01.06.2012 · Ein guter Spürsinn fürs Geschäft machte Anton Schlecker zum Milliardär. Dass die Welt sich änderte, hat er übersehen. Sein Realitätsverlust hat den Niedergang der Filialkette verursacht.
Von Susanne PreußRichtlinien für Lesermeinungen
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hat mit seinem Vermögen für die Firma gehaftet. Das kann man von den Dax-Vorständen nicht behaupten. Trotzdem vernichten die mehr Arbeitsplätze, als es jemals bei Schlecker gegeben hat. Aber da sitzen ja auch u.a. die SPD-Granden im Aufsichtsrat - mit Millionen € an Aufsichtsrats-Bezügen. i
Wie war es eigentlich möglich , dass Schlecker mit seinen finsteren Läden und Machenschaften so groß werden konnte und auch so extrem expandieren konnte ? Diese Fragen führt schon wieder zu den Banken , die zwar viele Kleinkreditnehmer zurückweisen, wohl aber Schlecker mit Unmengen von Geld belieferten .
Schlecker? War das nicht der Ausbeuterkonzern, der alle raus schmiss, um sie dann als Zeitarbeiter
billiger zu beschäftigen? Ist das nicht moderne Sklaverei? Mir
haben die Schleckerfrauen damals schon Leid getan. Aber retten sollte
man dieses Unternehmen nicht. Warum auch? Jeden Monat werden Tausende
Betriebe insolvent. Wer rettet die?
Ich frage mich in was für einen Elfenbeinturm die Firmenleitung
sitzt. Wenn die mal in einen Rossmann, DM oder Müller - Markt
reingeguckt hätten anstatt die Angestellten zu diffarmieren,
hätte sie vielleicht bemerkt, dass ihre eigenen Läden wie DDR
- Konsums aus den 70ern (nur mit mehr Auswahl) aussehen.
Der Glaube an den Vater und ans eigene Ego reicht nicht. Wenn man sich
der Realität verweigert, beratungsresistent ist und dann auch noch
hunderte Mio € nachbuttert, bringt auch die beste
Hochschulausbildung nichts.
Dieses Wort beschreibt hervorragend die Atmosphäre in den
Läden von Schlecker, jedenfalls hatte ich diesen Eindruck bei dem
einzigen Besuch in einem Schlecker-Geschäft, an den ich mich erinnere.
Das Geschäftsmodell von Schlecker lässt – von
außen betrachtet – vor allem eines vermissen: Feed back;
Feed back zu den Mitarbeitern und vor allem zu den Kunden. Information
ist keine Einbahnstraße.
Alle führenden Unternehmen pflegen ihre Kundenbeziehungen und
verwenden sie dazu, ihre Attraktivität zu verbessern. Beispiel: Ein
führender Autohersteller hat mir kürzlich in einer
Kundenbefragung u. a. Fragen dazu gestellt, wie die kürzlich
vorgenommen Änderungen von Abläufen und
Aufenthaltsräumen für Kunden in “meiner“ Werkstatt
ankommen und wie sie weiter verbessert werden können. Kein
Unternehmen kann sich ohne Mithilfe seiner Kunden weiterentwickeln.
Ich kenne kein unsympathischeres Unternehmen als Schlecker . Es wurde expandiert um jeden Preis . Kein Kaff ohne Schlecker . Die Filialen waren oft menschenleer und irgendwie unbehaglich . Der Imageverlust durch Skandale war vorhersehbar . Um die Angestellten tuts mir leid , doch jede Rettung dieses Unternehmens wäre widersinnig gewesen . Gier , Expansionssucht und Profitstreben ohne den Zeitgeist und ihre Menschen dabei im Auge zu haben kann auf Dauer -zum Glück- nicht funktionieren . Das ist übelster Frühkapitalismus . Ich werde nichtmal hingehen um ein Schnäppchen im Abverkauf zu ergattern .
Diese kindisch mißtrauischen Filialbesuche verunsichern nur das
Personal. Besser wäre es gewesen sich die Zeit zu nehmen, um zu
schauen, wie sich der Markt entwickelt und was die Konkurrenz macht,
als diese Spielerein.
Führung in einem Unternehmen geschieht durch Zielvorgabe,
Vollmacht, Vertrauen und Kontrolle. Je größer eine
Unternehmen wird umso wichtiger ist es für den Chef
Prioritäten zu setzen und sich gute Leute zu holen. Dafür ist
es erforderlich, daß man sich öffnet.
Angst ist kein guter Ratgeber und schafft Enttäuschung und
Mißtrauen. Und so kam es, wie es kommen mußte. Auch andere
Wunderunternehmer sind schon so gestorben.
Leidtragende sind die Mitarbeiter, weil ihre Arbeitsplätze
wegfallen. Schlecker hat gar nicht gemerkt, wie sich seinen Konkurrenten
vor ihn gesetzt haben, und seine Fehler vermeiden.
Tja, Hochmut kommt vor dem Fall!
Die Frage ist, wo sind die Millarden auf dem Firmenvermögen?
Wer als Unternehmer (womöglich jahrzehntelang) jeden Monat seinen Arbeitnehmern den Lohn überweist, dem dankt keiner. Wenn es dem Unternehmer aber nicht gelingt, dann wird auf ihm rumgetreten, so gut es geht. Dann glaubt jeder (be-)richten zu können, der selbst noch nicht einmal eine Würstchenbude führen könnte. Der Artikel der Autorin ist übrigens insofern noch wohltuend harmlos.
