          Redakteur in der Wirtschaft der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Jetzt aber können die Schweizer mit einer Volksabstimmung dieses Grundgesetz aushebeln. Sie können am 5. Juni beschließen, ein bedingungsloses Grundeinkommen einzuführen. Umgerechnet 2300 Euro im Monat für jeden, voraussetzungslos. Das gibt es nirgendwo sonst auf der Welt. Das hat es seit der Vertreibung aus dem Paradies auch noch nie gegeben, außer im Schlaraffenland.

          Im echten Leben ist das Einkommen dagegen stets an eine Gegenleistung gekoppelt. Die Lohntüte und das Gehalt gibt es nach getaner Arbeit. Für Rente und Arbeitslosengeld zahlen wir in eine Versicherung ein. Selbst die Grundsicherung, rund 400 Euro im Monat, eine Art Grundeinkommen vom Sozialstaat, gibt es nur unter Vorbehalt: Wer sie bekommen will, muss seine Bedürftigkeit nachweisen. Und prinzipiell bereit sein, eine Arbeit aufzunehmen.

          All das, sagen die Vorkämpfer der Schweizer Volksabstimmung, macht der allgemeine materielle Überfluss unnötig. Der Wohlstand ist so groß, dass jeder daran teilhaben soll, ganz gleich, ob er sich dafür anstrengt oder nicht. Jeder soll ohne ökonomischen Druck entscheiden können, wofür er seine Zeit einsetzt: für das Geldscheffeln in der Investmentbank, für Übungsstunden mit der Freiwilligen Feuerwehr oder für eine ausgedehnte Mittagspause samt anschließendem Spaziergang in der Sonne.

          Die Modelle unterscheiden sich enorm

          Die Idee ist radikal. Und sie hat viele Freunde. In der Schweiz, aber auch sonst überall auf der Welt - und zwar nicht nur unter den Armen und ihren üblichen Wohltätern. Sie findet vielmehr Fürsprecher aus entgegengesetzten politischen Lagern: vom Erzlinken, der sich vom Grundeinkommen ein würdiges Leben für Langzeitarbeitslose verspricht, über den eingefleischten Liberalen, der damit die persönliche Freiheit des Einzelnen über den Gouvernantenstaat obsiegen sieht, bis zum Wertkonservativen, der auf eine Rückkehr zum klassischen Familienbild hofft, wenn Väter und Mütter sich nicht mehr zur Erwerbsarbeit gedrängt fühlen.

          Animation : Was ist dran am Grundeinkommen?

          Das Grundeinkommen ist zu einem Werkzeug geworden, mit dem jeder von ihnen sein eigenes Ziel erreichen zu können glaubt. Die Konsequenz: Gestandene Unternehmer aus Deutschland halten den Gedanken inzwischen für genauso genial wie nassforsche Internetmilliardäre aus dem Silicon Valley und nüchterne Sozialreformer aus dem europäischen Ausland.

          Im Detail unterscheiden sich ihre Vorstellungen allerdings häufig, den jeweiligen Motiven entsprechend. Das fängt mit der Höhe des Grundeinkommens an: Sind 600 Euro im Monat genug, wie Dieter Althaus glaubt, der frühere christdemokratische Ministerpräsident von Thüringen? Oder müssen es schon glatte 1000 Euro sein, wie es Götz Werner fordert, der Gründer der Drogeriemarktkette dm? Und soll der Betrag zum Monatsersten auf jedermanns Konto überwiesen werden? Oder rückwirkend als Gutschrift mit der Einkommensteuer verrechnet werden? Was passiert mit den Zuverdiensten, also dem herkömmlichen Einkommen aus bezahlter Erwerbsarbeit? Ersetzt das Grundeinkommen alle anderen Sozialleistungen? Und schließlich: Woher soll das Geld dafür eigentlich kommen?

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