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Arbeitsmodelle Ausweg Teilzeit und Scheckheft-Modell

23.02.2002 ·  In den Niederlanden und in Frankreich sind wesentlich mehr Frauen berufstätig als in Deutschland. Lösungen und grundsätzliche Probleme im Vergleich.

Von Karsten Polke-Majewski und Constanze Hacke
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In den Niederlanden und in Frankreich sind wesentlich mehr Frauen berufstätig als in Deutschland. Teilzeitregelungen haben in den Niederlanden vielen Frauen die Rückkehr in den Beruf erleichtert. Anonyme Prüfungen an französischen Hochschulen kommen den Studentinnen zugute. Ein Blick über die Grenzen zeigt Lösungen und grundsätzliche Probleme. Ein Beitrag in der FAZ.NET-Serie "Frauen im Beruf".

Niederlande: Ausweg Teilzeit

Geht es nach der gegenwärtigen Regierung, soll der Anteil der Arbeitenden unter den Frauen in den kommenden zehn Jahren auf 65 Prozent steigen. Damit nimmt Holland eine führende Position im europäischen Vergleich ein.

In den vergangenen zwanzig Jahren hat der niederländische Arbeitsmarkt eine rasante Modernisierung durchgemacht. Denn obwohl das Land im ersten Artikel seiner Verfassung jede Diskriminierung, vor allem die geschlechtsspezifische, verboten hat, lag der Anteil arbeitender Frauen zu Anfang der achtziger Jahre weit unter dem von Westdeutschland. Das klassische Rollenbild der Mutter und Hausfrau war allgegenwärtig. Zudem lag die Arbeitslosenquote bei mehr als 15 Prozent. Für Frauen war auf dem angespannten Arbeitsmarkt kaum Raum.

Chance zur Rückkehr in den Beruf

Das änderte sich, als unter dem christdemokratischen Ministerpräsident Ruud Lubbers und später unter seinem sozialdemokratischen Nachfolger Wim Kok das „Poldermodell“ entwickelt wurde. Dieses Modell, entworfen, um der hohen Arbeitslosigkeit Herr zu werden und den Sozialstaat zu sanieren, sah neben Lohnmäßigung und Steuersenkungen auch den Ausbau der Teilzeitarbeit vor. Viele Männer fanden keine vollen Stellen mehr; ihre Frauen mussten mitarbeiten, um das Familieneinkommen stabil zu halten. So bot sich für viele Mütter die Chance, in den Beruf zurückzukehren.

Doppelbelastung bleibt

Heute liegt der Anteil der Frauen, die in Teilzeit arbeiten, bei 67 Prozent aller arbeitenden Frauen. Dagegen arbeiten nach Angaben der niederländischen Regierung nur 11 Prozent aller Männer weniger als 100 Prozent. Immerhin sind so aber mehr als zwei Drittel aller holländischen Paare Doppelverdiener. Die flexiblen Arbeitszeitregelungen führten zudem dazu, dass mehr als 60 Prozent aller Frauen nach der Geburt eines Kindes in ihren Beruf zurückkehren. Das wird auch durch die kurze, aber flexibel einzusetzende Elternzeit gefördert. Nur sechs Monate können niederländische Eltern sich in die Elternzeit verabschieden. In Deutschland sind es drei Jahre. Wer in Holland nach dieser Zeit nicht an seine Arbeitsstelle zurückkehrt, den muss der Arbeitgeber nicht wieder einstellen. Dafür kann die Elternzeit auch stundenweise genommen werden, so dass sich die wöchentliche Arbeitszeit entsprechend verringert.

Obwohl es für holländische Frauen inzwischen selbstverständlich geworden ist, zu arbeiten, zeigen sich ähnliche Probleme wie in Deutschland: Die Verantwortung für die Familie liegt immer noch vor allem bei der Frau. Doppelbelastungen bei Männern gibt es nur selten. Auch werden Frauen und Männer oft unterschiedlich bezahlt. Das soll sich allerdings bald ändern. Gerade wird ein Prüfverfahren entwickelt, das Stellen auf ihre Geschlechtsneutralität hin überprüft. Ob sich solche politisch korrekten Maßnahmen angesichts der angespannten wirtschaftlichen Lage jedoch durchsetzen, bleibt abzuwarten.

