28.06.2009 · Seine Opfer beschimpfen ihn als Monster und Teufel: Bernard Madoff, der größte Finanzbetrüger aller Zeiten, hat das reiche Amerika erschüttert. Die Superreichen in Palm Beach und anderswo haben ihn tief verehrt. Umso drastischer soll jetzt die Strafe ausfallen.
Von Norbert KulsIn der Einfahrt mit den grauen Kieselsteinen liegt der braune, abgebrochene Ast einer Palme. Die hohen Hecken, die über die der Nachbarn am North Lake Way von Palm Beach hinausragen, sind ungeschnitten. Die Anlegestelle für das Boot hinter dem grünlich gestrichenen zweistöckigen Anwesen ist leer. Von der zweispurigen Straße aus, die sich durch die heckenbesäumten Grundstücke zieht, ist kein Name eines Besitzers zu erkennen und auch keine Hausnummer. Aber in Palm Beach weiß jeder, wer im „410 North Lake Way“ gewohnt hat. Es war das Haus des Börsenmaklers Bernard „Bernie“ Madoff, der für den größten Finanzbetrug in der Geschichte der Wall Street verantwortlich ist. Er hatte den Kunden seiner Vermögensverwaltung ein Vermögen von fast 65 Milliarden Dollar vorgegaukelt. Übrig ist davon gerade mal eine Milliarde.
Am Montag steht dieser Fall vor einem neuen Höhepunkt. Mitte März hatte sich Madoff in elf Anklagepunkten des Wertpapierbetrugs, der Geldwäsche, des Meineids und falscher Angaben gegenüber der Börsenaufsicht schuldig bekannt. Am Montag wird der zuständige Bundesrichter Denny Chin im 9. Stock des Bundesgerichtes von New York die Höhe der Strafe für Madoff verkünden. 150 Jahre Haft fordern die Staatsanwälte, außerdem ist von 170 Milliarden Dollar Strafe die Rede (Madoff-Urteil: 170 Millarden Dollar Strafe, 150 Jahre Haft?).
Im Umfeld der Superreichen nur zweite Wahl
Madoffs im März von den Behörden beschlagnahmtes Haus im Wert von fast 10 Millionen Dollar würde in vielen anderen Orten als exklusive Villa durchgehen. In Palm Beach, der Enklave der Superreichen vor der Südküste Floridas, ist das Haus bestenfalls zweite Wahl auf den Listen der Makler. Die relative Bescheidenheit ist ein erster Hinweis auf den Charakter und die Vorgehensweise von Madoff. „Madoff hat nicht auf dem Niveau gelebt, auf dem er hätte leben können“, sagt der Autor Laurence Leamer, der seit mehr als einem Jahrzehnt in Palm Beach lebt. „Er hat sich bewusst bedeckt gehalten.“ Leute, die Madoff kannten, bevor die Fernsehbilder ihn als stoischen Mann zeigten, der sich mit Baseballmütze und Mantel einen Weg durch einen Pulk von Fotografen bahnt, bezeichnen ihn als unprätentiös und zurückhaltend. Ihn umgab wohl auch deshalb der exklusive Nimbus eines Mannes, der auf geheimnisvolle Weise Geld vermehren kann.
Vor seiner Verhaftung im vergangenen Dezember war der Name Madoff außerhalb der Welt der Börsenhändler an der Wall Street und der Zirkel seiner reichen Kunden kaum bekannt. Madoff, der Gründer der Börsenmaklerfirma Bernard L. Madoff Securities, hatte sich in den achtziger Jahren zwar einen Namen als Innovator von elektronischem Wertpapierhandel gemacht und war zeitweise Verwaltungsratsvorsitzender der elektronischen Börse Nasdaq. Aber solche Themen, zu denen Madoff als Experte auch die Börsenaufsicht SEC beriet, sind was für Fachleute und nichts für Gesellschaftsspalten von Zeitungen. In Palm Beach fiel Madoff auch nicht weiter auf. Dort tummeln sich so viele Reiche, dass einer wie Madoff nicht heraussticht, wenn er sich nicht gerade mit Spenden bei Wohltätigkeitsbällen in die feine Gesellschaft der Insel einkaufen will.
