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Chinas Kommunisten-Kongress : Die Partei der Superlative

Es lebe die Partei! Hostessen bei der Eröffnung des Nationalen Volkskongresses, der im März in Peking stattfand. Bild: Reuters

Wenn sich die Kommunistische Partei zum Kongress trifft, blickt die Welt auf eine Organisation, die China fast so fest im Griff hat wie zu Maos Zeiten. Die Kommunisten haben den Kapitalismus verinnerlicht. Was ist ihr Geheimnis?

          An einem Abend im September öffnete der Rentner Hu Chun in Schanghai seine Tür und erfuhr, dass er Schulden habe bei der Partei. Genosse Chun sei den Mitgliedsbeitrag säumig, sagten die Männer vor der Schwelle, für 55 Jahre. Hu Chun war außer sich. Von der Partei aufgenommen zu werden war bei seinem Eintritt im Jahr 1962 eine Ehre gewesen, ein Qualitätssiegel, größer als der Abschluss einer Pekinger Eliteuniversität. Nach Geld hatte damals niemand gefragt.

          Hendrik Ankenbrand

          Wirtschaftskorrespondent für China mit Sitz in Schanghai.

          „Dann trete ich aus“, sagte Hu. Weil China für Parteiaustritt kein Wort kennt, verwendete er den Begriff „tui dang“, den Restaurantgäste nutzen, wenn sie ihre Suppe zurückgehen lassen, in der eine Fliege schwimmt. Den Kadern verschlug es kurz die Sprache. Das gehe nicht, erklärten sie auf dem Sofa des Rentners im dritten Stock. Aus der Partei könne man nur ausgeschlossen werden. Dann boten sie Rabatt: umgerechnet eintausend Euro, und Hus Kinder, erfolgreich in der Privatwirtschaft, bekämen keine Probleme.

          Die Macht der Partei scheint zu wachsen

          Auch das moderne China wird die Kommunistische Partei nicht los. Wenn sich am Mittwoch in Peking über zweitausend Kader zum 19. Parteikongress treffen, blickt die Welt auf ein Rätsel: eine höchst autoritäre Organisation, die mehr Mitglieder hat als Deutschland Menschen und die offiziell das Ziel von der klassenlosen Gesellschaft anstrebt, führt eine kapitalistische Wirtschaft, die Amerika von der Weltspitze verdrängen will. Und nichts, fast nichts, ist über sie bekannt.

          Für die sowjetischen Kommunisten war nach ihrem 19. Parteikongress Schluss. Immer wieder ist auch Chinas Partei der Untergang prophezeit worden. Doch ihre Macht über ein Milliardenvolk, das immer mehr so lebt wie die Menschen im Westen, scheint sogar zu wachsen. Die Textil-Milliardärin aus dem Norden oder der Vorstandschef des Smartphone-Bauers Huawei im Süden – wen man in China nach der Partei fragt, der antwortet meist mit Schweigen.

          Einer Geheimorganisation gleich, die ihre Mitglieder nicht verlassen können, verbreitet die Partei Furcht und hat doch in unabhängigen Umfragen Zustimmungswerte von 60 Prozent – und das, obwohl sie noch nicht einmal eine Internetseite hat. Nicht einem Kommunisten sei man in China begegnet, behaupten ausländische Konzernchefs. Und verkennen, dass die Partei das Land wieder so fest im Griff zu halten sucht fast wie zu den Zeiten Maos. Dies ist eine Suche nach ihrem Geheimnis.

          Der Kader

          Käme der Papst nach China, die Stadt Kunshan wäre bereit. Kunshan liegt eine Autostunde von Schanghai entfernt. Wie das Land hat sich die Stadt radikal verändert, seit Chinas Parteiführer Deng Xiaoping nach dem Tode Maos 1976 erkannte, dass der Kapitalismus nicht aufzuhalten war, und Unternehmertum erlaubte. Partei und Staat sind in China eins. Anschaulich wird das auch hier über deren räumliche Verschränkung: In Kunshan künden am Amtsgebäude der Stadtregierung schwarze Schriftzeichen an der linken Eingangssäule vom Regierungssitz. An der rechten weisen rote Schriftzeichen auf die Parteizentrale hin, die hier ebenfalls ihre Adresse hat.

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