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Arbeitszeitdebatte Flexibilität statt grundsätzlicher Verlängerung

06.07.2004 ·  Die Verlängerung der Arbeitszeit an zwei Siemensstandorten hat die Diskussion um eine grundsätzliche Ausweitung der Arbeitzeit in Deutschland entfacht. Wirtschaftsexperten sind geteilter Meinung.

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Um die Verlagerung von Arbeitsplätzen ins Ausland zu vermeiden, haben sich einige Wirtschaftsexperten für eine weitere Flexibilisierung der Arbeitszeiten ausgesprochen. „Es muß schon mal 30 oder auch 50 Stunden gearbeitet werden können, wenn dies betrieblich nötig ist“, sagte der Präsident des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW), Klaus F. Zimmermann, am Dienstag. Der Arbeitszeitkorridor müsse breiter werden. In vielen Tarifverträgen seien hierfür durch Arbeitszeitkonten bereits Möglichkeiten gegeben.

Der Chefvolkswirt der Commerzbank, Ulrich Ramm, hält die 50-Stunden-Woche ebenfalls für sinnvoll, wenn dadurch Arbeitsplätze erhalten werden. Dann könne in den Jahren danach auch mal weniger gearbeitet werden, sagte Ramm der „Bild“-Zeitung.

Warnendes Beispiel Japan

Kritik äußerte hingegen Peter Bofinger, Mitglied des Sachverständigenrates. Kostenlose Mehrarbeit sei zwar für das einzelne Unternehmen eine gute Sache, für die Volkswirtschaft insgesamt bestehe aber die Gefahr, daß die Kaufkraft zurückgehe, sagte er gegenüber der ARD. In Japan hätten Lohnsenkung zu einer Deflation geführt, aus der das Land bis heute nicht wieder herausgekommen sei.

Der Vorsitzende der Industriegewerkschaft Bau, Agrar, Umwelt (IG Bau), Klaus Wiesehügel, lehnte eine Ausweitung der Wochenarbeitszeit auf 50 Stunden kategorisch ab. „Das wäre der falscheste Weg, den wir überhaupt wählen können“, sagte Wiesehügel. „Das produziert massenhaft Arbeitslosigkeit.“

Der Bremer Wirtschaftsexperte Rudolf Hickel kritisierte die Diskussion als falsch. Im MDR sagte er, auch Arbeitszeiten von 40 oder 50 Wochenstunden könnten Jobverluste nicht verhindern, wenn die Inlandsnachfrage zu schwach sei. Längere Arbeitszeiten führten nur zu einer Senkung der Stundenlöhne.

Siemens hat ein Siemens-Problem gelöst

Auch Siemens-Chef Heinrich von Pierer äußerte sich ablehnend. „Daß wir über die 50-Stunden-Woche reden und die Leute verunsichern, wird uns nicht viel weiterführen“, sagte er am Montag in München. Deutschland brauche „insgesamt größere Flexibilität.

Siemens hatte sich kürzlich mit den Arbeitnehmervertretern auf eine Verlängerung der Arbeitszeit auf 40 Stunden ohne Lohnausgleich an zwei Standorten in Nordrhein-Westfalen geeinigt. Die von der Arbeitgeberschaft begrüßte Einigung hatte die Debatte um längere Arbeitszeiten in Deutschland angefacht.

Pierer betonte am Dienstag, er sei nicht für die flächendeckende Einführung der 40-Stunden-Woche. Er habe lediglich ein spezielles Problem bei Siemens gelöst. Dies sei weder ein Modell für den Siemens-Konzern noch für Deutschland.

Gerhard Handke vom Bundesverband Deutscher Groß- und Außenhandel erneuerte die Forderung nach einem Verzicht auf eine Woche Urlaub pro Jahr. Es gehe um die bessere internationale Wettbewerbsfähigkeit der Arbeitsplätze in Deutschland. Die meisten anderen Länder hätten 25 Tage Urlaub im Jahr, auf diesen Wert werde sich die Urlaubszeit wohl international einpendeln.

Hausgeräte-Hersteller diskutieren über längere Arbeitszeit

Wegen der schwachen Nachfrage prüfen nun auch die Hausgeräteherstellern Bosch-Siemens-Hausgeräte, Miele, Electrolux, Bauknecht und Liebherr eine Verlängerung der Arbeitszeiten. Nach Angaben einer IG Metall-Vorstandssprecherin gab es bereits Gespräche zwischen der Vertretern der Tarifparteien. Die Gewerkschaft lehne eine flächendeckende Lösung für die Branche ab; aber um Kostenprobleme und einem Verlagerungsdruck zu begegnen, würden Einigungen für einzelne Produktlinien und Standorte angestrebt, sagte die Sprecherin.

Quelle: FAZ.NET mit Material von dpa, AP
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