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: Arbeitslos und Spaß dabei

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Hier kommt die gute Nachricht für alle, die arbeiten: Einen Job zu haben steigert die Lebenszufriedenheit. Und zwar beträchtlich und dauerhaft. Wenn man Menschen fragt: "Alles zusammengenommen, wie zufrieden sind Sie mit Ihrem Leben ...

          Hier kommt die gute Nachricht für alle, die arbeiten: Einen Job zu haben steigert die Lebenszufriedenheit. Und zwar beträchtlich und dauerhaft. Wenn man Menschen fragt: "Alles zusammengenommen, wie zufrieden sind Sie mit Ihrem Leben als Ganzem zurzeit?", dann zeigen Arbeitslose eine deutlich geringere Zufriedenheit als Menschen mit Job. Dies gilt auch noch, wenn man den Effekt des Einkommens, das ja bei den Arbeitslosen in der Regel niedriger ist, herausrechnet. Arbeitslosigkeit führt zu einem Unglückseffekt, der lange anhält. Während Menschen sich etwa an die Nachteile einer leichten Behinderung oder die Vorteile der Ehe nach einiger Zeit gewöhnen, hinterlässt Arbeitslosigkeit offenbar ein dauerhaftes Gefühl, unzulänglich zu sein.

          Doch jetzt kommt die schlechte Nachricht für alle, die arbeiten: Arbeit macht selten glücklich, während man sie verrichtet. Das haben die Ökonomen Andreas Knabe, Steffen Rätzel, Ronnie Schöb und Joachim Weimann von der Freien Universität Berlin und der Otto-von-Guericke-Universität in Magdeburg herausgefunden. Sie befragten 348 Arbeitslose und 366 Vollzeitbeschäftigte. Und zwar nicht nur nach ihrer generellen Zufriedenheit mit dem Leben. Sie ließen außerdem eine Art Tagebuch des vergangenen Tages erstellen und jeweils die Gefühle während jeder der über den Tag verteilten Aktivitäten einschätzen. Dabei ging es etwa darum, wie "entspannt", "glücklich", "gestresst", "lethargisch" oder "genervt" sich die Personen im jeweiligen Augenblick fühlten.

          Aus diesen Beschreibungen bildeten die Ökonomen Mittelwerte für die verschiedenen Aktivitäten. Und siehe da: Arbeiten gehörte zu den Dingen, die für das geringste Vergnügen sorgten. Je nach Berechnungsmethode war es entweder die Aktivität, die am wenigsten Glücksgefühle auslöste, oder sie wurde nur noch übertroffen vom Frust über Hausarbeit, Jobsuche sowie Einkaufen und Pendeln. Alle anderen Aktivitäten wie fernsehen, spazieren gehen, die Kinder betreuen, am Computer spielen, Essen oder Bildung sorgten für bessere Stimmung. Das ist insbesondere deshalb eine schlechte Nachricht, weil die Arbeit bei den befragten Menschen mit Job jene Aktivität war, die mit Abstand die meiste Zeit beanspruchte.

          Es ist paradox: Eine Arbeit zu haben gehört zu den Dingen, die Menschen offenbar dauerhaft zufrieden mit ihrem Leben machen. Doch diese Arbeit auszuüben, macht sie unzufrieden. Das zeigt, wie kompliziert die Messung des Glücks ist - und dass es keinesfalls so einfach ist, das Glück der Menschen zum wichtigsten Ziel der Politik zu machen. Denn dann stellt sich die Frage: Wie soll man es messen? Zählt die Zufriedenheit im Moment oder die allgemeine Lebenszufriedenheit? Oder zählt womöglich sogar die Zufriedenheit im Rückblick auf Ereignisse, die schon lange vergangen sind? Studien haben schließlich bewiesen, dass es einen großen Unterschied gibt zwischen etwa der Freude, die man während einer Urlaubsreise empfindet, und der rückblickenden Antwort auf die Frage: Wie war der Urlaub? Die Erinnerung verzerrt das Glücksgefühl.

          Doch zurück zu den Arbeitslosen. Ihre Unzufriedenheit zeigt sich sowohl, wenn man sie generell nach ihrem Leben befragt, als auch im Moment der Verrichtung bestimmter Tätigkeiten. So berichten sie bei beinahe allen Tätigkeiten des Tages von weniger positiven Gefühlen als die Menschen mit Arbeit bei den gleichen Aktivitäten. (Eine interessante Ausnahme ist die Kinderbetreuung, die Arbeitslosen offenbar mehr Spaß bereitet als Menschen mit Job.) Das ist der "Betrübungseffekt" der Arbeitslosigkeit.

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