Ted Turner, Gründer des Nachrichtenkanals CNN und Multimilliardär, zählt zu den schillerndsten Unternehmern der USA. Am Mittwochabend hat er bekannt gegeben, dass er sich als Vize-Chairman des Medienkonzerns AOL Time Warner auf der Hauptversammlung im Mai zurückziehen werde. Turner ist ein scharfer Kritiker der Übernahme von Time Warner durch AOL im Jahr 2001. Er hält 3,4 Prozent an dem Medienkonzern.
Der 64-Jährige will nun nach eigenen Angaben mehr Zeit für sein wohltätiges Engagement haben. Auch wolle er sich mehreren geschäftlichen Aktivitäten mit „sozialem Charakter“ widmen. Offen ist noch, ob Turner auch seinen Sitz als Direktor von AOL Time Warner aufgeben wird.
Turner hat einen rasanten Aufstieg zu einer der mächtigsten Figuren der Medienbranche hinter sich. Bekannt wurde er auch durch seine offene Sprache, durch politische Aktivitäten wie die Erfindung der Goodwill Games und die zehnjährige Ehe mit der Schauspielerin Jane Fonda.
Am Anfang waren Werbetafeln
Sein Imperium baute Turner aus dem dahinsiechenden Werbetafel-Geschäft seines Vaters auf, der sich wegen erdrückender finanzieller Probleme das Leben nahm. Ted Turner war damals 24 Jahre alt war. Den Einstieg ins Fernsehgeschäft machte Turner 1970 mit dem Kauf des Regionalkanals Channel 17 in Atlanta. 1976 begann er, Sendungen über Satellit USA-weit auszustrahlen.
1980 ging Turner mit dem anfangs belächelten ersten 24-stündigen Nachrichtenkanal CNN auf Sendung, seinem inzwischen berühmtesten Projekt.
Liebe zum Sport
Der Vollblutunternehmer Turner konnte es jedoch nicht nur beim Mediengeschäft belassen. 1976 erwarb er das Baseball-Team Atlanta Braves, dass er in einer schwierigen Saison auch direkt von Spielfeldrand managte. Ein Jahr später kaufte er sich die Basketball-Mannschaft Atlanta Hawks dazu.
Als Segler hat Turner in den 70er Jahren den America's Cup für die Vereinigten Staaten erfolgreich verteidigt.
Die Liebe zum Sport mischte sich mit Turners philantropischen Anwandlungen. 1985 gründete er die „Better World Society“, um über Hunger, Wettrüsten und Umweltverschmutzung aufzuklären. Nachdem die Staaten des Ost- und Westblocks Anfang der 80er Jahre wegen politischer Boykotte sich zwei Mal in Folge nicht bei Olympischen Spielen messen konnten, rief Turner die Goodwill Games ins Leben, eine Art Alternativ-Olympia. Die ersten Spiele fanden 1986 in Moskau statt und gehen auch nach dem Fall des eisernen Vorhangs weiter.
Kritiker der Fusion AOL und Time Warner
Oft genug musste Turner auch Niederlagen einstecken. Der Übernahmeangriff auf den Sender CBS scheiterte, der Kauf der Filmbibliothek der MGM-Studios im Jahr 1986 für 1,4 Milliarden Dollar erweis sich als zu teuer. Die Ehe mit Jane Fonda zerbrach nach zehn Jahren 2001.
1996 brachte Turner sein Imperium in den Medienriesen Time Warner ein und übernahm den Posten eines Vice-chairman. Die Tätigkeit als zweiter Mann aber behagte ihm schon damals nicht.
Turner gilt als ein scharfer Kritiker der Mega-Fusion mit dem Online-Dienst AOL und nahm dabei auch als Vize-Vorsitzender kein Blatt vor den Mund - wie auch in allen anderen Lebenslagen. Im politisch korrekten Amerika handelte Turner sich mit Beleidigungen gegen Gläubige, Schwarze oder Frauen immer wieder Negativschlagzeilen ein.
In den vergangenen Jahren hat der Unternehmer mehr Zeit auf seinen Ranches in den Vereinigten Staaten und in Argentinien verbracht und sich dort für Umweltschutzbelange eingesetzt. Mehr Aufmerksamkeit widmete er auch seiner Restaurantkette „Ted's Montana Grill“, die auf Bison-Burger spezialisiert ist.