Das war nicht Madoffs Welt
Das war nicht Madoffs Welt. „Vor dem Skandal wussten wir nicht, wer Madoff ist“, räumt Jeff Ostrowski ein, ein Reporter der Regionalzeitung „Palm Beach Post“. Madoff besaß zwar alle Insignien des Reichtums – ein Penthouse in Manhattan, Yachten und Häuser in Florida und Südfrankreich, ein weiteres Haus auf Long Island. Aber sein Haus in Palm Beach verblasst neben anderen Anwesen mit langen Anfahrten, großen Toren und Schildern, die zum Dienstboteneingang weisen. Auch seine Wohnung an der noblen Ostseite von Manhattan zählt mit einem geschätzten Wert von 7 Millionen Dollar zu einer mittleren Preisklasse dieser Kategorie. Sein Lieblingsrestaurant in New York war das Primola, ein freundlicher Italiener an der 2. Avenue in der Nähe seiner Wohnung. Es gibt schillerndere Plätze in New York.
Anlagebetrug ist im Süden Floridas mit seinen Neureichen und vermögenden Rentnern, die sich als potentielle Opfer für Finanzjongleure eignen, kein Fremdwort. „Das ist nichts Neues hier“, sagt Rebel Cook, eine Maklerin für Geschäftsimmobilien in Palm Beach. Aber das Ausmaß von Madoffs Milliardenmasche sprengt die bisherigen Dimensionen.
Palm Beach ist eine in viele Schichten aufgeteilte Welt. Es gibt dort die protestantische Ostküstenelite, die die Insel lange geprägt hat, und eine jüdische Elite, die erst in den vergangenen Jahren den gesellschaftlichen Aufstieg geschafft hat. Und dann gibt es noch die Grenzen, die die Höhe des persönlichen Vermögens zieht. „Jeder lebt hier in einem Silo“, sagt Laurel Baker, die geschäftsführende Direktorin der Handelskammer von Palm Beach, bei einer Fahrt entlang des Royal Palm Way. An dieser palmengesäumten Allee reihen sich die Vertretungen der großen amerikanischen Banken. Auch die Deutsche Bank hat dort eine Filiale.
In der jüdischen Gesellschaft sehr verehrt.
Madoff war wegen seiner exzellenten Reputation in der jüdischen Gesellschaft sehr verehrt. Dort rekrutierte er in New York oder Palm Beach seine Anleger. In Palm Beach war die Nachricht von seiner Verhaftung daher eingeschlagen wie eine Bombe. Ein Teilnehmer einer jüdischen Wohltätigkeitsveranstaltung am Abend danach habe die Stimmung mit dem Untergang der Titanic verglichen, berichtet Autor Leamer. „Das Schiff sank, und die Leute schrien: ‚Ich haben dies verloren und das verloren.‘ Und alle Leute waren betrunken, selbst die, die sonst nie trinken.“
Der Verlust von Geld ist in Palm Beach vielleicht noch schlimmer als anderswo. In dem Ort, wo sich vieles, wenn nicht alles um Geld dreht, bedeutet das auch gesellschaftliche Ächtung. Margrit Bessenroth, die in Palm Beach einen Friseursalon und eine Boutique führt, erzählt von einer Kundin, die 18 Millionen Dollar verloren hat. „Die meisten reden aber nicht darüber“, sagt die Deutsche. „Wenn man viel Geld hat, ist man angesehen. Wenn man keins mehr hat, ist man nicht mehr angesehen. So einfach ist das hier.“
Im Dezember, als der Madoff-Skandal erstmals Schlagzeilen machte, beginnt auch der Höhepunkt des gesellschaftlichen Lebens von Palm Beach, die Saison der Bälle und Wohltätigkeitsveranstaltungen. „Normalerweise beginnt die Saison mit einer freudigen Stimmung“, sagt Adele Kahn, die seit 1971 in Palm Beach lebt. „In diesem Jahr haben wir davon nichts gespürt.“ Kahn, die in ihrem House of Kahn mit Juwelen aus Nachlässen und antikem Schmuck handelt, öffnet eine rote Schatulle, die den Blick auf ein funkelndes Stück aus Diamanten freigibt. „Das hat mit Madoff zu tun“, sagt sie, ohne den Namen der Kundin zu nennen, die ihr das Halsband verkaufen musste. Miss Kahn stellt ihren Kunden keine Fragen.
