Home
http://www.faz.net/-gqe-70js2
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, BERTHOLD KOHLER, GÜNTHER NONNENMACHER, FRANK SCHIRRMACHER, HOLGER STELTZNER

Apple-Hausmesse Facebook hört aufs Wort

 ·  Seit der jüngsten Hausmesse ist klar: Apple hat neue Freunde. Und endgültig einen neuen Erzrivalen.

Artikel Bilder (6) Bildergalerie Video (1) Lesermeinungen (3)
© dapd Bühne frei für Tim Cook, den Vorstandsvorsitzenden von Apple.

Apple hat neue Freunde, allen voran Facebook. Während die Zusammenarbeit mit dem alten Partner Google nach den Produktpräsentationen auf der Entwicklungskonferenz am Montag in San Francisco auf einem neuen Tiefpunkt ankam, darf sich das gerade mit viel Tamtam und einigen Enttäuschungen an die Börse gegangene soziale Netzwerk tief in die Funktionalität der Betriebssysteme von Apple integrieren. In Verbindung mit Apples Siri-Software zur Spracherkennung hört Facebook künftig aufs Wort.

Einerseits sollen durch die neue Allianz die Anwenderprogramme aus dem Apple-App-Store leicht über die Internetseite von Facebook abrufbar sein. Andererseits können über Facebook verwaltete Adressbücher, Kontakte und Termine über die Apple-Geräte-Palette hinweg synchronisiert werden. An der Zusammenarbeit sollen die Manager beider Unternehmen ein Jahr gearbeitet haben. Nun loben sie sich selbst. Der Vorstand des sozialen Netzwerks erklärte: „Das sind großartige Nachrichten für Facebook-Nutzer.“ Apple sieht sich abermals als Schrittmacher der Entwicklung.

San Francisco: Die große Apple-Show

Zwar hatte der Vorstandsvorsitzende Tim Cook auf der Hausmesse zum Wochenauftakt nicht die von vielen Analysten erwarteten Überraschungen rund um den seit Jahren entwickelten Apple-Fernseher vorgestellt. Doch mit einer Reihe neuer Computermodelle und Softwareprogramme sandte er auf der großen Bühne ein klares Signal an den einstigen Verbündeten und nun rasch wachsenden Konkurrenten Google: Die Zeiten der engen Zusammenarbeit sind vorbei. Aus Freunden wurden Erzrivalen. „Apple sucht und beschreitet neue Wege, die nichts mehr mit Google zu tun haben“, sagte Benedict Evans von Enders Analysis. „Mit Maps greift es Google vielmehr frontal in einem seiner Kernprodukte an, um es dort dann auch zu schlagen.“

So solle im Herbst eine hauseigene Software für Navigationsdienstleistungen auf den Markt kommen. Colin Gillis, Analyst von BGC Partners, sagte, Apple könne es sich nicht mehr leisten, auf Produkte eines Konkurrenten angewiesen zu sein. Hätte doch Google irgendwann keine Karten mehr zur Verfügung stellen können und die Apple-Nutzer ständen dann auf verlorenen Posten. So beschritt der Vorstand um Cook neue Pfade. Er unterzeichnete neben der Allianz mit Facebook eine Vereinbarung mit der niederländischen Tomtom-Gruppe über Karten- und Informationsdienstleistungen. Das ließ am Tag danach den Kurs der Aktie von Tomtom vorübergehend 14 Prozent ansteigen.

Apple stellt neues MacBook vor

„Das Geschäft mit Apple gibt Tomtom Aufschwung wegen der riesigen Zahl an Bestandskunden von Apple-Produkten und wegen der Marke und allem, wofür sie steht: Innovation, einfache Nutzung und Qualität“, sagte Martijn den Drijver, Analyst von SNS-Securities. Bislang hatte Apple hier ganz auf Google gesetzt.

Der im vergangenen Jahr verstorbene Gründer und einstige Vorstandschef Steve Jobs hatte im Mai 2007 gesagt: „Google Maps ist eine wundervolle Sache.“ Es treffe die Wünsche der Nutzer, laufe zuverlässig und sei leicht zu bedienen. „Warum sollten wir so was selber entwickeln, wenn es schon da ist.“ Es war nicht wirklich eine Frage. Im Juni des gleichen Jahres kam das Modell des internetfähigen Mobiltelefons iPhone auf den Markt. Im April 2010 stellte Apple die ersten Tabletcomputer seiner Hausmarke iPad in die Regale. Das iPhone revolutionierte den Handymark, das iPad den Computermarkt. Das Internet wurde mobil.

