http://www.faz.net/-gqe-6wpat

EU-Vergleich : Deutsche arbeiten sechs Wochen mehr als Franzosen

Wer hat an der Uhr gedreht? Die Deutschen arbeiten im Jahr im Durchschnitt 1904 Stunden Bild: Rüchel, Dieter

1904 Stunden verbringen die Deutschen im Durchschnitt am Arbeitsplatz. Die Franzosen etwa arbeiten im Jahr sechs Wochen weniger. Deutsche Arbeitnehmer sind im EU-Vergleich allerdings nicht die fleißigsten.

          Die Franzosen arbeiten durchschnittlich sechs Wochen im Jahr weniger als die Deutschen. Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie der französischen Beratungsgesellschaft COERexecode, die sich auf Daten der europäischen Statistikbehörde Eurostat für das Jahr 2010 stützt.

          Christian Schubert

          Wirtschaftskorrespondent in Paris.

          Nach der Untersuchung, die in Frankreich viel Aufsehen erregt, arbeiten im Vergleich der abhängig Vollzeit-Beschäftigten innerhalb der Europäischen Union nur die Finnen weniger als die Franzosen. Die Daten beziehen sich auf die effektive Arbeitszeit und berücksichtigen auch Fehlzeiten durch Krankheit oder andere Gründe. Demnach sind die Franzosen durchschnittlich 1679 Stunden im Jahr in ihren Unternehmen tätig.

          In Deutschland, das einen Mittelplatz erreicht, sind es 1904 Stunden; den Spitzenplatz hat Rumänien mit 2095 Stunden im Jahr. Zwischen 1999 und 2010 hat die Arbeitszeit in Frankreich um 271 Stunden abgenommen. Das ist der stärkste Rückgang in Europa, der vor allem auf die Einführung der gesetzlichen 35-Stunden-Woche zurückgeht.

          Ein ganz anderes Bild ergibt sich freilich für die französischen Selbstständigen: Sie gehören laut COE-Rexecode knapp hinter Deutschland und Österreich zu den fleißigsten Europäern. Denn sie arbeiten im Durchschnitt 2453 Stunden; in Deutschland sind es 2459 Stunden und in Österreich 2551 Stunden.

          Effektiv geleistete Arbeitsstunden im Jahr 2010
          Effektiv geleistete Arbeitsstunden im Jahr 2010 : Bild: F.A.Z.

          Gut drei Monate vor dem ersten Durchgang der Präsidentenwahl in Frankreich hat die Untersuchung in dem Land eine heftige Debatte ausgelöst. Die sozialistische Partei, die Ende der neunziger Jahre die 35-Stunden-Woche eingeführt hatte, zweifelt an den Untersuchungsmethoden.

          Kritiker der Regierung erinnerten dagegen an die fünf Arbeitszeitgesetze seit 2002, die anders als geplant die Arbeitszeit nicht erhöhten. Besonders Präsident Nicolas Sarkozy hatte 2007 seine Amtszeit mit diesem Versprechen angetreten. Doch aus Rücksicht vor den Gewerkschaften ist daraus nicht viel geworden.

          Andere Länder, andere Zeiten: Deutschland liegt im Arbeitszeitvergleich weit vorne, die Franzosen eher hinten
          Andere Länder, andere Zeiten: Deutschland liegt im Arbeitszeitvergleich weit vorne, die Franzosen eher hinten : Bild: ddp

          In den vergangenen Tagen hat die Regierung weitere Lockerungen der derzeitigen Arbeitszeitgesetze in Aussicht gestellt. So sollen Unternehmen und Branchen mit ihren Gewerkschaften Befreiungen von der Arbeitszeitbegrenzung aushandeln dürfen, wenn dies Arbeitsplätze in Frankreich sichert.

          Unternehmen sollen ihre Beschäftigten ohne Lohnausgleich länger arbeiten lassen und im Gegenzug den Erhalt von Stellen garantieren. Dafür müssen die Unternehmen allerdings auch über genügend Aufträge verfügen, was heute oft nicht der Fall ist.

          Quelle: F.A.Z.

          Weitere Themen

          Hier können Sie die Rechte an diesem Artikel erwerben.

          Topmeldungen

          Roy Moore : Missbrauchsvorwürfe? Und wenn schon!

          Roy Moore will heute gegen den Willen des republikanischen Establishments Senator von Alabama werden. Der Missbrauchsskandal hat ihm geschadet, trotzdem hat er gute Chancen die Wahl zu gewinnen – auch weil eine Wählergruppe zu ihm hält, von der man es nicht erwartet hätte.

          Netflix veralbert seine Nutzer : Guckloch

          „Wer hat euch verletzt?“ Das Streamingportal Netflix forscht seine Nutzer aus und macht auf Twitter auch noch Witzchen darüber. Das kommt gar nicht gut an.
          Nicht nur Julia Klöckner lehnt ein Kooperationsmodell ab, auch andere führende Unionspolitiker haben für den Vorschlag wenig Begeisterung übrig.

          Kooperationsmodell : Union lehnt „KoKo“ ab

          Bei den Genossen wird der Vorstoß vom linken Parteiflügel intensiv diskutiert. Was der SPD wie eine echte Alternative scheint, stößt bei der Union jedoch auf wenig Begeisterung.
          Hemmungslose Bereicherung? Grasser und Plech im Gerichtssaal

          FPÖ-Schmiergeldaffäre : Wo woar mei Leistung?

          Einst galt Karl-Heinz Grasser als schillernde Gestalt der FPÖ. Nun wird dem Politiker vorgeworfen, systematisch an der Einwerbung von Schmiergeldern beteiligt gewesen zu sein.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.