http://www.faz.net/-gqe-8oq1s

Arbeitgeberverband : „Vorbildung der Flüchtlinge ist schlechter, als wir gehofft hatten“

  • Aktualisiert am

Flüchtlinge bei einem simulierten Bewerbungsgespräch in Hannover: Das größte Hindernis bei der Integration sieht Braun in fehlenden Sprachkenntnissen. Bild: dpa

Der Arbeitgeberverband warnt vor zu großem Optimismus, was die Integration von Flüchtlingen in den Arbeitsmarkt angeht. Er will das Beschäftigungsverbot in der Zeitarbeit komplett aufheben - und hat noch mehr Ideen.

          Die Integration von Flüchtlingen in den Arbeitsmarkt läuft nach Einschätzung des Arbeitgeberverbands BDA schwieriger als erwartet. „Die Vorbildung der Flüchtlinge ist vielfach deutlich schlechter, als wir gehofft hatten“, sagte BDA-Vizepräsident Gerhard Braun.

          „Dies ist ein langwieriger Prozess. Wer davon träumt, dass nach einem Jahr Hunderttausende schon in Beschäftigung sind, kennt die Zusammenhänge nicht.“ Die Flüchtlinge kämen leichter in Berufen unter, in denen Sprachkenntnisse und berufliche Vorbildung weniger wichtig seien. „Als Dachdecker und Maurer braucht man nicht so perfekt Deutsch sprechen zu können wie beispielsweise in der Chemieindustrie.“

          Im November waren rund 120.000 Menschen aus außereuropäischen Asyl-Herkunftsländern in Beschäftigung, 34.000 mehr als ein Jahr vorher, berichtet der Deutsche Industrie- und Handelskammertag (DIHK). Mehrere Wirtschaftsverbände haben Aktionsprogramme gestartet, um Flüchtlinge als Azubis und Arbeitskräfte zu gewinnen.

          Gerhard Braun
          Gerhard Braun : Bild: dpa

          Der BDA-Vizechef forderte flexible Regelungen, damit Flüchtlinge schneller in Jobs kommen. „Ein großes Problem ist, junge Männer davon zu überzeugen, eine dreijährige Ausbildung zu machen. Um das Problem zu lösen, müssen wir darüber nachdenken, Teilqualifikation anzubieten – immer noch besser als gar keine Qualifikation“, sagte Braun, der den rheinland-pfälzischen Unternehmerverband LVU leitet. „Da sind wir gerade in intensiven Diskussionen unter anderem mit den Gewerkschaften.“ Er verlangte auch, das Beschäftigungsverbot in der Zeitarbeit komplett aufzuheben. „Es ist das beste Instrument, um Gruppen mit geringer Qualifikation in Arbeit zu bringen.“

          Braun leitet im Wirtschaftsdialog B20 – parallel zur G20 – die Arbeitsgruppe Bildung. Deutschland hat 2017 den Vorsitz der Gruppe der 20 wichtigsten Industrie- und Schwellenländer. Die B20-Gruppe strebt nach Brauns Angaben an, die duale Ausbildung aus Deutschland auf andere Länder zu übertragen. „Gerade in den südeuropäischen Ländern ist die Jugendarbeitslosigkeit enorm hoch“, sagte der BDA-Vizepräsident. „Es ist aber unheimlich schwer, das deutsche Ausbildungssystem eins zu eins ins Ausland zu übertragen. Man darf nicht davon träumen, dass mit Einführung der dualen Ausbildung morgen schon die Jugendarbeitslosigkeit signifikant reduziert werden kann.“

          BDI, BDA und DIHK wollen für B20 bis zu einer Konferenz am 21. März in Paris Empfehlungen für die Bundesregierung erarbeiten. Ein Arbeitspapier benennt die Ziele: offene Arbeitsmärkte schaffen, mit Bildung Technologiewandel fördern und für fairen Wettbewerb sorgen.

          Nur 6500 Ein-Euro-Jobs genehmigt

          Nach Meinung des Chefs der Bundesagentur für Arbeit, Frank-Jürgen Weise, sollten Städte und Gemeinden mehr Flüchtlinge als Ein-Euro-Jobber beschäftigen. Er hoffe, dass die Kommunen ein vom Bund gefördertes entsprechendes Programm bald stärker nutzten, sagte Weise. Mit dem Programm sollen Flüchtlinge bereits während ihres Asylverfahrens erste Job-Erfahrungen sammeln können.

          Von den 100.000 bereitgestellten Ein-Euro-Jobs seien bis zum 25. November lediglich 6500 genehmigt gewesen. „Gemessen an den Antragszahlen dürften es bis zum Jahresende etwa 10.000 sein“, sagte Weise. Die Bundesagentur verwaltet die Vergabe der Ein-Euro-Jobs. Bereitgestellt werden müssten die Jobs aber von den Städten und Gemeinden. Der Bund übernimmt die Kosten dafür.

          Quelle: hade./dpa

          Weitere Themen

          Der Hörsaal-Roboter Video-Seite öffnen

          „Pepper“ : Der Hörsaal-Roboter

          An der Philipps-Universität in Marburg nimmt ein Roboter den Platz des Dozenten ein. Die Studierenden stört das nicht.

          Flughafen erzwingt Zwischenstopp Video-Seite öffnen

          Air Berlin : Flughafen erzwingt Zwischenstopp

          Eine Maschine der insolventen Fluglinie musste auf dem isländischen Flughafen Keflavik am Boden bleiben. Die Flughafengesellschaft teilte mit, Air Berlin habe Flughafengebühren nicht bezahlt.

          Topmeldungen

          Bundestagsvizepräsident : Der Problem-Kandidat

          Wenn der Bundestag an diesem Dienstag seine Vizepräsidenten wählt, könnte es zum Eklat kommen. Dass der AfD-Kandidat Albrecht Glaser scheitert, gilt als sicher – aber was geschieht dann?
          Facebook-Post von Hildmann: „Ein Bild mit einer Pumpgun beim Sportschießen ist noch lange keine Gewaltandrohung“, sagt er.

          Vegan-Koch Attila Hildmann : „Wir werden ja sehen, ob ich ausraste“

          Der Vegan-Koch Attila Hildmann schreibt, dass er einer kritischen Journalistin gerne Pommes „in die Visage gestopft“ hätte. Dann lädt er sie und ihre Kollegen zum Essen ein – dazu stellt er ein Foto, das ihn mit Schusswaffe zeigt. Was soll das?

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.