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Arbeitsmarkt 1,5 Millionen Menschen ohne Berufsausbildung

07.09.2010 ·  Hauptschulabgänger oder Schulabbrecher sind besonders häufig arbeitslos. Aber auch der Realschulabschluss verhilft nicht mehr automatisch zu einem gelungenen Einstieg in den Arbeitsmarkt. Das zeigt eine neue Studie.

Von Sven Astheimer
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In Westdeutschland sind rund 1,5 Millionen jungen Menschen ohne abgeschlossene Berufsausbildung. Etwa jeder Fünfte im Alter zwischen 25 und 34 Jahren fällt in diese Gruppe. Der Großteil davon entfällt auf Hauptschulabsolventen oder Leute ohne Abschluss. Aber auch rund 280 000 Realschüler haben anschließend keine Berufsausbildung absolviert. Dies ergab eine Studie der Bertelsmann-Stiftung und des Wissenschaftszentrums Berlin für Sozialforschung, die dieser Zeitung vorliegt. Die Wissenschaftler werteten dafür Daten aus dem Jahr 2007 aus. Auf einen Ost-West-Vergleich wurde den Angaben zufolge wegen gravierender Unterschiede der Arbeitsmärkte verzichtet.

Wer keine Berufsausbildung oder kein Abitur hat, auch das macht die Studie deutlich, trägt wiederum ein deutlich höheres Risiko, arbeitslos zu werden. Von den Realschulabgängern ohne Lehre waren 2007 knapp 23 Prozent ohne Arbeit, unter den Hauptschulabgängern ohne Ausbildung waren es sogar 25 Prozent. Von den Hauptschülern, die anschließend eine Lehrstelle fanden, mussten dagegen nur noch 9 Prozent den Gang zur Arbeitsagentur antreten.

„Voraussetzung für die Teilhabe am Arbeitsmarkt ist heute eine erfolgreich abgeschlossene Berufsausbildung oder ein Abitur“, kommentierte Jörg Dräger, Vorstandsmitglied der Stiftung, die Ergebnisse der Untersuchung. Daher müsse jedes Kind so gefördert werden, dass es seine Talente „unabhängig von seiner sozialen oder ethnischen Herkunft bestmöglich entwickeln kann“. Dräger plädierte ebenso dafür, neben dem dualen Ausbildungssystem alternative Formen zu entwickeln und „Nachqualifizierungsangebote“ für die 1,5 Millionen Altfälle zu machen.

Arbeitsmarkt- und Bildungsexperten weisen schon seit geraumer Zeit auf den engen Zusammenhang zwischen der Qualität von Bildungsabschlüssen und dem Risiko von Erwerbslosigkeit hin. Dennoch haben laut Bundesbildungsbericht im vergangenen Jahr rund 65.000 junge Menschen das Bildungssystem ohne jeglichen Abschluss verlassen. Damit sind viele für eine Lehre kaum zu vermitteln.

Das Handwerk rechnet mit 10.000 unbesetzten Lehrstellen

Um diese Defizite zu beheben, muss häufig der Staat einspringen. Die Bundesagentur für Arbeit zählte allein im vergangenen Jahr rund 105.000 Teilnehmer in berufsvorbereitenden Maßnahmen, etwa um den Hauptschulabschluss nachzuholen, und knapp 32.000 Einstiegsqualifizierungen. Dafür gab die Behörde insgesamt fast 600 Millionen Euro aus. Aber auch die Unternehmen qualifizieren Bewerber immer häufiger auf eigene Kosten nach, weil es ihnen andere Bewerber fehlen. Der Grund dafür liegt vor allem am demographischen Umbruch. Im Osten Deutschlands ist der Geburtenrückgang schon deutlich am Ausbildungsmarkt zu spüren.

Zwar gab es nach Angaben der Arbeitsagentur auch im jüngst zu Ende gegangen Ausbildungsjahr wieder mehr Bewerber als Lehrstellenangebote. Im August betrug die rechnerische Lücke rund 27.000. Sie war jedoch deutlich kleiner als im Vorjahr (42.000). In den kommenden Jahren wird sich dieser Trend fortsetzen, Lehrstellen werden häufiger unbesetzt bleiben. Das Handwerk rechnet in diesem Jahr schon damit, dass rund 10.000 Kandidaten fehlen.

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