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Arbeitsmarkt Über den Daumen gepeilt

01.02.2005 ·  Die Statistiker in der Bundesagentur für Arbeit haben in den vergangenen Wochen unter Hochdruck gearbeitet. Die Arbeitslosenzahl können sie vorerst trotzdem nur schätzen.

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Die Statistiker in der Bundesagentur für Arbeit (BA) haben in den vergangenen Wochen unter Hochdruck gearbeitet. Zum ersten Mal weist die Behörde an diesem Mittwoch die Zahl der Empfänger des neuen Arbeitslosengeldes II aus. Politisch brisant wird die Veröffentlichung, weil dadurch die hohe Arbeitslosenzahl noch weiter in die Höhe getrieben wird und der Fünf-Millionen-Marke zumindest nahekommt.

Klarheit bis auf die letzte Kommastelle ist indes nicht zu erwarten. "Wir sind auf Schätzungen angewiesen", stöhnt ein Wissenschaftler im Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB). Nicht nur die Daten aus den Arbeitsagenturen müssen in Nürnberg zusammengefaßt werden. Hinzu kommen die Zahlen von den optierenden Kommunen über die bisherigen erwerbsfähigen Sozialhilfeempfänger, die sich mit der Einführung des Arbeitslosengeldes II erstmals arbeitslos melden müssen.

Ein-Euro-Jobs werfen Fragen auf

Dabei hakt es nicht nur an unterschiedlichen Computersystemen, die ein Überspielen per Tastendruck unmöglich machen. Unklar ist zudem, wie viele der Sozialhilfeempfänger tatsächlich als erwerbsfähig einzustufen sind und damit nach dem Sozialgesetzbuch II zu den Arbeitslosengeld-II-Empfängern gehören. In der Vergangenheit hat es Spekulationen gegeben, daß die BA die von den Kommunen gemeldeten Zahlen erheblich nach unten korrigiert haben muß. Darüber hinaus haben einige Kommunen schon im Dezember ihre Sozialhilfeempfänger als arbeitslos gemeldet - wie viele, ist unklar.

Manche Änderungen durch Hartz IV führen auch zu gegenläufigen Effekten und drücken die Arbeitslosenzahl. So dürften einige frühere Arbeitslosenhilfebezieher aus der Nürnberger Statistik herausfallen, weil sie sich nicht mehr als arbeitslos melden. Auch die neuen Ein-Euro-Jobs werfen Fragen auf. Wenn Arbeitslose einen Ein-Euro-Job annehmen und mehr als 15 Stunden in der Woche arbeiten, gelten sie nicht mehr als arbeitslos. Ende Dezember zählte die BA rund 75.000 Arbeitsgelegenheiten.

"Die Zahl nicht zu ernst nehmen"

Bankvolkswirte rechnen für den Januar damit, daß die Zahl der Arbeitslosen noch knapp unter der Fünf-Millionen-Marke liegen wird. "Die Ungewißheit ist allerdings sehr hoch", sagt Harald Jörg von der Dresdner Bank. Im Dezember bilanzierte die BA 4,46 Millionen Menschen ohne Arbeit. Der voraussichtliche Zuwachs allein wegen der Hartz-IV-Reform könnte zwischen 150.000 und 400.000 liegen. Verläßlichere Daten seien erst in den kommenden Monaten zu erwarten.

Die Volkswirte der DZ Bank erwarten, daß 250.000 ehemalige Sozialhilfeempfänger zur Schar der von Nürnberg gemeldeten Arbeitslosen hinzustoßen werden. Außerdem steige die Zahl aufgrund der kalten Witterung um weitere 275.000, so daß sich eine Gesamtzahl von 4,98 Millionen ergeben dürfte. Andere Ökonomen warnen, die Januar-Daten auf Grund der statistischen Verzerrung durch die Hartz-IV-Reform überzubewerten. "Die Zahl darf man nicht zu ernst nehmen", sagt Peter Meister von der BHF-Bank. Angesichts der konjunkturellen Lage liege die Arbeitslosenzahl aber immer noch am oberen Rand. Die Bank rechnet bei fünf Millionen Erwerbslosen mit einer Arbeitslosenquote von 12 Prozent.

Quelle: clb., Frankfurter Allgemeine Zeitung, 02.02.2005, Nr. 27 / Seite 12
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