„We got hurt“
Diskretion ist Teil ihres Geschäfts. „Man darf den Leuten nicht den Stolz nehmen“, sagt sie. Aber die Frau mit der roten Schatulle hatte ihr den Grund für den Notverkauf dennoch anvertraut. „We got hurt“ – wir sind verletzt worden“, habe sie gesagt, berichtet Kahn. Sie benutzt dieses Wort – hurt – häufig, wenn die Rede auf Madoffs Opfer kommt. Es ist eine ungewöhnliche Wortwahl. Genauso gut könnte sie davon reden, dass die Opfer Geld verloren haben oder pleite sind. Hurt geht tiefer – verletzen oder auch kränken bedeutet es.
Wer in der Welt von Palm Beach seine Diamanten verkaufen muss, ist besonders verzweifelt. „Juwelen sind das Letzte, von dem sich die Leute trennen“, weiß Kahn. Kahn, selber Jüdin, wird ungehalten, wenn sie über den Juden Madoff redet. „Warum musste er das Geld von seinen eigenen Leuten nehmen? Ich habe mehr Respekt für die Mafia als für Madoff“, schimpft sie.
Madoffs Jagdgrund in Florida war der Palm Beach Country Club. Der Golfclub in bester Lage am Atlantik, vor dem die amerikanische Flagge weht und Karossen der Marken Bentley und Lexus parken, war einst gegründet worden, weil Juden in den Clubs der protestantischen Elite keinen Zugang hatten – und immer noch nicht haben.
Der Country Club hat besondere Aufnahmevoraussetzungen. Die Kandidaten für eine Mitgliedschaft gehen durch einen rigoroseren Ausleseprozess als bei dessen protestantischen Pendants, dem Everglades oder dem Bath & Tennis Club. Die Verhältnisse, aus denen sie stammen, werden gründlich überprüft, und sie müssen neben der Mitgliedsgebühr von rund 300.000 Dollar auch bedeutende Spenden an wohltätige Organisationen, besonders an jüdische Institutionen und an Israel, gemacht haben. Das Geld muss zudem sauber sein. Wer sein Vermögen als Ausbeuter von Mietern in Armenvierteln oder auch nur als Betreiber eines Müllkonzerns gemacht hat, kommt nicht hinein. Madoff war dort seit 1996 Mitglied.
Der Club ist allerdings auf seine Weise ebenso elitär wie seine Vorbilder. „Viele Mitglieder des Palm Beach Country Club behandeln die, die sie für unwürdig halten, in die heiligen Pforten ihres Clubs einzutreten, auf eine verächtliche Weise, die die Art, wie sie von den zugangsbeschränkten Clubs behandelt werden, nachbildet und überhöht“, schreibt Leamer in seinem Anfang des Jahres veröffentlichten Buch „Madness Under the Royal Palms“, einer schonungslosen Gesellschaftsstudie von Palm Beach.
