Home
http://www.faz.net/-gqe-welb
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, BERTHOLD KOHLER, GÜNTHER NONNENMACHER, FRANK SCHIRRMACHER, HOLGER STELTZNER

Arbeitsmarkt Auf Ingenieursfang

09.03.2008 ·  Die Bahnindustrie will ihr Image aufpolieren: Schüler und junge Ingenieure sollen die Bahn ebenso cool finden wie die Automobilindustrie. Trotz niedrigerer Einstiegsgehälter hat die Branche ihren Reiz, denn die Aufstiegchancen sind größer als bei den großen Unternehmen.

Von Christian Geinitz
Artikel Lesermeinungen (0)

Junge Mädchen zwängen sich in enge Blaumänner und machen sich mit Werkzeugen an einer imposanten Lokomotive zu schaffen. Mit der fahren sie viel bestaunt zu einer Diskothek. Die fiktive Filmszene ist Teil einer Imagekampagne, mit der die Bahnindustrie in Oberstufenklassen für Nachwuchskräfte werben will, etwa im Online-Filmportal Youtube. Frischer Wind ist nötig, denn von den 48.000 freien Ingenieursstellen in Deutschland entfallen nach Angaben des Branchenverbands VDB rund 1200 Vakanzen auf die Bahnindustrie.

Eine Umfrage ergab, dass drei Viertel der Unternehmen Schwierigkeiten mit der Besetzung ihrer Stellen haben, 60 Prozent erhalten so gut wie keine Initiativbewerbungen. „Das ist ein Trauerspiel für unsere eigentlich sehr attraktive Branche“, sagt Ronald Pörner, Geschäftsführer des Verbands der Bahnindustrie in Deutschland (VDB). „Wir haben ein Imageproblem und müssen den jungen Leuten zeigen, dass die Bahnindustrie mindestens genauso cool ist wie die Autoindustrie.“

Trotz geringerer Einstiegslöhne schneller aufsteigen

Für die zweite Jahreshälfte kündigt Pörner deshalb eine Rekrutierungsoffensive an, die sich an Schüler, vor allem aber an Elektrotechniker oder Maschinenbauer im Hauptstudium richtet. Geplant sind Hochschulbesuche sowie Praktikanten- und Stellenbörsen auf den Internetseiten des VDB und der Hochschulen, um besonders für die mittelständischen Arbeitgeber zu werben. Die leiden nicht nur darunter, dass die Bahnindustrie weniger ansprechend daherkommt als der Kraftfahrzeug- oder Flugzeugbau. Ihnen machen auch die hohen Gehaltserwartungen der Hochschulabgänger zu schaffen. Das gewünschte Einstiegsentgelt von durchschnittlich 48.000 Euro im Jahr könnten vielleicht die Großen wie Bombardier, Siemens oder Alstom aufbringen, sagt Pörner, nicht aber kleine Firmen, zumal in den neuen Ländern.

Man müsse deshalb den Absolventen klarmachen, dass sie in der Bahnindustrie trotz geringerer Einstiegslöhne schneller aufsteigen könnten als in vielen verwandten Wirtschaftszweigen. Als Projektmanager übernähmen sie schon früh Personal- und Budgetverantwortung und seien - in einem internationalen Ambiente - sowohl kaufmännisch wie technisch gefordert.

Mehr Beschäftigte

Angetrieben von der guten Konjunktur, sucht die Bahnindustrie nicht nur händeringend Hochschulabsolventen, sondern nach Jahren der Zurückhaltung auch wieder Facharbeiter. Pörner zeigt sich zuversichtlich, dass die Branche 2007 die Zahl von 40.000 Direktbeschäftigten erreicht hat, nach 38.400 Mitarbeitern im Jahr zuvor. Diese Beobachtung deckt sich mit den Umfragen des Hamburger Beratungsunternehmens SCI Verkehr, das sich auf die Bahnindustrie spezialisiert hat. In seinem letzten „Branchenbarometer Bahn“ im November stellte SCI einen Anstieg der Beschäftigung fest, der sich verfestigt habe. Mehr als 40 Prozent der Unternehmen wollten innerhalb von sechs Monaten Mitarbeiter einstellen. Mit etwas Glück kann die deutsche Bahnindustrie damit vielleicht sogar ihren Spitzenwert von 2003 mit etwa 40.600 Mitarbeitern übertreffen.

Quelle: F.A.Z., 10.03.2008, Nr. 59 / Seite 21
Hier können Sie die Rechte an diesem Artikel erwerben

  Weitersagen Kommentieren Merken Drucken
Weitersagen

Jahrgang 1968, Wirtschaftskorrespondent für China mit Sitz in Peking.

Jüngste Beiträge

Die Förderlücke

Von Heike Göbel

Der Gesetzentwurf zum Betreuungsgeld ist ein Ausweis unbelehrbaren Glaubens an die unbegrenzte Leistungsfähigkeit des Sozialstaates. Dass Eltern ihre Kinder, wie seit Menschengedenken, unbezahlt hüten, ist in Deutschland offenbar nicht mehr denkbar. Mehr 8 7

29.05.2012 17:45 Uhr
  Vortag
Dax 6.396,84 +1,16%
 OK
NameKursProzent
FAZ-INDEX 1.394,15 +1,26%
Dow Jones 12.580,70 +1,01%
EUR/USD 1,2481 −0,06%
Rohöl Brent Crude 106,85 $ −0,38%
Gold 1.579,50 $ +0,31%
Umfrage

Anonym bewerben? Ist das gut?

Alle Umfragen

Bitte aktivieren Sie ihre Cookies.