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Apple, Google, Facebook & Co. : Kampf um die Datensilos

Google greift Apple und Facebook an. Es geht um die Macht über die Daten - allerdings nicht, um ihren Nutzern zu schaden. Den Konzernen geht es allein ums Geld. Um sehr viel davon.

          Bill Gates hat es immer gewusst. Als sein Softwarekonzern Microsoft der Buhmann der Welt war, hat er stets gesagt, die monopolähnliche Macht von Microsoft sei nur ein vorübergehendes Phänomen. Die Bemühungen der Kartellwächter seien vollkommen überflüssig, der Wettbewerb sei intakt. Jederzeit könnten in der Informationstechnologie neue Unternehmen auf den Plan treten, die Microsoft wieder auf Normalgröße schrumpfen ließen.

          Heute unüberwindlich,  übermorgen irrelevant?

          Gates hat in seinem Leben schon häufig recht behalten. So auch in diesem Fall: Wer heute über die Gefahren der Computerwelt redet, erwähnt den Namen Microsoft nicht mehr. Es geht um Google, Apple, Facebook, um die Verfügungsgewalt über riesige Datensammlungen, um die Freiheit im Internet und um die Frage, wie sehr Staaten auf die Informationstechnologie und ihre Nutzung Einfluss nehmen dürfen. Dass in dieser Hinsicht Länder wie Iran, China oder Saudi-Arabien in der Fokus der Computerwelt geraten könnten, hätte vor fünfzehn Jahren kaum jemand vermutet.

          Das muss man wissen, wenn man heute über die vermeintlichen oder tatsächlichen Bedrohungen durch die großen Datensammler des „Internet 2.0“ im Zeitalter der sozialen Netzwerke oder die Internet-Suchmaschinen wie Google spricht, die Bibliotheken und ganze Straßenzüge digitalisieren, um diese für die Netzsuche zugänglich zu machen: Die Favoriten können schnell wechseln. Ein Unternehmen wie zum Beispiel Facebook mit seinen bald einer Milliarde Nutzern, von denen viele die Website als universellen Datenspeicher für ihr Leben nutzen, kann heute als unüberwindlich erscheinen und übermorgen schon irrelevant sein.

          Kampf mit harten Bandagen

          Das wissen auch Apple, Google und die anderen. Aus diesem Grund kämpfen sie mit harten Bandagen. Und manchmal tun sie das öffentlich, so wie jüngst der Google-Mitbegründer Sergey Brin. Er sieht die Prinzipien des offenen Internets zwar besonders durch autoritäre Staaten bedroht, mit Blick auf das wirtschaftliche Wohlergehen der Internet-Welt aber auch durch die Datensilos der Google-Wettbewerber Facebook und Apple. Das sei beängstigend. Denn diese Silos sind für die Suchmaschine von Google unzugänglich. Umgetrieben werden die Google-Manager wohl auch davon, dass Facebook nur noch eine ernstzunehmende Suchmaschine in sein Angebot integrieren muss, um für Google zu einem richtigen Ärgernis zu werden.

          Was der vom Datenschutz beseelte Europäer, der sich mit Brins Gedanken auseinandersetzt, aber wissen muss: Google und Facebook sind nicht „böse“ Unternehmen. Es geht ihnen nicht darum, die Nutzer auszuspionieren, um diesen zu schaden oder mittels Daten in deren Leben einzugreifen. Sie haben kein eigenes Interesse daran, mit den bei ihnen gespeicherten Daten Staaten oder Sicherheitsbehörden auszuhelfen. Ihnen geht es allein ums Geld. Allerdings um sehr viel davon.

          Der Wert der Daten soll maximiert werden

          Die Daten der Nutzer sind das Produkt von Google, sie sind die Ware, mit denen das Unternehmen gegenüber seinen Werbekunden handelt. So wird bewerkstelligt, dass Werbung den persönlichen Interessen angepasst ist und den Internetnutzern jederzeit folgt. Genauer formuliert: Sie ist schon da, wenn man eine bestimmte Seite im Internet aufruft.

          Facebook steht Google in nichts nach. Die mutmaßliche Börsenbewertung des Unternehmens mit zunächst 100 Milliarden Dollar lässt sich nur rechtfertigen, wenn Facebook zu einer großen Werbemaschine wird. Auch deshalb streiten sich Facebook und Google seit Jahren um den Zugang zu den jeweiligen Nutzerdaten. Mit dem von den Protagonisten gerne beschworenen Kampf um die Freiheit im Internet hat das nur am Rande zu tun. Auch die Google-Nutzungsbedingungen haben sich gerade erst wieder geändert. Das Ziel: Der Wert der Daten soll maximiert werden.

          Es geht Apple und Co. nicht um eine bessere Welt

          Das trifft selbstverständlich auch auf das so beliebte Unternehmen Apple zu. Dank seiner iTunes- und App-Stores sitzt es auf dem wohl größten Schatz aktueller Kreditkartendaten und kann diese mit einer Datensammlung über das Medienkonsumverhalten der Nutzer verbinden. Schon deshalb hat Apple die besten Chancen, zum Platzhirsch im Wohnzimmer zu werden, wenn der neue Apple-Fernseher tatsächlich auf den Markt kommt.

          Was folgt daraus für den Nutzer von Apple, Google, Facebook & Co.? Wer bei ihnen kauft, surft oder „posted“, weil er sich davon einen persönlichen Nutzen verspricht, sollte seine Daten so gut es geht im Auge behalten. Bei allem, was im Internet geschieht, sollte man sich bewusst sein, welche Art von Geschäft damit betrieben wird und was Behörden auf diesem Weg recherchieren können. Auch regelmäßiges „googeln“ des eigenen Namens hat nichts mit einem Egotrip zu tun, sondern ist unerlässlich, um gegen unliebsame Online-Überraschungen vorgehen zu können. Solche kann es selbst dann geben, wenn man selbst im Internet nicht oder kaum aktiv ist.

          Das ist der Preis für den Nutzen, den Wissenszuwachs, die Bequemlichkeit, die das Internet stiftet. Nur sollte man den Facebooks oder Googles nur nicht glauben, dass es ihnen um eine bessere Welt geht. Das könnte man heutzutage noch eher bei Bill Gates vermuten. Wer hätte das gedacht.

          Carsten Knop

          Chefredakteur digitale Produkte.

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