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Pakistan : Endlich kein Ladenhüter mehr

China will die wirtschaftlichen Beziehungen zu Pakistan ausbauen. Bild: AP

China investiert Hunderte Milliarden Dollar in eine neue Seidenstraße durch die Nachbarländer. Ganz weit oben auf der Einkaufsliste steht Krisenland Pakistan – und fühlt sich geschmeichelt. Rivale Indien ist alarmiert.

          Versuchen Sie doch mal, in diesen Wochen irgendwo hier in Karachi einen Lastwagen zu kaufen“, sagt Qazi Sajid Ali. „Sie werden keinen bekommen. Alle sind ausverkauft, Vorbestellungen für die Laster aus China laufen über Monate.“ Der alte Herr aus Pakistan hat schon viel in seinem Leben gesehen, er saß im Management von BASF und Siemens in seinem Heimatland und führt nun die Handelskammer. Wohlhabend ist er mit einem Handel für Baustoffe geworden. So leicht bringt den 70-Jährigen nichts aus der Ruhe. Wenn aber das Kürzel CPEC fällt, ist er hellwach. Denn es steht für den Wirtschaftskorridor, den die Chinesen in Pakistan bauen wollen. Der alle Stränge aus dem langen Berufsleben von Ali zusammenlaufen lässt. Und der dazu führt, dass in der Küstenmetropole Karachi mit ihren mehr als 28 Millionen Einwohnern die Lastwagen ausverkauft sind.

          Christoph Hein

          Wirtschaftskorrespondent für Südasien/Pazifik mit Sitz in Singapur.

          Pakistan, blutig als Abspaltung von Indien geboren, gilt den meisten im Westen als Terrorstaat. Das Land leidet an sich selbst und dem Rest der Welt. Es ist Fluchtort islamistischer Kämpfer aus dem angrenzenden Afghanistan, ausgeblutet unter der Herrschaft der Generäle, unterdrückt von den Clanführern in den Stammesgebieten, geknechtet vom eigenen Geheimdienst, entzweit durch radikale Religionsführer – weite Teile Pakistans wirken wie ein Hochsicherheitstrakt. Der Beifahrer im Polizeiwagen lässt die linke Hand keine Sekunde vom Griff seiner Pistole. Das Land leistet sich keine Armee, das Land ist in ihrer Hand. Bald werden hier 200 Millionen Menschen leben in Städten, in denen nur die gut bewachten Villenviertel noch bewohnbar sind. Hotels wie das Möwenpick in Karachi, in dem die Ausländer absteigen – die noch kommen –, verbergen sich hinter Containerwänden. Es gibt zu wenig Schulen, aber die Zahl der Koranschulen wächst. Bomben explodieren, Selbstmörder jagen sich mit Sprengstoff in die Luft, nach jedem Richterspruch gegen Extremisten droht ein Angriff auf Kasernen. Strom, Gas und Wasser sind in vielen Quartieren der Megastädte Mangelware.

          China schmiedet Jahrtausendplan

          Zwar wächst Pakistan um gut 5 Prozent jährlich. Es pulsiert, auf den Basaren, in den vergitterten Hochschulen, in den Fabriken. Doch fühlt sich das Land vernachlässigt, übersehen, ausgegrenzt. „Ihr kauft eure Kleidung in Bangladesch ein, dabei sind die Standards bei uns viel höher“, sagt der Fabrikant Manzoor Hussain Nadeem. Und fasst in dem einen Satz die Enttäuschung der Millionen von Menschen zusammen, die sich vergessen fühlen. Auch die Regierung unter Nawaz Sharif, zum dritten Mal Ministerpräsident, bekommt Pakistan nur mühsam in den Griff. Die Versprechen sind groß, die Leistungen fraglich. Ein solches Land ist offen für Anerkennung, für Achtung, für Hilfe. Die kommt nun mit Wucht aus gut 5000 Kilometer Entfernung. Aus Peking.

          China schmiedet an einem Jahrtausendplan. Peking will die Seidenstraße zu Lande und zu Wasser wiederbeleben. „Ein Gürtel, eine Straße“ (OBOR) heißt das Konzept von Präsident Xi Jinping, und mit der sagenhaften Summe von umgerechnet mehr als einer Billion Euro sollen Brücken und Straßen, Häfen, Flugplätze, Kraftwerke und Eisenbahnlinien in Dutzenden von Ländern entstehen. „Einmalige Chancen“, sagt Ali. Denn Pakistan ist einer der wichtigsten Mosaiksteine in Chinas globalem Puzzle.

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