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Arbeitsmarkt Rettet die Zeitarbeit

02.03.2008 ·  Mehr als 8000 Stellen will der Autobauer BMW abbauen. Die meisten davon, rund 5000, betreffen Leiharbeiter von Zeitarbeitsfirmen. Doch auch wenn Gewerkschafter und mancher Sozialdemokrat jetzt anderes behaupten: Zeitarbeit ist kein Teufelszeug.

Von Carsten Germis
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Mehr als 8000 Stellen will der Autobauer BMW abbauen. Die meisten davon, rund 5000, betreffen Leiharbeiter von Zeitarbeitsfirmen. Die Gewerkschaften nutzen die Empörung über die Jobverluste jetzt zum Generalangriff auf die Zeitarbeit als solche. Es stimmt: Wenn Unternehmen weniger Arbeit haben, streichen sie zuerst die Aufträge an Leiharbeitsfirmen. Aber ist die Zeitarbeit deswegen das Teufelszeug, zu dem Gewerkschafter und mancher Sozialdemokrat sie jetzt machen?

Nein. Die Zeitarbeit hat sich im Aufschwung als eine hilfreiche Brücke erwiesen, über die viele Arbeitslose den Weg zurück in Beschäftigung gefunden haben. Fast 800 000 Beschäftigte haben die Zeitarbeitsfirmen in Deutschland mittlerweile. 60 Prozent von ihnen waren vorher arbeitslos, 14 Prozent waren sogar länger als zwei Jahre ohne Job. Allein diese Zahlen zeigen, welche Chancen in der Zeitarbeit liegen - gerade für Arbeitslose mit geringer Qualifikation.

Die Flexibilitätsreserve der deutschen Industrie

Zeitarbeiter sind die Flexibilitätsreserve der deutschen Industrie. Die Unternehmen leihen sich Zeitarbeiter aus, wenn es gut läuft und die Auftragsbücher sich füllen. Gerade in der Metallindustrie sind viele von ihnen später in die Stammbelegschaft der Betriebe gewechselt. Wenn es nicht mehr so gut läuft, wenn Unternehmen sich an geänderte Bedingungen anpassen wie jetzt im Fall BMW, werden sie Leiharbeiter auch schnell wieder los. Das starre deutsche Arbeitsrecht, das Kündigungen schwer und teuer macht, ist deswegen der wichtigste Grund für den Erfolg der Zeitarbeitsfirmen.

Ohne die Zeitarbeit wäre der Aufschwung auf dem deutschen Arbeitsmarkt lange nicht so stark gewesen. Wer die Zeitarbeit jetzt abwürgen will, nimmt billigend in Kauf, dass Geringqualifizierte wieder schwerer Arbeitsplätze finden. Will der DGB das wirklich? Für Hunderttausende ist die Zeitarbeit im Aufschwung der erste Schritt in Richtung Festanstellung gewesen. Und diejenigen Zeitarbeiter, von denen BMW sich jetzt trennt, sind nicht arbeitslos - ihr Arbeitgeber bleibt die Zeitarbeitsfirma. Sie bekommen einen Tariflohn. Und viele von denen, die zu BMW entliehen waren, dürften jetzt wegen ihrer beruflichen Qualifikation von anderen Unternehmen angefordert werden.

Die Geschichte des Post-Mindestlohns wiederholt sich

Der spektakuläre Stellenabbau dieser Woche sollte nicht den Blick dafür verstellen, dass die Nachfrage nach Fachkräften nach wie vor groß ist. Die Betriebe stellen noch immer ein. Die Arbeitslosigkeit geht damit weiter zurück. Übrigens auch dank der Flexibilität, die das Zeitarbeitswesen bietet.

Arbeitsminister Olaf Scholz und die Sozialdemokraten wollen der Branche jetzt dennoch das Leben schwermachen. Eines ihrer Folterinstrumente ist ein einheitlicher Mindestlohn. Welchen Sinn hat der überhaupt für eine Branche, in der 100 Prozent der Beschäftigten einen Tariflohn bekommen?

Bei vielen kleineren Zeitarbeitsfirmen sind die christlichen Gewerkschaften stark. Die Tariflöhne, die sie ausgehandelt haben, liegen häufig unter denen, die der DGB mit den Marktführern vereinbart hat. Die Rechnung ist einfach: Wenn Scholz die höheren Tarife für allgemeinverbindlich erklärt, geraten die kleineren Zeitarbeitsfirmen unter Druck. Die Geschichte des Post-Mindestlohns wiederholt sich: Die Großen zwingen ihren Tarif allen auf. Und die unliebsame Konkurrenz wird vom Markt gefegt.

Die Zeche zahlen am Ende die Zeitarbeiter. Die wenigsten dürften einen besser bezahlten Job bekommen, wenn ihre Firma aufgeben muss. Am Ende dieser Politik steht für immer mehr Zeitarbeiter nur der Weg zur Arbeitsagentur.

Quelle: Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung, 02.03.2008, Nr. 9 / Seite 38
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Jahrgang 1959, Wirtschaftskorrespondent für Japan mit Sitz in Tokio.

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