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Arbeitsmarkt Zweifel am Erfolg des Lehrstellenpakts

27.07.2004 ·  Das Bundesinstitut für Berufsbildung erwartet trotz des Ausbildungspaktes in diesem Jahr zunächst keine Besserung auf dem Lehrstellenmarkt. Regierung und Wirtschaft reagieren verärgert.

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Das Bundesinstitut für Berufsbildung erwartet trotz des Ausbildungspaktes von Regierung und Wirtschaft in diesem Jahr zunächst keine Besserung auf dem Lehrstellenmarkt. "Wir erwarten, daß die Zahl der Jugendlichen, die nicht in eine Ausbildung vermittelt werden können, in diesem Jahr genauso hoch oder noch höher sein wird als 2003", sagte der Generalsekretär des Instituts, Helmut Pütz. Er schätzt, daß auch in diesem Herbst 30000 bis 35000 Jugendliche ohne Ausbildungsplatz sein werden. Die Lehrstellenlücke erkläre sich aus der schwachen Konjunktur. Betriebe, die Personal abbauten, böten auch weniger Lehrstellen an.

In Regierung und Wirtschaft stieß diese Einschätzung am Dienstag auf Protest. "Wir haben deutliche Signale aus der Wirtschaft, daß der Pakt sehr ernst genommen wird", erklärte ein Sprecher des Bildungsministeriums. Das Institut der Deutschen Wirtschaft (IW) wies darauf hin, daß die Industrie- und Handels- sowie die Handwerkskammern bereits Ende Juni 3,9 Prozent mehr neu abgeschlossene Ausbildungsverträge verzeichneten als im Vorjahr. 32000 Lehrstellen seien zudem 2003 nicht zu besetzen gewesen, weil es keine geeigneten Bewerber gegeben habe.

Pütz hatte zuvor in der "Berliner Zeitung" gesagt: "Die Betriebe rationalisieren weiter, und das ist betriebswirtschaftlich auch richtig." Dies bedeute aber, daß die Wirtschaftsverbände im Ausbildungspakt Zusagen gegeben hätten, die in den Betrieben nicht eingehalten werden könnten. In dem von Wirtschaftsminister Wolfgang Clement (SPD) vermittelten Pakt hatten sich die vier großen Wirtschaftsverbände im Juni gegenüber der Bundesregierung verpflichtet, jährlich 30000 neue Ausbildungsplätze anzubieten.

Der Sprecher des Bildungsministeriums wies darauf hin, daß die aktuellen Zahlen über Lehrverträge noch keine Aussagekraft hätten. Gerade in den letzten Wochen vor Beginn des neuen Lehrjahres am 1. Oktober würden noch viele Verträge abgeschlossen werden, sagte er. Der Deutsche Industrie- und Handelskammertag (DIHK) zog unterdessen eine positive Zwischenbilanz des Ausbildungspaktes. Die Rückmeldungen aus den Unternehmen seien sehr positiv, sagte eine Sprecherin. Der DIHK sei überzeugt, das Ziel zu schaffen. "Es gibt überhaupt keinen Grund, in Miesepetrigkeit zu verfallen."

Quelle: cag., Frankfurter Allgemeine Zeitung, 28. Juli 2004
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