Was den Betrug so perfide macht
Die Geschichte dieses Clubs ist die Geschichte des Aufstiegs der vermögenden jüdischen Klasse in Palm Beach, die bis in die sechziger Jahre nicht in den führenden Hotels wie dem ausladenden Breakers übernachten konnte. „Es waren die größten Wohltäter und die kultiviertesten Leute. Sie wollten für ihre guten Taten gefeiert werden“, beschreibt Leamer die Juden von Palm Beach. Gerade das aber macht Madoffs Betrug so perfide. Madoff wurde verehrt, weil er selbst zu den großen Spendern gehörte und den Reichtum der anderen Wohltäter vermeintlich mehrte. Der elitärste Zirkel in diesem elitären Club war der der Investoren, dessen Geld Madoff annahm. „Jewish T-Bill“ – jüdische Staatsanleihe – nannten seine Investoren Madoff wegen seiner ungewöhnlich beständigen Renditen, die sich jetzt als Fata Morgana entpuppten. Wie viele der Mitglieder des Palm Beach Country Club stammte Madoff aus einfachen Verhältnissen und hatte keinen Abschluss von einer der Eliteuniversitäten an der amerikanischen Ostküste. Auch das hat die Anziehung von Madoff ausgemacht, der im New Yorker Mittelklasseviertel Queens aufgewachsen war und sein Jurastudium an der Brooklyn Law School nie beendet hat. Seine Börsenmaklerfirma, die ihn reich machte, hatte er mit den 5000 Dollar gegründet, die er sich als Rettungsschwimmer und mit der Installation von Sprinklern verdient hat.
Neben Juwelen mussten sich Kunden von Madoff in den vergangenen Monaten auch von anderen Besitztümern trennen. Tara Pearl, die Chefin des Immobilienmaklers Palm Beach Real Estate, berichtet, dass kurz nach Bekanntwerden des Skandals zwei der Wohnungen im exklusiven Apartmentkomplex neben dem Breakers Hotel auf den Markt kamen - und sofort Käufer fanden, weil es für die Millionen-Apartments mit Blick auf den Atlantik eine lange Warteliste gibt. Wie Adele Kahn nennt auch Pearl keine Namen. Aber in Palm Beach weiß ohnehin jeder, wer betroffen ist. Im Rahmen des Insolvenzverfahrens wurden die Namen der Madoff-Opfer inklusive Adresse veröffentlicht. Die engbedruckte Liste umfasst 162 Seiten.
Nicht alle Opfer haben eine Adresse in Palm Beach
Nicht alle Opfer haben eine Adresse in Palm Beach. „Zuerst hörte man von den sehr Reichen in Palm Beach, aber dann weitete sich der Skandal nach und nach aus“, sagt der Rechtsanwalt Craig Stein, der eine Reihe von Opfern vertritt und sowohl Banken als auch Privatpersonen verklagt, die Gelder ihrer Kunden zu Madoff weitergeleitet haben. „Es betrifft nicht nur Reiche, die 10 Millionen Dollar verloren haben, sondern auch eine Frau, die jetzt nicht mehr ihre Ausgaben für betreutes Wohnen zahlen kann“, erzählt Stein. Banken und Vermittlern wird vorgeworfen, Madoff nicht ausreichend durchleuchtet zu haben. Denn es gab seit Jahren Hinweise und Beschwerden auf Ungereimtheiten bei Madoff, die auch ein schlechtes Licht auf die Börsenaufsicht SEC warfen.
Auf der Liste der Opfer stehen illustre Namen: Fred Wilpon und Saul Katz, die Besitzer des New Yorker Baseballteams Mets; Jeffrey Katzenberg, der bekannte Hollywoodproduzent; Frank Lautenberg, ein amerikanischer Senator. Auch europäische Banken hatten eigenes Geld oder das Geld ihrer Kunden bei Madoff angelegt. Deutsche Anleger sind ebenfalls betroffen, vor allem Kunden kleiner Vermögensverwalter, die insgesamt 220 Millionen Euro in Fonds investiert hatten, die wiederum bei Madoff engagiert waren. Betroffen waren auch Stiftungen des Filmregisseurs Steven Spielberg oder die Stiftung des Holocaust-Überlebenden und Friedensnobelpreisträgers Elie Wiesel. Die Elie Wiesel Foundation for Humanity hat 15,2 Millionen Dollar mit den Anlagen bei Madoff verloren.
