29.12.2011 · In Deutschland werden in vielen Branchen Niedriglöhne gezahlt. Viele Tarifverträge schreiben nach wie vor Stundenlöhne fest, die deutlich unter dem Niveau der vereinbarten Mindestlöhne liegen, teilte das Statistische Bundesamt mit.
Von Sven AstheimerViele Tarifverträge in Deutschland sehen Einstiegslöhne von weniger als 6,50 Euro je Stunde vor. Zumal Geringqualifizierte in Gartenbau und Landwirtschaft sowie in Handwerks- und Dienstleistungsbranchen seien davon betroffen, teilte das Statistische Bundesamt in Wiesbaden mit. Die Behörde hat dafür mehr als 600 Flächentarifverträge ausgewertet. Die niedrigsten Stundenlöhne werden im Dezember 2011 un- und angelernten Kräften im Konditorenhandwerk Bayern (5,26 Euro), im Fleischhandwerk Sachsen (6) und im Bäcker- und Konditorenhandwerk Mecklenburg-Vorpommern (6,10) gezahlt.
Über Veränderungen gegenüber dem Vorjahr geben die Daten keine Auskunft, wie der zuständige Mitarbeiter des Bundesamtes der Frankfurter Allgemeinen Zeitung sagte. Er verwies jedoch darauf, dass die tariflichen Monatsverdienste im Jahr 2010 in allen Wirtschaftsbereichen stärker gestiegen sind als die Verbraucherpreise. Auch ist nicht bekannt, wie viele Arbeitnehmer die niedrigen Stundenlöhne beziehen. Berechnungen von Wirtschaftsforschungsinstituten gehen davon aus, dass etwa jeder fünfte Beschäftigte in Deutschland im Niedriglohnsektor arbeitet.
Für Aufsehen sorgte am Donnerstag ein Bericht der „Süddeutschen Zeitung“, wonach immer mehr Arbeitslose direkt in das Hartz-IV-System rutschen. Unter Berufung auf Daten der Bundesagentur für Arbeit hatte die Zeitung berichtet, dass jeder Vierte der 2,8 Millionen Beschäftigten, die in den vergangenen zwölf Monaten arbeitslos wurden, keinen oder nur einen ungenügenden Anspruch auf Leistungen aus der Arbeitslosenversicherung (ALG I) hat und deshalb ganz oder ergänzend auf Leistungen aus der Grundsicherung (ALG II) angewiesen ist. Der Monatswert dieser neuen ALG-II-Empfänger stieg von 51.000 im Jahr 2008 auf 61.000 in diesem Jahr.
Der Vorsitzende des Paritätischen Wohlfahrtsverbands, Schneider, forderte deshalb eine Untergrenze beim ALG I von 750 Euro im Monat. Das Institut der Deutschen Wirtschaft wies die Vermutung eines schlechteren Schutzes der Beschäftigten durch die Arbeitslosenversicherung mit dem Hinweis zurück, dass sich die Rahmenbedingungen in dem betreffenden Zeitraum nicht verändert hätten.
Eine Sprecherin der Arbeitsagentur bestätigte gegenüber dieser Zeitung, dass es sich um eine Sonderauswertung für die „Süddeutsche Zeitung“ handelt. Für die Einordnung sei allerdings zu beachten, dass den Zugängen in Arbeitslosigkeit nicht die Abgänge in Beschäftigung gegenübergestellt sind. Auf diesen Punkt wies auch das Bundesarbeitsministerium in Berlin hin. Stellt man die 920.000 Hartz-IV-Empfänger, die innerhalb der vergangenen zwölf Monate eine neue Beschäftigung fanden, den 737.000 neuen Leistungsempfängern gegenüber, ergebe sich daraus ein deutlicher Abbau der Arbeitslosigkeit.
Dies sagt auch die Arbeitslosenstatistik aus: Im vergangenen Herbst sank die Zahl der Hartz-IV-Arbeitslosen erstmals unter die Marke von zwei Millionen. Insgesamt ging die Arbeitslosigkeit auf 2,7 Millionen zurück, die Quote war mit 6,4 Prozent so niedrig wie seit der Wiedervereinigung nicht mehr. Niemals sei das Risiko geringer gewesen, in die Grundsicherung abzurutschen, hob das Bundesarbeitsministerium hervor. Auch die Sprecherin der Arbeitsagentur sagte, es gebe „keine Anzeichen für ein Abgleiten oder eine soziale Spaltung“ am Arbeitsmarkt. In den vergangenen Jahren sei die Dynamik am Arbeitsmarkt erheblich gestiegen. Die Zugangszahlen ins Hartz-IV-System zeigten, dass insbesondere in der Zeitarbeit und im Gastgewerbe ein erhöhtes Risiko bestehe. Gerade diese Branchen böten aber Langzeitarbeitslosen und Geringqualifizierten wichtige Beschäftigungsmöglichkeiten.
Nennen Sie doch bitte Roß und Reiter im Artikel!
Oliva Weber (Oliva.Weber)
- 30.12.2011, 15:13 Uhr
"Fachkräftemangel" ohne Auswirkungen auf Marktpreise beim Lohn...
A. Loha (aloha77)
- 30.12.2011, 12:12 Uhr
Arbeitslosigkeit von...
Markus Leibold (MSL)
- 30.12.2011, 08:13 Uhr
Ich bin seit 2005 in Hartz IV ... und bei den mir angedienten
Löhnen komme ich nicht ansatzweise
Reinhard Wolf (Pumuckel42)
- 30.12.2011, 03:24 Uhr
Die Lage normalisiert sich. Kein Grund zur Panik.
Karl Wilhelm (Wilhelmson)
- 30.12.2011, 03:18 Uhr
Sven Astheimer Jahrgang 1972, Redakteur in der Wirtschaft, zuständig für „Beruf und Chance“.
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