"Billig ist nicht alles."
Und eben billig war Schlecker ja nie. Man hat sich nur nach außen
billig gegeben.
Also in dem Schlecker, den es bei mir gab und der seit Jahresanfang
geschlossen ist, war der Inhaber eine GmbH (kein XL).
Leider kennt sich niemand mit dem Firmengeflecht des A.S. aus. Aber ein
Mehr an investigativem Journalismus würde diesem diffusen Thema gut
tun.
"Ein guter Spürsinn fürs Geschäft machte Anton Schlecker zum Milliardär."
Man könnte natürlich auch schreiben: Die Ausbeutung seiner Angestellten machte Anton Schlecker zum Milliardär. Hat das mal jemand ausgerechnet, welchen Stundenlohn Schlecker seinen Kassenfrauen hätte bezahlen können, wenn er auf ein paar Milliarden verzichtet hätte? Aber mit dem weißen Handschuh durch die Filialen laufen, um nach Staub zu suchen ... Was für ein Psychopathenpärchen.
...ging Anton Schlecker der Wandel der Märkte, des Konsumverhaltens
und des Wettbewerbs wohl einfach zu schnell. Schade nur um die
Arbeitsplätze. Ein Trost: Mit dem "Wandel der
Märkte" ist nicht nur der Wegfall von Arbeitsplätzen,
sondern auch das Entstehen neuer Arbeitsplätze gemeint.
An sich wird Schlecker wohl kaum jemand vermissen: Die Kunden nicht, die
Mitarbeiter nicht (bei dem schlechten Betriebsklima wird ihnen
höchstens *ein* Arbeitsplatz, ganz sicher aber nicht *der*
Arbeitsplatz fehlen), und den Lieferanten schon gar nicht.
Und zu den Filialen selbst: Sie waren klein, eng, ungeordnet, dunkel und
unfreundlich. Der Online-Shop war kaum jemandem bekannt, er war in der
großen Online-Gemeinde auch kein wirklicher Leuchtturm - mehr eine
alte Straßenlaterne, an der man zügig vorbei geht.
Was zeigt, dass selbst ein Unternehmer, der erfolgreich
Einkaufs- und Personalkosten drückt und sich lieber einen Stellungskrieg mit Gewerkschaften und Betriebsräten liefert, als die Arbeitsbedingungen zu verbessern, deswegen nicht zwingend ein guter Geschäftsmann sein muss. Respekt verdient allerdings, dass er seine Fehler wenigstens selbst gemacht und sich nicht hinter einem Blender-Management a lá Karstadt/Quelle versteckt hat. Da laut Manager-Magazin ("Schlecker fällt weich", 22.3.2012) das gesicherte Familieneinkommen der Schleckers noch ca. 70.000 EUR monatlich beträgt, wird ihm wenigstens die Peinlichkeit erspart bleiben, seine ehemaligen Angestellten in der Warteschlange vor der Arbeitsagentur wiede zu treffen.
Was für ein Konzept.! :)
Da geht man 2 mal in eine Laden, um etwas zu kaufen, aber die Ware ist
nicht im Laden.
Wie lange kann dann ein Laden dann überleben?
Billig ist nicht alles.
@ANTON PASCHKE: „Ihr jungen Wessis werdet es auch noch erleben.“
Sie als Ossi haben die sozialistischen Strukturen und Zersetzungen in der Belegschaft sofort und sehr gut erkannt. Nur sind wir hier nicht im Sozialismus und deshalb kann so etwas auch nicht jahrzehntelang gutgehen. Und was Ihre Aussage in meiner Überschrift betrifft, so erleben es die Schleckermitarbeiter bereits jetzt; sie werden jetzt arbeitslos. Also es findet jetzt gerade statt. Aber man soll gar kein Mitleid mit den Schleckerinnen haben,denn wenn man dem Artikel glauben darf, dann haben die ihren Arbeitgeber (der mit seinem Privatvermögen haftet) ganz schön hintergangen und das rächt sich jetzt. Sie haben sich ihr eigenes Grab geschaufelt indem sie die Stunde Vorolaufzeit nicht zum Staubwischen genutzt haben, sondern in eine Filiale gefahren sind, um ihre Regale aufzufúllen. Sie hätten die Regale besser leer gelassen, dann hätte der Boss Fehlstrukturen rechtzeitig erkennen kónnen und gegensteuern kónnen. Dann wären vielleicht wirklich nur ein paar Filialen auf dem Land geschl
Wie lange kann dann ein Laden dann überleben?
Jahrzehnte. Ihr jungen Wessis werdet es auch noch erleben.
Die Personalpolitik Schleckers hat gleichzeitig wie ein Werbeprogramm für Gewerkschaften gewirkt. Der Origanisationsgrand, den Ver.di bei Schlecker erreicht hat, übersteigt den Durchschnitt bei Discounterketten um das Vierfache. Eine große Erfolgsgeschichte in der Mitgliederakquise. Kein Wunder also, dass Ver.di mit so großer Vehemenz eine staatliche "Rettung" fordert.
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