„Psychopath‘ ist ein zu nettes Wort für ihn“
„Psychopath‘ ist ein zu nettes Wort für ihn“, sagte Wiesel bei einer Podiumsdiskussion Ende Februar. Madoff solle in einer Einzelzelle mindestens fünf Jahre lang Bilder seiner Opfer betrachten, schlägt Wiesel vor. Wiesel war vor zwanzig Jahren dem geheimnisvollen Nimbus von Madoff auf den Leim gegangen. Ein vermögender Freund hatte die beiden einander vorgestellt. Während des Abendessens mit Madoff wurde nicht einmal über Geld gesprochen - eher über Bildung, Geschichte und jüdische Philosophie. „Er präsentierte sich als Menschenfreund“, erinnert sich Wiesel. Wiesel vertraute Madoff erst seine persönlichen Ersparnisse an, später - nachdem die Renditen in die Höhe geschossen waren - überwies er auch die Gelder seiner Stiftung. Sein Freund, dessen Namen Wiesel verschwieg, hat 50 Millionen Dollar verloren.
Am Montag werden einige Opfer von Bernard Madoff Gelegenheit haben, ihrer Wut Luft zu machen. Die Staatsanwälte haben Richter Chin vor einer Woche 113 Briefe und E-Mails von Opfern oder Angehörigen vorgelegt, in denen Madoff als „Monster“ und „Teufel“ beschimpft wird (Der Fall Madoff: Mörder, Monster, Teufel). Eines der Opfer vergleicht Madoff mit Adolf Hitler. Acht der Geschädigten haben darum gebeten, bei der Urteilsverkündung sprechen zu dürfen. Auch Madoff will bei der Urteilsverkündung das Wort ergreifen und nach Angaben seines Anwalts Ira Sorkin über seine „Scham“ und die von ihm verursachten Schmerzen sprechen. Sorkin fordert wegen des fortgeschrittenen Alters von Madoff eine Haft von nur zwölf Jahren.
Das Prinzip von Madoffs Betrug war einfach. Es war ein simples Schneeballsystem. Madoff verwirrte seine Kunden mit einer für Laien nur schwer zu verstehenden Investmentstrategie und blockte Nachfragen ab. Er investierte das Geld aber nicht in Aktien amerikanischer Standardwerte, die er mit Optionen abzusichern versprach. Er deponierte das Geld vielmehr auf einem Konto der Chase Manhattan Bank in New York. Wollten Kunden Gelder herausnehmen, bediente er sie aus diesem Fundus. Dieses System funktionierte lange, weil es ihm gelang, immer mehr neue Kunden anzuwerben, die die alten auszahlten. Erst als wegen der jüngsten Finanzkrise zu viele Kunden ihr Vermögen abziehen wollten, brach das Lügengebilde zusammen. Er gestand schließlich seinen beiden Söhnen, die beide für seine legitime Börsenmaklerfirma arbeiteten, den Betrug. Dann ging er zusammen mit seiner Frau Ruth auf eine Feier seiner Firma. Am nächsten Morgen verhafteten ihn zwei Agenten des FBI in seinem Penthouse in Manhattan.
Das Motiv? „Die Profiinvestoren unter den Kunden der Vermögensverwaltung haben erwartet, dass sich die Anlagen überdurchschnittlich entwickelten“, las Madoff bei seinem Geständnis aus seiner fünfseitigen Erklärung vor. Wegen der Rezession Anfang der neunziger Jahre sei das aber nicht möglich gewesen.
