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Kleine Läden in Nairobi : Wie Bezahlsysteme afrikanischen Kleinhändlern Chancen eröffnen

Kaka Shop: Der junge David Kileo vor seinem Kiosk im Slum Kawangware in Nairobi. Bild: Philip Plickert

Afrikas Mikrounternehmer zahlen bar und haben kein Konto. Doch neue Projekte geben ihnen erstmals Zugang zu Bankgeschäften. Das gibt Sicherheit und kann Leben retten.

          Ein paar Ziegen liegen vor Wellblechhütten, Hunde schnuppern im plattgedrückten Müll, Abwasser fließt in einem kleinen Kanal. Und auf der Straße spielen Dutzende Kinder im Staub. Männer ziehen Handkarren, dazwischen tuckern Motorräder und japanische Altautos, alle paar Minuten schiebt sich ein Lastwagen durch die Gassen voller Schlaglöcher und Pfützen.

          Philip Plickert

          Redakteur in der Wirtschaft, zuständig für „Der Volkswirt“.

          Willkommen in Kawangware, dem Slum 15 Kilometer westlich vom Zentrum Nairobis. 150.000 Menschen leben hier, die meisten ohne Strom und fließend Wasser. Es gibt hier Malaria, nicht wenige Bewohner haben HIV. Im Vergleich mit anderen afrikanischen Ländern ist Kenia eigentlich ein Land mit mittlerem Einkommen, doch auch hier gibt es viele Arme, die mit umgerechnet 2 bis 3 Dollar am Tag auskommen müssen. Viele von ihnen schlagen sich als selbständige Mikrounternehmer, also Kleinstunternehmer, durch – seit kurzem hilft ihnen dabei der Zugang zu digitalen Bankgeschäften.

          Etwa jedes zweite Haus in Kawangware ist ein Duka (Swahili-Wort für Laden). Manche sind wie ein Kiosk gebaut, aus Stein, mit Gitter und Schloss ausgestattet. Andere Händler stellen einfach Tische und Kisten vor ihre Hütte. Bananen, Kartoffeln, Reis, Eimer voll Holzkohle, Kanister mit Treibstoff, Plastikschuhe, billige Kleider – hier gibt es die Dinge fürs tägliche (Über-)Leben zu kaufen. Die Verkäufer sind überwiegend Frauen. Sie warten stundenlang in der Sonne auf Kunden. Geschätzt 100.000 Duka-Läden gibt es in Kenia, in ganz Ostafrika sind es mehr als eine Million.

          Keine 20 Dollar Umsatz am Tag

          Einer davon ist der „Kaka Shop“ von David Kileo, Spitzname Kaka; er hat seinen Laden vor zehn Monaten eröffnet. Der 23 Jahre alte Mann verkauft Nudeln und Toastbrot, Rubbellose, Cola und Süßigkeiten. Kinder schwirren um seinen Laden, gleich kauft eines für eine kleine Münze ein Bonbon. Früher arbeitete Kaka bei einem Tomatenbauern. Mit seinen Ersparnissen hat er schließlich den Kiosk gekauft. Drei Straßen weiter steht Edi Mbaiga vor ihrem windschiefen Obstladen. Sie verkauft Bananen und Mangos, aber auch Windeln und Mobilfunkkarten. Die meisten Läden machen keine 2000 Schilling (umgerechnet 20 Dollar) Umsatz am Tag, es bleiben etwa 2 bis 3 Dollar Gewinn.

          Fast alles wird hier mit Bargeld bezahlt. Und doch ist Kenia auch ein Vorreiter für digitale Zahlungen. Vor gut zehn Jahren startete das M-Pesa-System („Pesa“ ist das Swahili-Wort für Geld) des Mobilfunkanbieters Safaricom, unterstützt von Vodafone. Mit M-Pesa kann man per SMS übers Handy Geld versenden. Kleine Beträge sind kostenlos, danach kostet es eine moderate Gebühr. Will Kaka seiner Familie ein paar Hundert Schilling senden, tippt er den Betrag in sein Handy.

          Die Mobilfunk-Infrastruktur ist da: Rund 80 Prozent der Kenianer besitzen ein Handy, jeder Fünfte sogar ein billiges chinesisches Smartphone, etwa von der Marke Tecno. 17 Millionen M-Pesa-Konten gibt es inzwischen, ein Drittel der Bevölkerung nimmt also Teil. Auch in Tansania ist das System sehr erfolgreich. Zum ersten Mal haben sie damit Zugang zu (einfachen) Finanzdienstleistungen.

          Die Kleinhändler bekommen Sicherheit

          Seit kurzem sind Kaka und Edi Teil des neuesten Experiments für ein digitales Bestell- und Bezahlsystem. „Kionect“ soll die Kioske und Läden mit dem Großhändler verbinden. Entwickelt hat es Mastercard, vor wenigen Wochen ist ein Pilotprojekt mit zunächst tausend Teilnehmern gestartet. Mama Edi tippt langsam eine Bestellung in ihr Handy, eine Sekunde später erscheint die Nachricht ein paar Straßen weiter bei ihrem Großhändler Ng’ang’a Wanjohi auf dem Bildschirm. Er ist Eigentümer von Kaskazi Wholesaler, in seinem Lagerraum stapeln sich Reissäcke, Kanister mit Speiseöl, Gewürzpackungen und Margarinetöpfe. „Der Vorteil ist, dass das System schnell und sicher ist“, sagt Wanjohi im Innenhof seines Geschäfts vor Journalisten, die Mastercard zur Demonstration eingeladen hat. Früher wussten die Kleinhändler nicht, wie hoch die Rechnung am Ende sein werde. Oft genug haben die Motorradboten den Preis schnell noch mal erhöht. Mit Kionect ist das ausgeschlossen.

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