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Thomas Middelhoff auf der Frankfurter Buchmesse Bild: WITTEK/EPA-EFE/REX/Shutterstock

Einstiger Spitzenmanager : Wird Thomas Middelhoff rehabilitiert?

Deutschlands bekanntester Häftling kämpft weiter um seinen Ruf. Jetzt gibt es offenbar einen neuen Zeugen, der ihn entlasten könnte.

          Vor knapp drei Jahren verurteilte das Landgericht Essen den einstigen Spitzenmanager Thomas Middelhoff zu einer Haftstrafe, wegen Untreue und Steuerhinterziehung. Es ging um 485.000 Euro für eine Festschrift und Privatflüge auf Unternehmenskosten. Den Großteil seiner Strafe hat der ehemalige Chef von Arcandor/Karstadt in der JVA Bielefeld abgesessen, im November kommt er möglicherweise auf freien Fuß. Schon jetzt ist er im offenen Vollzug und arbeitet in Bethel mit behinderten Menschen.

          Hanna Decker

          Redakteurin in der Wirtschaft.

          Aber Middelhoff fühlt sich falsch verstanden, kämpft immer noch um seinen Ruf. Dabei helfen könnte ihm ausgerechnet ein Zivilverfahren vor dem Oberlandesgericht Hamm, das seit Jahren gegen ihn läuft. Darin fordert der Arcandor-Insolvenzverwalter von ihm und weiteren ehemaligen Vorständen vermeintlich zu viel gezahlte Boni und Abfindungen zurück. Weil Middelhoff selbst im März 2015 Privatinsolvenz angemeldet hat, ist er in dem Verfahren als Zeuge geladen.

          Wie die „Welt am Sonntag“ berichtet, gibt es nun einen weiteren Zeugen, der Middelhoff in dem Verfahren entlasten soll. Es geht um das sogenannte „Rotterdam-Papier“, dem das Landgericht Essen im Strafverfahren 2014 keine Beachtung schenkte. Darin vereinbarten Quelle-Großaktionärin Madeleine Schickedanz und weitere Geschäftspartner mit ihm im Jahr 2005 die Gründung einer Gesellschaft namens „Neos“. Sie sollte KarstadtQuelle übernehmen beziehungsweise sanieren, Middelhoff sollte die Geschäftsführung übernehmen.

          Dafür wurden Middelhoff zum einen im Erfolgsfall hohe Millionenvergütungen in Aussicht gestellt, zum anderen die Übernahme aller Kosten für: „Zwei Fahrzeuge; zwei Fahrer; Spesen; Bewirtungskosten im privaten Rahmen; Flugkosten für Privatflugzeuge.“ Schickedanz bestritt in dem Essener Prozess, diese Zusagen gemacht zu haben. Middelhoff wehrte sich nicht entschieden, der Richter verzichtete darauf, die Millionärin unter Eid aussagen zu lassen. Nun gibt es aber offenbar eine Person, die bestätigen kann, dass das Papier echt ist und dass ein weiteres Gespräch über diese Angelegenheit stattgefunden hat.

          Ein Wiederaufnahmeverfahren wäre nur möglich, weil Middelhoff wegen dieser Tat schon rechtskräftig verurteilt ist. Mögliche Entschädigung würde in die private Insolvenzmasse fließen. Ebenso wie seine Villa, die derzeit in Bielefeld zum Verkauf steht.

          Quelle: FAZ.NET

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