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Anshu Jain Der Banker, der „The Deutsche“ umbaut

Ein Inder rockt die Deutsche Bank: Seit 1. Juni führt Anshu Jain Deutschlands einzige Bank von Weltrang. Eine Annäherung in drei Kapiteln: Geld, Macht, Liebe.

© Röth, Frank Vergrößern Mit Knopf im Ohr: Vokabeln büffeln sei „keine leichte Aufgabe“

Das Geld

Mit dem Geld und der Gerechtigkeit verhalte es sich ganz simpel, sagt Anshu Jain im Zwiegespräch. „Jeder Mensch hat Talente, Georg“, führt er aus: „Sie haben Talente, ich habe Talente. Für meine ist der Preis hoch, für ihre niedriger. Schlecht für Sie, gut für mich.“

Georg Meck Folgen:    

Noch Fragen? Der Mann meint das nicht böse. So ist die Welt nun mal. Der Professor im Hörsaal könnte es nicht prägnanter formulieren: Der Markt, also Angebot und Nachfrage, regeln den Preis, auch den für die menschliche Arbeitskraft. Wer mag da richten über Gerechtigkeit und Moral? Einen besseren Maßstab gibt es nicht.

Es ist auch keine Schande, wenn der Markt die eigenen Fähigkeiten niedriger einstuft als diejenigen von Anshu Jain: Höher wird niemand bewertet, zumindest kein Angestellter in Deutschland. Kein Topmanager eines deutschen Konzerns hat in den vergangenen Jahren mehr verdient als der heutige Cochef der Deutschen Bank.

Spitzenverdiener

In den einschlägigen Tabellen der Spitzenverdiener lag meist Josef Ackermann vorne (bis ihn VW-Chef Martin Winterkorn 2012 verdrängte), mit Spitzengagen jenseits der 10 Millionen Euro. „Es gibt in der Bank Leute, die weit besser bezahlt werden als ich“, pflegte Josef Ackermann zu sagen: Gemeint waren die Kameraden in London, die Investmentbanker mit Anshu Jain an der Spitze, dem auch innerhalb der Bank ein Vielfaches der Ackermann-Bezüge nachgesagt wurde.

Für ihre Vorstände müssen die großen börsennotierten Firmen seit einigen Jahren die Gehälter einzeln ausweisen, nicht aber die der Leute auf den unteren Hierarchiestufen, selbst wenn diese mehr verdienen: In diese Kategorie fiel Anshu Jain bis zum Jahr 2009, ehe er in den Vorstand befördert wurde. Verdient hat er vorher mehr.

Für Josef Ackermann ergeben die einschlägigen Berichte eine runde Zahl: In den zehn Jahren als Bankchef bringt der Schweizer es in der Summe auf knapp 100 Millionen Euro, ein stolzer Betrag, wenn auch bei weitem nicht alles davon bar ausbezahlt wurde, sondern in Aktien. Und natürlich gilt: Brutto ist nicht gleich netto.

Keiner weiß es

Anshu Jain liegt auf jeden Fall darüber, und zwar deutlich. „Zwischen 200 und 300 Millionen Euro hat Herr Jain in all den Jahren insgesamt sicher nach Hause getragen“, schätzt einer der führenden Vergütungsexperten im Land. „Genau weiß das außer ihm keiner.“ Verbürgt ist, dass Investmentbanker in aller Welt andere Gehälter aufrufen als gewöhnliche CEOs in Großkonzernen. In guten Jahren sind 40 bis 60 Millionen Dollar drin.

Der Würzburger Bankenprofessor Ekkehard Wenger taxiert Superstar Jain deshalb deutlich höher: „Brutto hat er an die 500 Millionen Euro aus der Deutschen Bank rausgetragen: Leute wie Jain haben die Kuh gemolken, jetzt ist sie abgemagert bis aufs Skelett.“ Nun hat der Hochschullehrer Wenger, berüchtigt als Vorstandsschreck, generell eine Vorliebe für drastisches Vokabular. Mit der Deutschen Bank aber hat er eine Rechnung offen: „Ich habe vor mehr als 20 Jahren Aktien für umgerechnet 36 Euro gekauft. Den Kurs haben sie nicht mal gehalten.“ Jedes Sparbuch rentiere sich besser, zürnt er: „Für langfristige Anleger ist mit der Deutschen Bank nichts zu gewinnen.“ Der Konzern mag Milliarden verdienen, bei den Eigentümern kommt nichts an: „Das ist wie in einer Fußballmannschaft: Alles Geld, das reinkommt, wird an die Stars rausgehauen. Für den Verein bleibt nichts.“

Wenger ist kein Neidprediger, er gönnt jedem Milliardär sein Vermögen - Leuten wie den SAP-Gründern, die etwas Bleibendes schaffen, die persönliche Risiken eingehen und dafür belohnt werden: „Wofür aber werden die Deutschbanker belohnt?“

Kein Großaktionär

Die Aktionäre, auch die großen und professionellen, werden jedenfalls unruhig. Sie akzeptieren die Fabelgehälter im Bankenviertel nicht länger. Die Investoren sehen nicht länger ein, dass sie verarmen, während ihr Personal, die angestellten Manager, ein Vermögen aufbauen. Darauf hat die Deutsche Bank zu reagieren.

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Veröffentlicht: 07.10.2012, 10:58 Uhr

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Von Jan Grossarth

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