Google Maps gab vielen iPhone-Nutzern die Richtung vor. Facebook wurde mit seinem Geschäftsmodell, Hunderte Millionen Computernutzer über das Internet miteinander kommunizieren zu lassen und sie dabei hin und wieder mit Werbung zu berieseln, das, was Apple in den frühen achtziger Jahren mit seinen Computern und Google Ende der neunziger mit seiner Internet-Suchmaschine wurde: Der neue Star der IT-Branche.

Damit er sich nach dem verpatzten Börsendebüt mit fallenden Kursen und undurchsichtigen Handelsverläufen nicht als Sternschnuppe herausstellt, rückt der Facebook-Vorstand um Mark Zuckerberg enger an die alten Trendsetter heran. Erste Schritte machte er bereits vor zwei Jahren. Apple stand ganz oben auf seiner Liste. Doch da saß der einstige Vorstandsvorsitzende von Google, Eric Schmidt, schon nicht mehr im Verwaltungsrat von Apple.

Im August 2009 hatte er sich nach drei Jahren aus dem Gremium verabschiedet. Grund: „Da Google mit Produkten wie Chrom OS und Android mehr und mehr in Geschäftsbereiche vordringt, die zum Kerngeschäft von Apple gehören, ist Erics Effektivität im Board entscheidet eingeschränkt.“ Mit anderen Worten: Schmidt muss gehen, und er ging.

Seitdem liefern sich beide Häuser im Geschäft mit Betriebssystemen, sowie im schnell wachsenden Markt für Cloudcomputing einen harten Wettbewerb. Google beliefert Hersteller flacher Tabletcomputer wie Samsung, Acer oder Asus mit seinem Betriebssystem Android; Apple setzt auf seine hausgemachte Grundlagensoftware iOS. Google dringt mehr und mehr in den Markt für Anwendungsprogramme vor; Apple hat hier eine Schar eigener freier Entwickler, eine Bibliothek mit mittlerweile mehr als 650.000 verschiedenen App-Programmen und eine Kundschaft von 400 Millionen Nutzern in aller Welt. Vernetzung pur.

Auf der Entwicklerkonferenz am Montagabend verglich Scott Forstall, Apples Chef für das iOS-Betriebssystem für mobile Geräte ein ums andere Mal die Programme seines Hauses mit der Android-Software von Google. Über die auch als Vorstandsassistent vorgestellte Spracherkennungssoftware Siri ließ die Führungsriege von Apple mit Bezug auf verschiedene Versionen von Android die Frage in den Saal werfen: „Hey, hat einer von Euch Burschen schon mal mit Ice Cream Sandwich oder Jelly Bean gearbeitet? Wer hat sich eigentlich diese Codenamen ausgedacht: Ben und Jerry?“ Der Saal lachte. Dann packte Apple aus, legte sein Navigationsprogramm auf den Tisch und rief Facebook als neuen Freund aus.

  Weitersagen Kommentieren Merken Drucken
Weitersagen

Jahrgang 1966, Redakteur in der Wirtschaft.

Jüngste Beiträge

Die Grenzen der Geldpolitik

Von Gerald Braunberger

Gerade in Südeuropa sind die kleinen und mittelgroßen Unternehmen wichtig. Dafür, dass sie prosperieren, sind die jeweiligen Regierungen verantwortlich - und nicht die Europäische Zentralbank. Mehr 3 14

Umfrage

Gentests machen Aussagen über das Risiko künftiger Krankheiten. Wollen Sie Ihr Risiko kennen?

Alle Umfragen

Bitte aktivieren Sie ihre Cookies.

Umfrage

Sollen Ein- und Zwei-Cent-Münzen abgeschafft werden?

Alle Umfragen

Bitte aktivieren Sie ihre Cookies.

Wichtigste Werte
Name Wert Änderung
  F.A.Z.-Index --  --
  Dax --  --
  Dow Jones --  --
  Euro in Dollar --  --
  F.A.Z.-Anleih… --  --
  Gold --  --
  Rohöl Brent --  --
  Bund Future --  --
Verbindung zum Datenbankserver konnte nicht hergestellt werden.
Umfrage

Soll die Selbstanzeige für Steuerhinterzieher abgeschafft werden?

Alle Umfragen

Bitte aktivieren Sie ihre Cookies.