Home
http://www.faz.net/-gqe-12n6u
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, BERTHOLD KOHLER, GÜNTHER NONNENMACHER, FRANK SCHIRRMACHER, HOLGER STELTZNER

Arbeitsmarkt Mehr als 300.000 offene Stellen in der Rezession

14.05.2009 ·  Auch in konjunkturell schlechten Zeiten besetzen Unternehmen offene Stellen. Vor allem Verkäufer, Altenpfleger, Sozialarbeiter und Erzieher werden gesucht. Die meisten Stellenangebote finden sich in den Großstädten.

Von Sven Astheimer
Artikel Bilder (2) Lesermeinungen (9)

In der Rezession sinkt der Bedarf an Arbeitskräften, die Zahl der Arbeitslosen steigt. Im kommenden Jahr könnte in einzelnen Monaten sogar wieder die Marke von 5 Millionen Arbeitslosen überschritten werden. Das sehen die Prognosen der Bundesregierung und der Wirtschaftsforschungsinstitute vor. Bei solchen Betrachtungen handelt es sich allerdings nur um statische Momentaufnahmen, die den Stand zum Zeitpunkt des Zählvorgangs wiedergeben. Auch in konjunkturell schlechten Zeiten besetzen Unternehmen offene Stellen und melden sich Menschen aus der Arbeitslosigkeit ab.

Im Gegensatz zu den Aufschwungphasen überwiegen nun zwar im Saldo die Zugänge in die Arbeitslosigkeit, doch waren der Bundesagentur für Arbeit im April bei 3,59 Millionen Arbeitslosen immer noch rund 307.000 Angebote zur Besetzung gemeldet. Das sind allerdings 23 Prozent weniger als vor einem Jahr. Dabei wurden im Lauf des Monats 192.000 offene Stellen neu angemeldet, 202.000 Stellen dagegen abgemeldet. Das bedeute auch in der Wirtschaftskrise immer noch einen verhältnismäßig hohen Umschlag des Stellenbestandes, heißt es im Monatsbericht der Behörde.

In Hamburg die meisten offenen Stellen

Am häufigsten wurden Verkäufer und Warenkaufleute (22.000) gesucht, Altenpfleger, Sozialarbeiter, Erzieherinnen (21.000), Krankenschwestern und Masseure (19.000). Für Elektriker und Bürokräfte lagen jeweils 16.000 Angebote vor. 9000 Arbeitsplatzbeschreibungen waren direkt an Ingenieure gerichtet.

Unter den Ballungszentren wies Hamburg mit knapp 15.000 offenen Stellen das größte Angebot auf. In der Hansestadt wurden vor allem Beschäftigte für Dienstleistungsbranchen gesucht und fast 900 Hilfsarbeiter. Auch in Berlin waren viele Angebote an Bürokräfte oder Pflegekräfte gerichtet. Trotz Finanzkrise blieben am Bankenplatz Frankfurt mehr als 300 Stellen für Bankkaufleute unbesetzt.

Misst man die Zahl der offenen Stellen an den sozialversicherungspflichtig Beschäftigten einer Region, ergibt sich ein Gefälle zwischen Nord- und Süddeutschland. Allerdings schneiden diesmal viele Gebiete in den bisher erfolgsverwöhnten Vollbeschäftigungsbundesländern Baden-Württemberg und vor allem Bayern schlechter ab als Regionen im Osten oder Norden der Republik. Auch für das bevölkerungsreiche Nordrhein-Westfalen, das wie die südlichen Bundesländer eine teilweise stark industriell geprägte Wirtschaftsstruktur aufweist, ergeben sich mit wenigen Ausnahmen verhältnismäßig schlechte Werte.

Indiz für die Knappheit von Arbeitskräften

Bei allen untersuchten Offerten handelte es sich um Arbeitsplätze, die nicht durch staatliche Mittel gefördert wurden. Die Bundesagentur für Arbeit geht auf Grund von Unternehmensbefragungen davon aus, damit jede zweite offene Stelle in Deutschland zu kennen. Vor allem wenn es um die Suche nach Mitarbeitern mit speziellen Fachkenntnissen oder für hohe Führungspositionen geht, wählen viele Personalentscheider eher diskrete Suchwege, zum Beispiel durch Headhunter oder Personalvermittler.

Rund ein Drittel der untersuchten Stellen waren innerhalb eines Monats zu besetzen; der größte Teil (39 Prozent) in einem Zeitraum zwischen einem und drei Monaten, weitere 14 Prozent zwischen einem Viertel- und einem halben Jahr und die restlichen 15 Prozent frühestens nach sechs Monaten. Als Indiz für die Knappheit von Arbeitskräften gilt die Zeitspanne, die zwischen der Ausschreibung einer Stelle und ihrer Besetzung lag. Diese Vakanzzeit betrug im April 64 Tage, das waren fünf Tage mehr als ein Jahr zuvor. Saisonbereinigt hat sie gegenüber den Vormonaten abgenommen.

  Weitersagen Kommentieren Merken Drucken
Weitersagen

Jahrgang 1972, Redakteur in der Wirtschaft, zuständig für „Beruf und Chance“.

Jüngste Beiträge

Die Förderlücke

Von Heike Göbel

Der Gesetzentwurf zum Betreuungsgeld ist ein Ausweis unbelehrbaren Glaubens an die unbegrenzte Leistungsfähigkeit des Sozialstaates. Dass Eltern ihre Kinder, wie seit Menschengedenken, unbezahlt hüten, ist in Deutschland offenbar nicht mehr denkbar. Mehr 8 7

29.05.2012 17:45 Uhr
  Vortag
Dax 6.396,84 +1,16%
 OK
NameKursProzent
FAZ-INDEX 1.394,15 +1,26%
Dow Jones 12.580,70 +1,01%
EUR/USD 1,2481 −0,06%
Rohöl Brent Crude 106,85 $ −0,38%
Gold 1.579,50 $ +0,31%
Umfrage

Anonym bewerben? Ist das gut?

Alle Umfragen

Bitte aktivieren Sie ihre Cookies.