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Arbeitgeber : Die Stunde der Agenten

  • -Aktualisiert am

Gute Kinderbetreuung lohnt sich für den Arbeitgeber Bild: picture-alliance/ dpa/dpaweb

Arbeitgeber beauftragen Agenturen, Kinderbetreuung zu organisieren. Das Geschäft boomt. Auch für die Unternehmen zahlen sich familienfreundliche Angebote an die Arbeitnehmer aus.

          Fast auf den Tag genau zehn Jahre ist es her, daß Rema Fischer-Bremen in Essen die Firma KinderHut gegründet hat. Zuvor hatte die Sozialarbeiterin jahrelang in Verbänden Lobbyarbeit für alleinerziehende Eltern gemacht und dort erlebt, „daß die politische Situation eher schlechter wird“. Ihr Anliegen daher: Die Unternehmen sollten Verantwortung für die Kinderbetreuung übernehmen.

          Als Fischer-Bremen damals im Auftrag von Firmen damit begann, für deren Mitarbeiter qualifizierte Tagesmütter und Betreuungsplätze zu suchen, war sie allein. Inzwischen hat sie nicht nur ihr Angebot erweitert, sondern auch die Zahl ihrer Mitarbeiter. 25 sind es derzeit und noch im nächsten Jahr werden weitere 35 hinzukommen.

          Immer mehr Frauen in Führungspositionen

          „Der Bedarf an qualifizierter Unterstützung in Sachen Vereinbarkeit von Familie und Beruf steigt“, das ist auch die Einschätzung von Gertraudt Heith, stellvertretende Leiterin beim Familienservice in München. 1991 war der Familienservice die erste Agentur, die in Deutschland auf Firmen zugeschnittene Lösungen entwickelte. Inzwischen unterhält er Filialen in zwölf großen Städten.

          Den Grund, warum Firmen sich an Work-Life-Balance-Agenturen wenden, beschreibt Anika Engelmann vom Work & Life Service des Kasseler Erdöl- und Erdgasproduzenten Wintershall kurz und prägnant: „Das öffentliche Angebot ist unzureichend, und wir haben einfach nicht das richtige Know-how.“ Gleichzeitig aber, so die Erfahrung von Achim Stams, Personalmanager bei E-Plus in Düsseldorf, gibt es immer mehr qualifizierte Frauen in Führungspositionen, auf die ein Unternehmen nicht drei Jahre verzichten will. E-Plus hat darum im letzten Jahr mit Hilfe von KinderHut eine Betriebskrippe eröffnet. Einen Platz bekommt dort nur, wer während der Betreuungszeit arbeitet. Dafür ist es aber möglich, sich Plätze zu teilen, und die Öffnungszeiten liegen weit über denen normaler Einrichtungen.

          Firmen und Eltern teilen sich laufende Kosten

          „Firmen brauchen flexible Lösungen“, weiß Oliver Strube, Geschäftsführer der Agentur Impuls Soziales Management in Kassel. Und damit sind nicht nur längere Öffnungszeiten gemeint, sondern vor allem auch mobile Tagesmütter für kranke Kinder, Babysitter für kurzfristig anberaumte Termine und Ferienbetreuungen für Schulkinder.

          Wie KinderHut und Familienservice hat Impuls eigene Kindertagesstätten aus der Taufe gehoben, deren Service weit über den öffentlicher Anbieter hinausgeht. Die Anschubfinanzierung wird zumeist von Firmen übernommen, die laufenden Kosten später von Firmen und Eltern geteilt. Ein Konzept, von dem dann auch kleinere Unternehmen profitieren können. Sie buchen einzelne Plätze, deren Nutzung dann je nach Bedarf unter den Mitarbeitern aufgeteilt werden kann.

          Bares Geld für Unternehmen

          Im Kampf um die besten Arbeitskräfte, davon ist Strube überzeugt, wird Familienfreundlichkeit zum wichtigen Faktor werden. Für den Erdöl- und Erdgaslieferanten Wintershall gilt dies schon heute. Dort werden Geologen und Geophysiker gesucht, wie sie überhaupt nur an zwei Unis ausgebildet werden, berichtet Anika Engelmann. „Wenn wir die haben wollen, müssen wir was bieten.“

          Hinzu kommt: Qualifizierte Mitarbeiter während des Mutterschutzes zu ersetzen, kommt ein Unternehmen teuer zu stehen. Wer statt dessen Geld in kinderfreundliche Angebote steckt, so das Ergebnis einer Prognos-Studie, gewinnt sogar bis zu 25 Prozent Rendite. 38. 000Euro pro Mitarbeiter waren es laut dieser Rechnung bei der Wintershall.

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