Frankreich: Anonyme Prüfungen und Scheckheft-Modell

Französische Frauen üben - ähnlich wie ihre deutschen Kolleginnen - meistens Tätigkeiten aus, bei denen sie Beruf und Familie miteinander verbinden können. Nach Einschätzung der Pariser Professorin und Wirtschaftsexpertin Béatrice Majnoni d'Intignano sind zwei Drittel der arbeitenden Frauen in Frankreich in nur sechs Berufszweigen tätig. Darunter stechen vor allem die Bereiche öffentliche Verwaltung, Gesundheitswesen und soziale Berufe hervor.

Französische Frauen entdecken die Selbstständigkeit

Aber auch hier ändern sich die Zeiten: Immer mehr Französinnen gründen Unternehmen. Sie stellen gerade im Gesundheitswesen einen großen Teil der Selbstständigen, zum Beispiel als Psychologinnen, Apothekerinnen und Ärztinnen. 40 Prozent der französischen Rechtsanwälte sind weiblich. Selbst in eher technisch orientierten Branchen ist Frankreich in Sachen Frauenpower Spitze: Laut einer US-Studie liegt der Frauenanteil in der Netzwerkbranche bei über 7,5 Prozent, in drei Jahren werde der weibliche Anteil mehr als zwölf Prozent betragen.

Obwohl der Zugang von Frauen zum Top-Management auch in Frankreich eher noch die Ausnahme ist, haben Französinnen bessere Karrierechancen als ihre deutschen Kolleginnen. So besetzen sie mit knapp 20 Prozent mehr als doppelt so viele Führungspositionen wie in Deutschland. Gerade in den neunziger Jahren ist der Anteil an weiblichen Spitzenkräften im Nachbarland sprunghaft angestiegen. Dieser Aufschwung ist nicht dem gesellschaftlichen Umdenken der Franzosen zu verdanken, sondern der Besonderheit des französischen Bildungssystems.

Führungskräfte werden an speziellen Eliteschulen ausgebildet, deren Absolventen nach einer zweijährigen Vorbereitungszeit eine anonyme Aufnahmeprüfung bestehen müssen, was nur einem Bruchteil gelingt. Herkunft und Geschlecht spielen dabei keine Rolle. Offenbar ist das ein Vorteil für die Studentinnen: Ihre Noten sind besser und oft belegen sie die vorderen Plätze in ihren Jahrgängen. Trotzdem verdienen Französinnen im Schnitt zehn Prozent weniger als die Männer und erhalten öfter befristete Arbeitsverträge (solche Verträge können in Frankreich für maximal 18 Monate abgeschlossen werden).

Teilzeit staatlich gefördert

Darüber hinaus arbeiten in Frankreich viele Frauen in Teilzeit, und dies nicht unbedingt immer auf eigenen Wunsch. Aber auch hier gilt: Für eine französische Mutter ist es einfacher, wieder in ihren Beruf zurückzukehren. In Frankreich werden nicht nur flächendeckend Kindertagesstätten bereitgestellt und Ganztagsschulen angeboten, es gibt eben auch ein breites, staatlich gefördertes Teilzeitarbeitsangebot. So bezuschusst die Regierung Drei- bzw. Vier-Fünftel-Arbeitsplätze (also arbeiten an drei bis vier Tagen pro Woche).

Außerdem gibt es in Frankreich das so genannte Scheckheft-Modell: Die Frauen bekommen von der Behörde ein Heft, in dem der Arbeitgeber die Stundenzahl abzeichnet, die die Frau monatlich geleistet hat. Die Arbeitnehmerin schickt diesen Scheck an die Behörde, welche die Sozialversicherungsbeiträge dann vom Konto des Arbeitgebers einzieht. So sind die Frauen für alle Fälle gut abgesichert, ein Modell, was durchaus auch in Deutschland Schule machen könnte.

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