Opfer glauben nicht an einen Einzeltäter
Die Erklärung ließ aber wichtige Fragen offen. Kaum jemand unter den Opfern glaubt, dass Madoff keine Mitwisser hatte. Immerhin arbeiteten rund 20 Leute für seine Vermögensverwaltung im 19. Stock des ovalen Lipstick-Gebäudes in Manhattan. Kunden bekamen regelmäßig Kontoauszüge. Zudem hatte Madoffs Frau Ruth kurz vor seiner Verhaftung eine Überweisung in zweistelliger Millionenhöhe von einer von Madoff kontrollierten Wertpapierfirma erhalten. Obwohl es bisher keine Belege gibt, dass Ruth Madoff von dem Betrug gewusst hat, ist sie laut „New York Times“ mittlerweise „die einsamste Frau in New York“. Noch nicht mal ihr Friseur, der auch viele Opfer von Madoff zu seinen Kunden zählt, will mehr etwas mit ihr zu tun haben. Die Behörden weiten ihre Ermittlungen unterdessen aus. Am vergangenen Montag verklagte die Börsenaufsicht den in Palm Beach ansässigen Robert Jaffe, der Madoff von 1989 bis 2008 Investoren zugeführt und dafür 150 Millionen Dollar erhalten haben soll. Die SEC ist sich sicher, dass Jaffe „wusste oder fahrlässig ignorierte“, dass Madoffs Wertpapiergeschäfte reine Fiktion waren.
In Palm Beach lässt sich Jaffe schon seit Monaten nicht mehr blicken. „Ich habe ihn früher oft morgens getroffen“, sagt John Blades, der Leiter des Flagler-Museums, das dem Gründervater von Palm Beach, dem Rockefeller-Partner und Eisenbahntycoon Henry Flagler, gewidmet ist. „Jaffe ist geächtet. Keiner sieht ihn mehr.“ Jaffe, der früher oft im offenen Wagen durch Palm Beach brauste, war kurz nach dem Bekanntwerden des Skandals im Mar-A-Lago Club aufgetaucht, dem Golfclub des Immobilienmoguls Donald Trump. „Damals ist es fast zu einem Faustkampf mit einem der Investoren von Madoff gekommen“, berichtet Blades, der den Club einen Tag später besucht hatte. „Die Leute haben über nichts anderes geredet.“ In Palm Beach tun sich auch persönliche Abgründe auf. Jaffe ist der Schwiegersohn des ehemaligen Bostoner Textilunternehmers Carl Shapiro, dessen Familie und dessen Stiftung mehr als eine halbe Milliarde Dollar durch Madoff verloren haben. „Bernie Madoff war der Sohn, den Carl Shapiro nie hatte“, hieß es in der Gesellschaftspostille „Palm Beach Daily News“ nach dessen Verhaftung.
Madoffs Geschichte noch lange nicht zuende
Madoff wird wohl bis an sein Lebensende im Gefängnis bleiben. Die Geschichte ist damit noch nicht zu Ende. Seine Opfer und die wohltätigen Organisationen, die sie unterstützt haben, werden die Nachbeben noch lange spüren. „Palm Beach ist ein anderer Platz geworden“, sagt Autor Leamer. Das Leben geht dort dennoch weiter. Die Schnäppchenjäger sind bereits unterwegs. Immobilienmaklerin Pearl hat bereits Anrufe von Leuten erhalten, die sich für Anwesen von Madoff-Opfern interessieren - auch wenn die noch gar nicht auf dem Markt sind. Aber die Adressen sind ja bekannt.
Geld arbeitet nicht und vermehrt sich nicht - Menschen arbeiten, schaffen Werte
Christoph Anschütz (Anschuetz)
- 28.06.2009, 15:47 Uhr
Wenn die entschwundenen Milliarden genau so leicht verdient waren
Karl-Heinz Andresen (khaproperty)
- 29.06.2009, 20:58 Uhr
Bernie der 2te.
Wolfgang G. Runte (Wolluc)
- 29.06.2009, 22:22 Uhr
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