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Arbeitszeiten in Europa : Deutsche machen am meisten Urlaub

40,6 Stunden pro Woche: Nur in Rumänien und Luxemburg wird länger gearbeitet Bild: dpa

Ein Vergleich der EU-Staaten zeigt, dass in Deutschland länger gearbeitet wird als in den meisten anderen Mitgliedsländern. Trotzdem bleibt Deutschland weiterhin Urlaubs-Europameister.

          Nur in zwei EU-Staaten - Rumänien und Luxemburg - arbeiten Beschäftigte je Woche länger als in Deutschland. Dies geht aus einem Vergleich der 27 Mitgliedstaaten für 2011 hervor, den die Europäische Beobachtungsstelle für die Entwicklung der Arbeitsbeziehungen (Eiro) kürzlich veröffentlicht hat. Unter Berücksichtung von Urlaubsanspruch und gesetzlichen Feiertagen lag Deutschland bei der tariflich vereinbarten Arbeitszeit dagegen mit jährlich 1659 Stunden vor Dänemark und Frankreich an drittletzter Stelle - Rumänien und Ungarn wiesen mit jeweils 1864 Stunden im Jahr den europäischen Spitzenwert auf.

          Michael Stabenow

          Politischer Korrespondent für die Europäische Union, die Nato und die Beneluxländer.

          Der Bericht bestätigt, dass Deutschland weiter Urlaubs-Europameister ist. Bei einem tariflich vereinbarten Urlaubsanspruch von 30 Tagen sowie - ohne Differenzierung zwischen den einzelnen Bundesländern - zehn gesetzlichen Feiertagen hätten Arbeitnehmer in Deutschland 40 freie Tage im Jahr. Dahinter folgten Italien (39 Tage) und Dänemark (38 Tage). Unter den 15 „alten“ EU-Ländern weisen Griechenland und Luxemburg mit jeweils 33 freien Tagen am wenigsten auf. Deutlich darunter liegen aber noch „neue“ Mitgliedstaaten wie Ungarn und Rumänien (jeweils 27 Tage) sowie Estland (28 Tage) und Polen (29 Tage).

          Rumänen arbeiten am längsten

          Gegenüber 2006 ist die tatsächliche wöchentliche Arbeitszeit in Deutschland von 40,8 auf 40,6 Stunden pro Woche gefallen. Am längsten - durchschnittlich 41,6 Stunden in der Woche - arbeiteten zuletzt die Rumänen. In Luxemburg betrug die wöchentliche Arbeitszeit 40,7 Stunden, während sie in Finnland (37,8 Stunden) und Frankreich (37,8 Stunden) deutlich unter dem EU-Durchschnittswert von 39,7 Stunden lag. Männer arbeiteten durchschnittlich in der Europäischen Gemeinschaft wöchentlich 2,1 Stunden länger als Frauen.

          Die der Europäischen Stiftung zur Verbesserung der Lebens- und Arbeitsbedingungen in Dublin angegliederte EU-Beobachtungsstelle verweist in ihrer Studie darauf, dass sich die tatsächliche wöchentliche Arbeitszeit der Mitgliedstaaten nicht ohne weiteres ermitteln und vergleichen lasse. So seien zum Beispiel im Eiro-Bericht Urlaubstage, Teilzeitarbeit und andere Formen der Arbeitszeitorganisation nicht in Betracht gezogen worden. Dennoch erlaube der Vergleich, Entwicklungen in Europa aufzuzeigen. So sei die ermittelte durchschnittliche tatsächliche Arbeitszeit in der EU zwischen 2006 und 2009 von 39,9 auf 39,5 Stunden zurückgegangen, habe sich aber inzwischen bei 39,7 Stunden stabilisiert. Dies liege 1,6 Stunden über der tariflich vereinbarten Arbeitszeit.

          Zwischen 37,8 und 41,3 Stunden pro Woche wird in Europa gearbeitet

          Zuletzt hat sich offenbar die Kluft in der tatsächlichen Arbeitszeit zwischen den 15 „alten“ EU-Staaten und den 2004 und 2007 der Gemeinschaft beigetretenen zwölf mittel-, ost- und südeuropäischen Staaten verkleinert. So arbeiteten Beschäftigte in Beitrittsstaaten wöchentlich zuletzt 40,3 Stunden und damit nur noch 0,8 Stunden länger als Arbeitskräfte in den übrigen 15 Ländern. 2006 lag die Differenz noch bei 1,4 Stunden. Im Eiro-Bericht wird allerdings darauf hingewiesen, dass in einigen mittel- und osteuropäischen Ländern tarifliche Vereinbarungen zur Arbeitszeit eine geringere oder sogar vernachlässigenswerte Rolle spielen. Dies gilt insbesondere für Polen, Slowenien und die drei baltischen Länder Litauen, Lettland und Estland.

          Durchschnittlich seien in der EU für drei Viertel der Beschäftigten tarifliche Vereinbarungen maßgeblich, heißt es in dem Bericht. Dabei zeigten sich je nach Branche einige Unterschiede. Mit durchschnittlich 38,3 Stunden je Woche gilt für Beschäftigte des Einzelhandels die längste tarifliche Arbeitszeit. In der chemischen Industrie liegt sie bei 37,9 Stunden, im öffentlichen Dienst bei 37,6 Stunden. In keinem EU-Land liegt die tarifliche Arbeitszeit unter 35 Stunden oder über 40 Stunden. Obwohl in Frankreich zum Beispiel grundsätzlich eine Obergrenze von wöchentlich 35 Stunden besteht, betrug die effektive Arbeitszeit dort zuletzt 38,1 Stunden. Dahinter stehen die unter dem früheren Staatspräsidenten Nicolas Sarkozy durchgesetzten Lockerungen des Arbeitsrechts sowie die in Frankreich gültigen Vorschriften über zulässige Überstunden.

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